Gänse- oder Sauerbraten ohne Preiselbeeren? Seit bald 70 Jahren hilft ein Pressather Familienunternehmen, nicht nur in der Region dieses kulinarische "No-Go" zu verhindern. "Wir liefern nach ganz Deutschland und in die Nachbarländer, gut die Hälfte unserer Erzeugnisse wird ins Ausland exportiert", verriet Unternehmenschef Martin Baier der Abordnung des Stadtrats, die sich zu einem Besuch bei der Firma Georg Baier angesagt hatte.
Bürgermeister Werner Walberer, seine Kollegen Max Schwärzer und Wolfgang Graser sowie SPD-Fraktionssprecher Franz Floth freuten sich über den Erfolg des 1949 gegründeten Betriebs, dessen Frucht- und Pilzprodukte auch den Namen der Stadt Pressath in viele Länder hinaustragen. 30 bis 40 Mitarbeiter seien in seiner Firma beschäftigt, informierte Baier: "Das schwankt saisonal."
Einst hätten sich viele Frucht- und Pilzsammler in der Umgebung als Lieferanten ein Zubrot verdient, berichtete er: "Zeitweilig hatten wir um die 200 Annahmestellen." Das Pilz- und Beerensammeln habe in der Oberpfalz eine lange Tradition und sei nach dem Krieg ein nahe liegender Weg gewesen, um Geld zu verdienen: "Hierauf hat mein Großvater Georg Baier ursprünglich sein Unternehmen aufgebaut", erinnerte Martin Baier. Inzwischen nähmen in der Region nur noch wenige Menschen diese Mühe auf sich. An diesen "treuen Unentwegten", die eine Sondererlaubnis des Landratsamts für das gewerbliche Sammeln besäßen und genau über die relevanten Vorschriften unterrichtet worden seien, liege der Firma allerdings nach wie vor: "Es würde mir wehtun, diese Tradition von heute auf morgen aufzugeben."
In erster Linie verarbeite Baier heute allerdings ost- und nordeuropäische Ware, teilte der Firmenchef mit: "Pfifferlinge beziehen wir vor allem aus Weißrussland, Litauen und der Ukraine, Preiselbeeren und Heidelbeeren eher aus Skandinavien, aber auch aus dem Baltikum." Polen, Rumänien und Asien spielten als Liefergebiete ebenfalls eine gewisse Rolle. Jedoch sei auch in Ost- und Nordeuropa die "große Tradition des Pflückens" am Absterben: "Die nordischen Länder lassen sogar Hilfskräfte von den Philippinen einfliegen."
Vor radioaktiver Strahlung bei ukrainischer oder weißrussischer Ware müsse sich kein Kunde fürchten, betonte Martin Baier: "Als Folge der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl werden die von dort importierten Pilze und Früchte an der EU-Außengrenze auf Strahlung geprüft."
Die Produktpalette umfasse hauptsächlich Konserven, Fruchtaufstriche und eingekochte Früchte, die überwiegend über den Gastro-Großhandel und den Feinkosthandel abgesetzt würden: "Wir verarbeiten rund 20 Frucht- und Pilzarten." Doch beliefere das Unternehmen auch Großmärkte mit unverarbeiteten Pilzen und Beeren für die Gastronomie und unterhalte einen Werksverkauf.
Bei einem Rundgang machten sich die Vertreter der Stadt ein Bild von der mit viel Handarbeit verbundenen Pilz- und Fruchtverarbeitung, bei der auch strenge Hygienestandards zu beachten sind. In der Bahnhofstraße und im Industriegebiet Döllnitz unterhält die Firma große Kühl- und Lagerhäuser: "In Döllnitz lagern wir auch eingepökelte Pilze zur Weiterverarbeitung", ließ Martin Baier wissen. An einen kompletten Umzug ins Industriegebiet werde einstweilen aber nicht gedacht.













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