31.05.2020 - 21:03 Uhr
PressathOberpfalz

Stufenschnitt mit Schutzmaske - Ein Tag im Friseursalon zu Zeiten der Corona-Pandemie

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Schönheit, Entspannung, Wellness. Darauf mussten Friseur-Kunden lange verzichten. Auch die Türen des Friseursalons "Glanzhaft" blieben wegen der Corona-Krise geschlossen. Seit Mai haben Friseure wieder geöffnet – unter strengen Auflagen.

Mund-Nasenschutz, Handschuhe, Kittel: Die Friseure des Friseursalons "Glanzhaft" in Pressath setzen die gesetzlichen Auflagen gewissenhaft um.
von Wolfgang Fuchs Kontakt Profil

Am Eingang des Friseur-Salons "Glanzhaft" in Pressath hängt gut sichtbar ein Hinweis für die Kunden: Diejenigen mit Termin mögen bitte vor der Türe warten, bis sie von einer der Friseurinnen abgeholt werden. Wer keinen Termin hat, soll sich bemerkbar machen. Auch sie sollen vor der Türe warten. Kein Risiko. In großem Abstand und mit Maske über Mund und Nase stehen Kundinnen vor der Glastüre und warten geduldig, bis sie an der Reihe sind.

"Die meisten wissen sehr genau, was sie dürfen", beruhigt die Salon-Inhaberin Tanja Hochholzer. Im Zweifelsfall rufen sie vor dem Besuch noch einmal an und erkundigen sich, worauf sie in diesen Zeiten bei einem Friseurbesuch achten müssen. Andere warten lieber noch ein bisschen ab. "Manche sind ängstlich. Das kann ich gut verstehen", betont Hochholzer. Sie persönlich sei sehr froh, dass es endlich weiter geht: "Man kann sich ja nicht dauerhaft daheim einsperren und nichts mehr tun." Wichtig sei es, dass sich jeder vernünftig verhält: Sich zur Begrüßung erst einmal umarmen sei derzeit leider einfach nicht angebracht. Auch wenn es schwer fällt. Hochholzer seufzt. "Wir versuchen, das Beste aus der Situation zu machen." Hauptsache, es gehe weiter.

Geschlossen wegen Corona: Die Unsicherheit war groß

Erst im vergangenen Jahr hat Hochholzer das "Glanzhaft" vergrößert und erneuert, erzählt sie und führt durch ihren Salon. Auf mehrere Nischen verteilt gibt es insgesamt zehn Plätze, einen abgetrennten Platz für Herren, einen eigenen Kosmetikbereich, einen Raum zur Nagel-Behandlung sowie einen zum Haarewaschen. Hochholzer hält inne und lächelt: "Wir haben damals viel in den neuen Salon investiert. Als wir dann schließen mussten, war das erst einmal ein Schock."

Wenn von einem Tag auf den anderen alles wegfalle, mache man sich schon Sorgen, wie es weiter gehen soll und welche Konsequenzen das alles hat. Ihre Mitarbeiter schickte sie notgedrungen in Kurzarbeit, das Gehalt streckte sie ihnen vor. Fixkosten für Miete, Strom und Versicherungen liefen größtenteils weiter. Die Unsicherheit war groß: „Man trägt ja auch Verantwortung für seine Mitarbeiter.“ Zum Glück habe sie keinen ihrer zwölf Angestellten entlassen müssen.

"Man trägt ja auch Verantwortung für seine Mitarbeiter." Tanja Hochholzer ist froh, dass sie wieder Kunden in ihrem Friseursalon "Glanzhaft" empfangen darf.

Besorgt waren auch die Mitarbeiter. Lena Stahl begrüßt mit Maske und Handschuhen eine Kundin und führt sie zu ihrem Platz. "Als wir schließen mussten, fühlte sich das anfangs noch wie Urlaub an", erinnert sie sich. Nach einiger Zeit sei es aber ziemlich schnell ziemlich komisch geworden. "Ich habe mich gefragt, wann es endlich wieder losgeht." Auch für ihre Kollegin Claudia Schieder waren die sechs Wochen eine Zeit der Ungewissheit. "Besorgt war ich schon", sagt sie. Bange Zukunftsfragen drängten sich auf: Wann und wie geht es weiter? Kann das Geschäft überleben? "Man konnte nur abwarten und das Beste hoffen." Nun freut sie sich, endlich wieder arbeiten zu können.

Froh sind auch die Kunden, sagt Schieder und lacht: "Ich bin gut ausgebucht. Der nächste freie Termin ist Anfang Juli, es sei denn, jemand springt ab." Die meisten seien einfach froh, dass der Pelz wieder abkomme. Kunden mit "Corona-Frisur" habe sie bisher nicht gehabt. "Niemand war verschnitten. Im Gegenteil: Manche haben aus der Not heraus eine neue Frisur entwickelt." Am deutlichsten sichtbar sei die längere Abstinenz, wenn es ums Haare färben oder Nägel lackieren geht: Die Farbe wächst heraus.

Die Treue ihrer Stammkunden war ein Punkt, der in dieser Zeit allen Hoffnung machte: "Ich wusste, dass auch unsere Kunden sehnsüchtig darauf warten, dass es endlich wieder weiter geht", sagt Lena Stahl. "Sie waren dann auch sehr froh, als wir sie anriefen und ihnen einen neuen Termin anbieten konnten. Andere haben sich von sich aus bei uns gemeldet."

Die Auflagen sind streng

Nun geht es also wieder los, jedoch unter besonderen Bedingungen. "Wir haben unsere Mitarbeiter vor der Wiedereröffnung in zwei getrennten Gruppen zu den Hygienemaßnahmen geschult", sagt Hochholzer. Um kein Risiko einzugehen, gibt es nun zwei Schichten. So müssten nicht gleich alle in Quarantäne, falls sich jemand anstecken sollte.

Die gesetzlichen Auflagen sind streng. Zunächst müssen sich die Kunden beim Betreten des Salons die Hände desinfizieren. Dazu haben Hochholzer und ihrer Kollegen einen Spender im Eingangsbereich aufgestellt. Im Warteraum stehen zwar wie gewohnt Sessel und Tische, doch der Bereich ist für Kunden gesperrt. Der Mindestabstand von 1,50 Metern muss eingehalten werden. "Auf 20 Quadratmetern Fläche ist ein Kunde erlaubt", erklärt Hochholzer. "Zum Glück ist unser Salon groß genug. Trotzdem besetzen wir derzeit nur jeden zweiten Platz." Die Friseurin deutet auf den Tisch, an dem sich Kunden ihre Fingernägel behandeln lassen. Ein Plexiglas trennt den Bereich des Kunden von dem des Friseurs. Die Kosmetikräume sind von Haus aus von den anderen Bereichen abgetrennt, denn "die meisten Kunden fühlen sich wohler, wenn sie sich bei der Behandlung nicht beobachtet fühlen." Bei Behandlungen im Gesicht, wie Wimpernfärben, Makeup auflegen oder Bärte pflegen, tragen die Friseure FFP2-Masken sowie Helme mit Visier.

Die Friseurinnen Claudia Schieder (links) und Lena Stahl sprechen sich ab. Seit der Wiedereröffnung ist die Nachfrage im Salon "Glanzhaft" groß. Auf 20 Quadratmetern Fläche ist jedoch nur ein Kunde erlaubt.

In einem anderen abgetrennten Bereich wäscht eine Friseurin die Haare einer Kundin – Trockenfrisuren sind verboten. Eine Stammkundin sitzt auf einem Platz und liest in einer Zeitschrift. Sie hat sich ihre Haare schneiden und die Strähnen färben lassen. Mit Folie und Klammern im Haar wartet sie, dass die Farbe trocknet. Trinken und Zeitschrift hat sie selbst mitgebracht, weil der Friseur das derzeit nicht anbieten darf. "Ich bin froh, dass es wieder bergauf zu gehen scheint“, freut sich die 64-Jährige. Dass Friseur-Salons nun einen kleinen Aufschlag für den zusätzlichen Aufwand verlangen, sei mehr als verständlich. „Ich verstehe das vollkommen und hoffe, dass kleine Unternehmen diese schwierige Zeit überbrücken können", sagt sie und wirft einen nachdenklichen Blick in den Spiegel. "Vielleicht können Kunden helfen, wenn sie bewusst konsumieren gehen."

Im Waschraum läuft die Waschmaschine, denn "nach jeder Behandlung müssen die Umhänge gewaschen und die Plätze desinfiziert werden", sagt Hochholzer. Die Friseurin deutet auf mehrere Plastikboxen. "Einmalmasken lagern wir nach Gebrauch in verschlossenen Behältern und entsorgen sie dann." Die Friseure kommen in privaten Klamotten in die Arbeit. Dort ziehen sie sich um, schlüpfen in ihre Arbeitskleidung, die sie nicht mit nach draußen nehmen dürfen, sondern im Studio waschen müssen.

"Ja, viel zusätzlichen Aufwand haben wir derzeit schon", gesteht Hochholzer und zuckt mit den Schultern. "Alles muss dokumentiert werden: Wann kommt der Kunde? Wie lange bleibt er? Wie lauten seine Kontaktdaten?" Die Vorschriften sind streng. "Bei uns gab es zwar noch keine Kontrollen, aber ich habe schon von anderen Friseur-Salons gehört, bei denen das Ordnungsamt bereits zu Besuch war."

Durch den vorgeschriebenen Mindestabstand und den zusätzlichen Arbeitsaufwand können Friseure weniger Kunden annehmen als üblich. Deshalb hat das "Glanzhaft" seine Öffnungszeiten den Umständen angepasst. "Anstatt fünf Tage arbeiten wir jetzt sechs Tage die Woche, jeweils von 8 bis 20 Uhr." Die Inhaberin des "Glanzhaft" ist überzeugt: "So bekommen wir das schon hin."

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