19.03.2020 - 10:11 Uhr
PressathOberpfalz

Wohnraum oder Parkplätze?

Das Gebäude Alte Schulgasse 33 entstand 1849. Mittlerweile befindet es sich im Stadtbesitz. Nun kommt die Frage auf, ob es für Wohnraum saniert oder für Parkplätze abgerissen werden soll. Der Stadtrat diskutiert.

Ein Abriss des Gebäudes soll einen schönen Blick auf die dahinter liegende "Vestn" ermöglichen. Nicht alle Stadträte sind vom Abriss überzeugt.
von Stefan NeidlProfil

Pressath ist voll von historischen Gebäuden und bietet tolle Ausblicke. Eine dieser Sehenswürdigkeiten ist die "Vestn" in der Alten Schulgasse. Da der Stadtkern ziemlich zugewachsen ist, verdecken jedoch andere Gebäude den Ausblick und so ist sie sehr versteckt. Durch den Kauf des Hauses Nummer 33 in der Alten Schulgasse steht der Stadtrat nun vor der Entscheidung, dieses zu sanieren und Wohnraum zu schaffen, oder es für Stellplätze abzureißen und damit tollen Ausblick zu ermöglichen. Stadtplaner Klaus Stiefler stellte die Alternativen vor, was zu einer kontroversen Diskussion führte.

Die Alte Schulgasse 33 wurde 1849 erbaut und 1976 umgebaut. Darin befinden sich sechs kleine Wohneinheiten. Das Gebäude ist zum Teil unterkellert und feucht. Ansonsten ist der Bau statisch in Ordnung. Die Feuchtigkeit hat bereits zu kleineren Schäden im Erdgeschoss geführt.

Der Innenbau ist technisch und optisch auf dem Stand von 1976 stehen geblieben. Die Ölzentralheizung befindet sich im Nebengebäude – die alte Misten des ehemaligen Anwesens. In dessen Dachstuhl kann man vom Fenster des Hauptgebäudes einsehen. Vermutlich wurde es irgendwann einmal aufgestockt. Der Dachstuhl sei in Ordnung, aber die Wände des Nebengebäudes könnten laut Stiefler zum Problem werden.

Aber was soll die Stadt nun damit machen? Schon 2007 gab es einmal die Überlegung, es abzureißen. Die dann entstehenden Parkplätze und eventuell Carports würden einen wunderbaren Blick auf die "Vestn" in die Alte Schulstraße hinauf freimachen. Alternativ wäre eine Sanierung möglich: Pro Stockwerk würden voraussichtliche eine größere und eine kleinere Wohnung entstehen. Eine Sanierung würde aber wohl das Gleiche wie ein Neubau kosten.

Und hier gehen die Meinungen von CSU und SPD auseinander. Franz Floth (SPD) ist sich sicher: 1849 ist anders gebaut worden, die Substanz sei gut. Parkplätze in der Altstadt seien unnötig und falls die für das Altenheim gedacht seien, sollen sie selber welche schaffen. Stiefler wies auf verschiedene Förderprogramme hin, die dies unterstützen würden.

Andreas Reindl (CSU) sieht in dem Altbau kein schützenswertes Anwesen: "Und mit einem nassen Keller: Will ich da wirklich wohnen?" Stefan Brüderer (CSU) schlug eine öffentliche Nutzung, zum Beispiel als Bibliothek, vor. Stiefler riet ab: Eine solche Institution sollte leicht zu finden sein, was bei der Alten Schulgasse 33 nicht der Fall war. Weitere Gebäude stünden vor der Sanierung und so würde die Parkplatzsituation noch angespannter. Ein anwesender Anwohner befürchtete ein Zuparken seiner Einfahrten.

So zog sich die Diskussion hin. Die Stadträte waren sich einig, dass sie sich nicht einig waren und beschlossen, sich vor einer Entscheidung nach genauen Fördermitteln zu erkundigen, die für eine Sanierung abrufbar wären. So erklärte Wolfgang Graser (Freie Wähler): "Wir sollten nicht einfach das Gebäude abreißen, ohne uns vorher genau Gedanken gemacht zu haben." Der scheidende Bürgermeister Werner Walberer (SPD) war sich sicher, dass dann der neue Stadtrat erst einen Beschluss fassen würde.

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