05.04.2020 - 13:13 Uhr
PüchersreuthOberpfalz

Kronmühle, ein Ortsteil ist für immer verschwunden

Kronmühle ist mittlerweile die Geschichte eines aus dem Melderegister gelöschten Ortsteils. Seine 650-jährige Geschichte droht in Vergessenheit zu rate, ebenso wie die der nahen Kronburg.

Noch einigermaßen intakt zeigt sich der Vierseithof 1965, Bild Bürgeremister a.D. Lorenz Enslein.
von Rainer ChristophProfil

Im Bayernatlas von 2019 ist die Kronmühle nicht mehr verzeichnet. Ausschlaggebend war die Verordnung des Landratsamtes Neustadt aus dem Jahr 1996. „Der Ortsteil Kronmühle, rund 2,5 Kilometer nordwestlich von Püchersreuth an der Schlattein gelegen, wird aus dem Melderegister gelöscht.“ Der Grund, die letzte Bewohnerin Anna Gmeiner, genannt „Kronmühl Annerl“, war ein Jahr zuvor in einem Altenheim gestorben. Davor hatte sie für eine Zeitlang Pfarrer Schießl im Pfarrhaus Püchersreuth aufgenommen. Das einst stolze und heruntergekommene Mühlenanwesen war wegen Einsturzgefahr bereits 1984 abgerissen worden.

Die Kronmühle wechselte in ihrer rund 650-jährigen Geschichte oft ihren Namen: mül zu Kronsperg, Kronspergmüll, Cronmühl, Cronspergmuhl, Cronmuhl und Cronsperger muhl. Das genaue Datum des Baus ist unbekannt, gesichert ist ihre Existenz durch einen Eintrag im Steuerbuch Kaiser Karl IV. Am Tag der Kaiserkrönung in Rom am 5. April 1355 wurde die „müle zu Kronsperg dem Amtsbereich Störnstein zugehörig“ mit den übrigen Ländereien in der Oberpfalz dem Königreich Böhmen dem böhmischen Regenten übertragen. Im Zinsregister von 1514 und im Urbar von 1602 wurde Kronmühle stets mit einem Müller aufgeführt. Dieser musste am Michaelistag Zins an das Spital in Regensburg abgeben. Scheinbar gab es auch eine Säge, denn er musste nicht nur jährlich ein „Schwein für die Burg in Störnstein mästen sondern auch Bretter für den Burgherren sägen.

Woher kommt der Name?

Laut Stadtarchivarin Annemarie Kraus in Weiden lässt sich der Name aus zweierlei Sicht deuten. Zum einen kommt der Name „Gruanmühl“ aus dem althochdeutschen Wort „grunni", was grün bedeutet. Als Alternative zeigt das Wort „Kron“ an, dass es sich um ein Anwesen im Besitz eines Königs und Kaisers handeln kann. Als Verwalter oder Pfleger setzte der Kaiser seine ihm ergebenen Leute ein. Das war zunächst die Familie Steinlinger, danach kam die böhmische Linie der Pflug von Rabsteijn in Böhmen, dies sich dann 1396 „Pflug zu Störnstein“ nannten.

Im Jahre 1557 verkaufte des Österreichische Kaiser Maximilian II. die Herrschaft an die Lobkowitzer, die durch diesen Schachzug Sitz und Stimme im Reichstag zu Regensburg erhielten. Die Stellung von Neustadt und Störnstein wurde damit enorm aufgewertet. Sie konnte sich unter Wenzel Eusebius von Lobkowicz „reichsunmittelbar gefürstete Grafschaft“ nennen. Das Urbar von 1653 und das Untertanenverzeichnis von 1741 nannten die Kronmühle mit einer Mühle und 11 Bewohnern. 1742 wurden in der Kronmühle zwei Ochsen, drei Kühe, drei Jungrinder, eine Muttersau, zwei Frischlinge und zwei Bienenvölker verzeichnet.

Das Mannschaftsregister verzeichnete die Kronmühle mit einer Mühle und einem Herrschaftsuntertan. Nun gingen die Steuerabgaben an das Lobkowitzer Oberamt Neustadt. 1817 lebten hier zwölf Personen.

1807 verkaufte Fürst Franz Josef von Lobkowitz und Herzog von Raudnitz die gefürsteten Grafschaft Störnstein-Neustadt an das bayerische Königshaus. Damit endete die erfolgreiche böhmische Zeitepoche. Auf der Kronmühle lebten noch neun Personen. Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die Einöde Kronmühle dem neu gegründeten Steuerbezirk Lanz zugeordnet. Lanz war gleichzeitig unmittelbare Landgemeinde zu dem zusätzlich der Steuerdistrikt Wöllershof lag. Zur Gemeinde Lanz gehörten somit Botzersreuth, Dürrmaulmühle, Ernsthof, Kronmühle, Lanz, Oberndorf, Sankt Quirin, Rastenhof, Reisersdorf und Wöllershof.

1929 wurde die Pfarrei Altenstadt/WN aufgelöst und Neustadt zum eigenständigen Pfarrsitz erhoben. Die Kronmühle gehörte nun zur in die neu errichteten Pfarrei. 1950 kam die Kronmühle zur damals eigenständigen Gemeinde Ilsenbach. Dramatisch der Personenstand, von 1961 bis 1970 war nur mehr ein Bewohner registriert. Ein erneuter Wechsel entstand am 1. Januar 1972 im Rahmen der Gebeitsreform. Die Kronmühle wurde als Ortsteil der Gemeinde Ilsenbach in die Gemeinde Püchersreuth eingegliedert. Am Einwohnerstand änderte sich nichts mehr. Besitzer war Josef Gmeiner, geboren 1873, verstorben 1919.

Heute gehört der Grund Bayerischen Landesbund für Vogelschutz. Es handelt sich um sich ein rund neun Hektar großes, ökologisch wertvolles Gebiet, welches nun in guten Händen liegt. 2017 entstand darauf ein nachhaltiges. Weideprojekt.Mit diesem Bericht soll die Erinnerung ein wenig weiterleben, an die Zeit. Als die stolze Rotzenmühle, die 1807 neu erbaut wurde noch intakt und mit Leben erfüllt war, denn die Kronmüllner war stets wohlhabende und gläubige Menschen, daran erinnern heute noch ein Blechschnittkreuz und eine Kapelle. Zur geheimnisumwobenen

Die einst ruinöse Kronmühl Kapelle „Zum gegeißelten Heiland“ stammt aus dem 18.Jahrhundert. 1994 vom Vogelschutzbund erworben und renoviert. Hans Kahl aus Botzersreuth machte den Dachstuhl und deckte das Dach ein, die Malerarbeiten führte Wendelin Bäumler aus Wurz durch.
Eine Zeichnung der Kronmühle von 1938 an einem Infoschild der Gemeinde Püchersreuth
Das Kronmühlkreuz ist Eigentum der Gemeinde Püchersreuth und hatte ursprünglich einen anderen Standort. 1997 wurde es erneuert, renoviert mit Mitteln des Naturparks Nördlicher Oberpfälzer Wald. Seit 1750 kümmerten sich die Besitzer der Kronmühle um das Blechschnittkeuz.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.