21.01.2021 - 10:35 Uhr
PüchersreuthOberpfalz

Onkel und Neffe ringen in Wurz um Grundstück

Ein Jungunternehmer schreit um Hilfe. Er fürchtet um seine Existenz, wenn sein Betrieb aus einer Halle in Wurz ausziehen muss. Diese Halle will eventuell die Gemeinde kaufen. Pikant: Der Onkel des Unternehmers ist der Bürgermeister.

Andreas Schoppe hat mit seinen Brüdern das Raiffeisen-Gelände in Wurz gepachtet. Auf dieses Areal hat inzwischen auch die Gemeinde ein Auge geworfen. Würde sie beim Verkauf zum Zug kommen, fürchtet der Maschinenbauer um seine berufliche Existenz.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Andreas Schopper ist 27 Jahre alt. Er betreibt eine Maschinenbaufirma und hat drei geringfügig Beschäftigte angestellt. Das Geschäft gedeiht, freut er sich. Vor ein paar Tagen hat er sämtliche Püchersreuther Gemeinderäte angeschrieben und den Landrat gleich dazu. Auf drei Seiten schildert er ihnen, warum er schlaflose Nächte hat.

Hintergrund: Ende vergangenen Jahres hat die Volksbank-Raiffeisenbank Nordoberpfalz ihr Bankgeschäft in Wurz aufgegeben. Zum Areal mitten im Dorf gehören auch ein Silo und Hallen, die seit acht Jahren Andreas Schopper und seine Brüder Florian und Matthias gepachtet haben. Der eine bastelt darin an Autos, der andere erledigt Zimmererarbeiten. Andreas Schopper hat indes einen Betrieb für Frästechnik aufgebaut.

Geld und Arbeit investiert

"Allein für Maschinen habe ich mit 24 Jahren eine viertel Million Euro in Maschinen investiert", sagt er. Er ist spezialisiert auf Metallbauteile wie Zug- und Förderelemente. Zu den Kunden gehören klangvolle Namen: Rema in Weiden, MTT in Tirschenreuth, IMG in Schwanhof. Der Jahresumsatz habe zuletzt bei einem mittleren sechsstelligen Betrag gelegen.

"Aber jetzt stehe ich mit dem Rücken zur Wand." Denn die Raiffeisenbank will ihr Gelände samt Immobilien verkaufen. Die Schopper-Brüder hätten auch schon länger Interesse angemeldet, betont Andreas: "Wir haben uns immer darum gekümmert, als ob es uns gehören würde." Das bedeute konkret: Er habe in der Werkstatt Wände abgestützt, Decken entfernt, den Dachstuhl verstärkt, das Dach neu eingedeckt, neue Fenster, Tore sowie eine Heizung eingebaut und, und, und.

Bank-Vorstand Thomas Wirth habe zunächst signalisiert, dass es im Interesse des Verpächters sei, wenn die Schoppers zum Zug kämen. Doch nun soll es einen Mitbewerber geben: die Gemeinde Püchersreuth. An deren Spitze steht Rudolf Schopper, ein Onkel der Hallenpächter. Laut Andreas Schopper habe Wirth seine Pächter im Herbst 2020 informiert, dass ein Sachverständiger ein Gutachten über den Wert der Immobilie erstellen soll. Danach könne man sich zusammensetzen. In der Zwischenzeit habe aber die Gemeinde den Finger gehoben. Andreas Schopper: "Das hat mich fassungslos gemacht." Er habe von Vorstand Wirth ferner gehört, dass die Bank nun ganz gerne an die Gemeinde verkaufen wolle, da ein guter Kontakt zur Kommune nie schaden könne.

Bank lässt sich Zeit

Wirth selbst sagt dazu nicht viel. Er verweist auf laufende Verhandlungen. Die seien erst zu Ende, wenn auch der Aufsichtsrat den Daumen gehoben habe. Für eine Entscheidung bestehe aber "überhaupt kein Druck". Im Übrigen sei es gesetzlich geregelt, dass eine Gemeinde bei solchen Flächen ein Vorkaufsrecht habe.

Sollten sich Bank und Rathaus einig werden, müsste Andreas Schopper irgendwo anders neu anfangen. Das sei leichter gesagt als getan. "Ich habe Rahmenaufträge von Firmen, die müssen zeitnah raus." Wenn er das nicht schaffe, riskiere er mehr als seinen Ruf in Sachen Termintreue und Qualität. In seinem jetzigen Domizil habe er ein Fundament gelegt und einen Kran eingebaut. Bis er eine neue Immobilie finde und die auf gleichen Standard umrüste, würden mindestens drei Monate vergehen. Zeit ohne Umsatz, in der ihm Kunden von der Stange gehen könnten. Daher sein Appell an die Gemeinderäte: Stimmt einem Kauf nicht zu.

Das Schreiben mit dieser Bitte ging am 17. Januar raus. Eine Reaktion habe er noch nicht bekommen, sagt der Maschinenbauer. Dafür soll die Sache im Februar Thema im nichtöffentlichen Teil der Gemeinderatssitzung werden, bestätigt Bürgermeister Rudolf Schopper. Er verweist auf die Geheimhaltung für diesen Tagesordnungspunkt, bestätigt aber, dass die Gemeinde mit der Bank in Verbindung steht.

Doch was hat die Gemeinde auf dem Areal vor? Andreas Schopper hat zwei Dinge läuten hören: ein Dorfcafé und den Umzug des Bauhofs. Letzterer ist zurzeit mitten in Püchersreuth angesiedelt. Dort beschweren sich Nachbarn. Daher könnte der Bauhof nach Wurz umziehen. Doch auch dann wäre er in der Dorfmitte, gibt Andreas Schopper zu bedenken. Ihm jedoch hätten die Anwohner signalisiert, dass sie es befürworten würden, wenn er die Halle kaufte.

Inspiration aus Schwarzenbach

"Das ist alles gemunkelt", sagt Rudolf Schopper dazu. Das Gelände biete viele Optionen. "Schauen Sie nach Schwarzenbach, wo man zentral was geschaffen hat." Gemeint ist ein Kultur- und Bürgerhaus, das unter anderem einen Veranstaltungsraum und eine Bibliothek beinhaltet. Grundsätzlich sei die Entscheidung für Wurz aber völlig offen. Es werde jetzt "sachlich diskutiert". Wolle man in der ganzen Sache tiefer einsteigen, dauere das mindestens zwei Stunden. Was damit gemeint ist, deutet sein Neffe an. Die Familienmitglieder geraten sich wohl öfter bei kommunalen Themen in die Wolle. Das Verhältnis ist daher angespannt.

Preis unbekannt

Interessant wäre der Preis für das Raiffeisen-Areal, über den kaum etwas zu erfahren ist. Andreas Schopper beruft sich auf Vorstand Wirth. Der habe ihm signalisiert, dass die Gemeinde auf jeden Fall 30 000 Euro mehr zahlen müsste als der derzeitige Pächter, weil Andreas Schopper ja bereits viel gemacht habe, was das Gebäude aufwerte. Dazu kämen für die Gemeinde Kosten für den Abriss des Siloturms, was auch Andreas Schopper schon ins Auge gefasst habe.

Der Landrat könne sich nicht in Angelegenheiten des Gemeinderats einmischen, zitiert ihn der Unternehmer. Er könne ihm nur bei der Suche nach einem Alternativstandort helfen. Doch das will Andreas Schopper eigentlich nicht: "Man würde mir meine mit Herzblut aufgebaute Existenz nehmen."

Der Rückzug der Volksbank-Raiffeisenbank aus kleineren Orten

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Vorkaufsrecht der Gemeinde

  • Der Gemeinde steht laut Baugesetzbuch ein Vorkaufsrecht zu beim Kauf von Grundstücken im Geltungsbereich eines Bebauungsplans, soweit es sich um Flächen handelt, für die eine Nutzung für öffentliche Zwecke festgesetzt ist.
  • Gleiches gilt in einem Umlegungsgebiet, in einem förmlich festgelegten Sanierungsgebiet und städtebaulichen Entwicklungsbereich, im Geltungsbereich eines Flächennutzungsplans sowie in Gebieten mit vorwiegend Wohngebäuden, soweit die Grundstücke unbebaut sind.
  • Das Vorkaufsrecht steht der Gemeinde nicht zu beim Kauf von Rechten nach dem Wohnungseigentumsgesetz und von Erbbaurechten.
  • Das Vorkaufsrecht darf nur ausgeübt werden, wenn das Wohl der Allgemeinheit dies rechtfertigt. Bei der Ausübung des Vorkaufsrechts hat die Gemeinde den Verwendungszweck des Grundstücks anzugeben.

 

 

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