14.02.2020 - 12:29 Uhr
PüchersreuthOberpfalz

Wenig Regen, warme Winter: Landwirte müssen reagieren

Die Veränderungen des Klimas beeinflussen die Arbeit der Landwirte. Damit sie sich nicht auf der Seite der Verlierer wiederfinden, laden die Jungbauernschaften Neustadt und Tirschenreuth zum Gespräch. Das Interesse ist riesig.

Der Veranstaltungsraum im Hotel Igl war bis auf den letzten Platz besetzt.
von Hans MeißnerProfil

Welchen Einfluss hat der Klimawandel auf den Ackerbau und auf die Pflanzenwelt? Auf diese Frage suchten beim Agrartag im Hotel Igl die Jungbauernschaften aus Tirschenreuth und Neustadt/WN, unterstützt von der Volksbank Raiffeisenbank Nordoberpfalz eG, Antworten. Das Interesse der Zuhörer war enorm.

Die Landwirtschaft werde aktuell für Vieles verantwortlich gemacht, sie fühle sich an den Pranger gestellt. In Wirklichkeit habe sie aber die Auswirkungen des Klimawandels zu tragen, so der Tenor des Abends. Fragen zu Themen wie „Klimawandel in der Oberpfalz“ oder Futterbau und „Klimawandel“ versuchten Fachreferenten den jungen Landwirten zu beantworten.

Andy Neumaier, Medienmeteorologe beim Geoinformationsdienst der Bundeswehr in Niederstetten bei Würzburg, hätte früher keine weite Anfahrt gehabt, er stammt aus Tirschenreuth. Der Referent kennt das Klima im Grenzgebiet. Die Oberpfalz sei eines der kältesten Gebiete in Deutschland, sagte Neumaier. "Mittlerweile herrscht aber bei uns ein Klima wie früher im Rhein-Main-Gebiet." Durch die Erwärmung der Arktis - die Antarktis hingegen erwärmt sich nicht - bekämen wir immer mehr extreme Kältezonen. Warm und kalt verschieben sich. Das soll aber nicht heißen, so Neumaier, dass es keine Winter mehr geben werde, auch wenn er dies für diesen Winter nicht mehr sehe.

Fehlende Winde sorgten dafür, dass Tiefdruckgebiete länger an Ort und Stelle verweilen, Unwetter seien die Folge. Der Steinwald und das Fichtelgebirge profitierten von der Klimaveränderung. "Die Wolken ergießen sich an den Hügeln, somit gibt es mehr Regen. Während auf der anderen Seite der Berge ein fast föhnartiger Wind bläst."

Neumaier ist überzeugt, dass nicht nur das CO2 für den Klimawandel verantwortlich ist. Eine Rolle dürfte auch das noch vorhandene FCKW in der Atmosphäre sein. Dies werde aber immer weniger, so dass das Ansteigen der Temperaturen zumindest abgeschwächt werden könnte.

Die bekannten Bauernregeln stimmten mittlerweile so nicht mehr. "Statt mit viel Schnee müssen wir künftig mit mehr Regen während der Wintermonate rechnen. Auch kann der Winter erst später kommen, März oder gar im April." Ein großes Problem ist für den Wetterexperten der Niederschlag. Ein Jahresniederschlag, zum Beispiel in Weiden, von 480 Litern sei viel zu wenig. "Wir bräuchten 700 bis 800 Liter im Jahr." Mit 40 bis 50 registrierten Windhosen oder Tornados habe in Deutschland ein weiteres Wetterphänomen Einzug gehalten.

Friedrich Asen vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Bayreuth, erwies sich im Anschluss als ein ausgezeichneter Pflanzenfachmann. "Ich bin Jahr für Jahr vor Ort bei den Landwirten. Wir probieren viel aus und beobachten, damit wird unsere wissenschaftlichen Erkenntnisse an die Landwirte weitergeben können, diese müssen aber auch angenommen werden", sagte Asen. Die Erwärmung sei für die Landwirte wesentlich dramatischer als der fehlende Regen. Gleichbleibende Niederschläge brächten für den Futterbau und die Wiesen wenig. Wenn es 1980 40 Liter geregnet hat, dann sei das im Jahr 2020 mit 40 Litern nicht vergleichbar. Die Verdunstung senke diesen Niederschlag extrem. Der Mais werde auch in Zukunft ein wichtiges, unverzichtbares Futtermittel für den Landwirt sein, so Asen.

Auch der Pflanzenfachmann bestätigte die Aussage von Neumaier, dass das Fichtelgebirge zu den Gewinnern des Klimawandels gehört. Für den Landwirt sei beim Feldbau die Bodenstruktur entscheidend. "Habt Mut und lasst auch mal was weg", forderte Asen die jungen Landwirte auf. "Ein Zwischenfruchtanbau wird immer wichtiger, wir brauchen diesen als Futtermittel." Bisher, so der Experte, verlaufe der Klimawandel für die Landwirtschaft positiv, vor allem in bisher benachteiligten Gebieten wie dem Grenzgebiet.

Die Veranstalter und Referenten mit Georg Kick (links), stellvertretender Vorsitzender der Jungbauern Neustadt/WN und Andreas Häring (Mitte) von den Tirschenreuther Jungbauern.
Friedrich Asen erweist sich als exzellenter Pflanzenfachmann, der den jungen Landwirten viele Tipps gibt.

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