14.01.2019 - 13:08 Uhr
PullenreuthOberpfalz

Beeren, Harze und Kräuter

Mit der Rauhnacht beendet die Gesellschaft „Steinwaldia“ das Jahr. Mit einem weiteren Hutzaabend wird das neue begrüßt. „Gesungen darf auch werden“, bittet man in der Glasschleif um Lied-Einlagen, die vom Akkordeon begleitet werden.

Anja Putzer füllt die bereits fertigen Tinkturen in kleine Gläser um.
von Werner RoblProfil

Langsam aber sicher nähert sich der Veranstaltungsreigen, den die Gesellschaft Steinwaldia "Spinnstub'n auf der Schleif" genannt hat, seinem Ende entgegen. Jeden zweiten Mittwoch ein anderes Programm, hatte man im vorigen Jahr versprochen. Diesmal kommen Harze, Beeren und Samen an die Reihe. "An Mariä Lichtmess, das auf einen Samstag fällt, ist dann Schluss", verrät der Steinwaldia-Vorsitzende Norbert Reger am Kulturbuan. Der Raum liegt im Obergeschoss der historischen Steinwald-Glasschleif, die man zwischen zwei Wasserrädern, dem Wetzsteinbruch und dem etwas höher gelegenen Schützweiher findet. Freilich: Ortskenntnisse braucht man schon, um dorthin zu gelangen. Die kleinen Hinweisschilder, die zum Anwesen führen, sind nicht immer leicht zu erkennen.

Inzwischen ist im Naturpark der Winter eingekehrt, draußen fällt Schnee, der Bach friert langsam zu. Die Schleif ist hell erleuchtet. Im oberen Stockwerk wird wieder fleißig gearbeitet. In den abendlichen Mittelpunkt rücken Beeren, Harze und Samen, die Anja Putzer und Conny Müller für den vorletzten Spinnstub'n-Abend vorbereitet haben.

Von allen probiert werden darf auch der Wurzelansatz, der bereits bei der ersten Veranstaltung vorbereitet wurde. "Ganz fertig ist der "Steinwald-Bärwurz" aber erst in gut vier Wochen", verraten die Referentinnen. "Auf der Glasschleif, da lernt man was. Dou bleibt ma niat dumm", singt Harald Primiz.

In seinem Gstanzl-Vortrag erzählt er von zwei "Kräuterweiberln" und meint damit Putzer und Müller. Sie lassen sich das aber gerne gefallen, weil es ja auch stimmt. Begleitet wird der Sänger von einem Akkordeon, das Klaus Putzer von daheim mitgebracht hat. Putzers Enkelin Nadine fertigt währenddessen Spielzeug-Rasseln aus Eicheln und vielen anderen Dingen an, die der Steinwald so hergibt. "Ich nehme das, was Geräusche macht und was ich im Herbst gefunden habe", fügt Nadine, die bereits einige der "Geräuschmacher" fertig hat, hinzu. Gelungen ist auch der Quitten-Apfelsaftansatz, der mit etwas Wein versetzt und mit Nelken gewürzt, den Geschmack des Schlehenpunsches aufwerten soll, den man am Ofen zugesetzt hat. Auf diesen freuen sich schon viele.

Zum Essen gibt es Butterbrezen, und wer möchte, Wildkräuterburger ohne Fleisch. Wer noch einen zuckersüßen Nachschlag möchte, darf sich ein Mohn-Marillen-Dessert bestellen, das fleißige Hände in der Glasschleif-Küche vorbereitet haben. Auf der heißen Herdplatte dampft eine Tinktur, die gleich fertig sein und umgefüllt wird. Apfeltee, Schlehen-Quitten-Punsch, aber auch gewöhnliches Mineralwasser stehen als Getränke bereit. An diesem geselligen Hutza-Abend wird für alle Geschmäcker gesorgt. "Beeren, Harze und Samen überdauern den Winter. Sie schenken uns vor allem in der staaden Zeit ihre Heilkräfte", erzählt Anja Putzer. Wie man die Tinkturen und Ölauszüge, aber auch Frischhaltefolien aus Lein und Bienenwachs herstellt, erläutern Conny Müller und Anja Putzer gemeinsam. Einige machen sich Notizen, um das gezeigte daheim nachmachen zu können.

"Birke, Querflöte und Besenbinden" ist der letzte Abend überschrieben. Er findet am 2. Februar von 17 Uhr bis 20 Uhr bei Kaminfeuer und Kerzenlicht in der Glasschleif statt. Dann steht auch schon Mariä Lichtmess an. Die Tage werden langsam länger und die Nächte kürzer. Der Eintritt zur Spinnstub'n in der Schleif ist frei. Lediglich für die benötigten Materialien muss ein kleiner Unkostenbeitrag entrichtet werden.

Versetzt mit Quitten wird der Apfelsaft, zu dem noch ein leichter Hauch von Wein hinzukommt, ein köstliches Getränk, weiß Conny Müller (rechts).
Mitsingen ist freilich erlaubt. Ganz Mutige trauten sich sogar an ein Solo-G‘stanzl, das Klaus Putzer von Weihermühle dann mit dem Akkordeon begleitete.
Rasseln aus Waldfrüchte stellt Nadine Putzer her.
Abwechselnd erklären die „Kräuterfrauen“ Anja Putzer (rechts) und Conny Müller, welche Naturschätze der Steinwald das ganze Jahr über so bietet.
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