17.04.2020 - 11:28 Uhr
PullenreuthOberpfalz

Corona-Pandemie zwingt auch die "Steinwaldia" zum Stillstand

Kein gemeinsames Beisammensein, keine Veranstaltungen in der Glasschleif, die bis auf Weiteres auch geschlossen bleibt. Derzeit herrscht bei der Gesellschaft "Steinwaldia" Stillstand. Davon ist auch das geplante Vereinsjubiläum betroffen.

von Werner RoblProfil

"Aufgrund der gegebenen Corona-Situation müssen wir bis auf Weiteres alle Termine absagen. Sobald wir Klarheit haben, geben wir Ihnen Bescheid zum Wiederbeginn unserer Veranstaltungen", schreibt die Gesellschaft "Steinwaldia" derzeit auf ihrer Internetseite. Die Tatsache bedauert auch Vorsitzender Norbert Reger und verweist - wegen der Absagen - auf den sich wieder leerenden Terminkalender.

Darin stand bis vor kurzem noch der Autorentreff, den man ansetzte, um die Inhalte für den Folgeband "Wir am Steinwald" abzustimmen. Ebenfalls nicht stattfinden werden der Helferausflug, das Wirtetreffen und die für Mai geplanten Wanderungen. "Enttäuschen müssen wir auch die Freunde der Glasschleif, die sich auf den 10. Mai freuten", bedauert Reger, der den Verein seit 1977 als Vorsitzender leitet.

Wirtshaus als Gründungsort

"Wir werden die Saisoneröffnung leider auf unbestimmte Zeit verschieben müssen", fügt er hinzu und lässt anklingen, dass man heuer auch ein Jubiläum feiern wollte. "Aber so sang- und klanglos möchten wir die Wiedergründung vor 50 Jahren auch nicht an uns vorbeiziehen lassen", verspricht der Arnoldsreuther, um sich im Gespräch an das zurückliegende halbe Jahrhundert zu erinnern. Der heute unter dem Namen Gesellschaft "Steinwaldia" bekannte Verein soll nach mündlicher Überlieferung im Jahr 1866 von vier Personen gegründet worden sein. Gründungsort war das Dechantseeser Hammerwirtshaus (ehemals "Gasthaus zum Einhorn"). "Die Aufzeichnungen bis 1893 sind leider sehr dürftig", kommentiert der Vorsitzende das bis dahin sehr lückenhafte Archiv. Reger spannt einen weiten Bogen: "Die damalige Lage im Jahr 1939 brachte es mit sich, dass das Vereinsleben zunächst stagnierte und bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges ganz erlosch. Jahrzehntelang ruhte die Arbeit der 'Steinwaldia', bis sich am 4. April 1970 zehn Leute dazu entschlossen, den Verein wieder aufleben zu lassen." An dieser Stelle erinnert Reger an Johann Butz, Johann Halbauer, Eugen Haider, Ferdinand Hecht sen., Josef Kellner, Karl Maschauer, Eduard Michl, Paul Pickert, Johann Weinisch und Reinhold Zehrer, die als Wiedergründungsmitglieder in die Vereinsgeschichte eingingen. Zum ersten Vorsitzenden wurde Reinhold Zehrer gewählt. Bereits in den folgenden Jahren nahm man aktiv am öffentlichen Leben teil. "Anklang fanden die Heimat- und Quiz-Abende, Vorträge, Tages- und Lehrwanderungen", informiert Norbert Reger.

Pflege von Wanderzielen

Zu einem Höhepunkt wurde die Errichtung der Wolfschlaghütte 1971. Im gleichen Jahr wagte man sich unter dem Namen "wilder Volksmarsch" an einen Wandertag. Als "IVV-Volkswanderung" wurde aus dem geglückten Versuch ein Jahr später eine beliebte und regelmäßige Veranstaltung. 1972 wurde der "Steinwald-Pilz" seiner Bestimmung übergeben.

In den Folgejahren widmete man sich dem weiteren Aufbau der "Steinwaldia". 1975 wurde wieder ein Maibaum aufgestellt. Zudem übernahm man die Pflege beliebter Wanderziele im Steinwald. Einen Namen machte sich der Verein auch durch seine Arbeit auf kulturellem Gebiet und die jährliche Herausgabe verschiedener Schriften. Wahrzeichen des Vereins wurden die Burgruine Weißenstein, um deren Erhalt und Pflege sich die "Steinwaldia" verdient machte, zudem die Glasschleif bei Pullenreuth.

Das seinerzeit dem Verfall preisgegebene Glasschleif-Anwesen wurde vor zehn Jahren erworben, um es zu sanieren. Ziel war es auch, die kulturellen Ziele dort umzusetzen bzw. am historischen Ort vorzustellen. Alle Jahre lockt die "Rauhnacht" in die zu einem Geisterort gewordene Glasschleif, die vom Frühjahr bis zum Herbst auch bewirtschaftet ist. HintergrundInfos unter: www.steinwaldia.de

Hintergrund:

Vorsitzender Reger: "Bleibt alle gesund"

"Wie wir das 50. Wiedergründungs-Jubiläum feiern, lassen wir derzeit noch offen", erklärt Vorsitzender Reger, während er in der Vereinsgeschichte weiterblättert. Darin befindet sich auch eine Presse-Danksagung aus dem Jahr 1861, in der eine "Pullenreuther Steinwäldler Gesellschaft" erwähnt wird. "Schon vor der eigentlichen Vereinsgründung muss es also Aktivitäten gegeben haben", beleuchtet Reger ein Inserat, das ihm als Kopie vorliegt. Ein weiteres Dokument stammt aus dem Jahr 1859. Auch hier handelt es sich um eine Kopie, auf der eine Münchener Anzeige zu sehen ist. Darin kündigen die "Steinwäldler" einen "Schoppen im Marrgarten" an. Grüße an die "berühmte Gesellschaft "Steinwaldia" werden in einer Reisebeschreibung aus dem Jahr 1874 ausgerichtet. "Wir lassen uns nicht entmutigen", kommentiert Norbert Reger den derzeitigen Stillstand. "Wir werden auch weiterhin zusammenhalten. Bleibt alle gesund", bittet der Arnoldsreuther, die Regeln zum Schutz vor einer Ansteckung einzuhalten. (wro)

Hier geht's zur Internetseite der Gesellschaft "Steinwaldia"

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.