27.09.2018 - 16:35 Uhr
PullenreuthOberpfalz

Exkursion zum Biberrevier

Biber-Führung des Bund Naturschutz mit dem Revierförster der Bayerischen Staatsforsten, Wolfgang Schödel

Biberwanderung in Pullenreuth.
von Externer BeitragProfil

Durch Wald und Wasser ging die Biber-Führung des Bund Naturschutz mit dem Revierförster der Bayerischen Staatsforsten, Wolfgang Schödel. Er erzählte spannendes über Biber, Moore und Wald. Dazu führte er die Teilnehmer der Exkursion in einen ehemaligen Torfstich bei Pullenreuth. Dieses Moor war vor Jahrzehnten entwässert worden. Bis nach dem Krieg wurde Torf zum Heizen gestochen. Die ersten Versuche, das Moor wieder herzustellen waren nicht erfolgreich. Dann zog der Biber ein und baute einen fast 70 Meter langen, sehr stabilen Damm. So eine Renaturierung war schon geplant, sie hätte 15 000 Euro gekostet.

Diese Kette von Nassflächen entstand nicht nur kostenlos, es hat auch viele Vorteile. Das gestaute Wasser verhindert Trockenschäden auf einer Fläche von 20 bis 30 Hektar. Der Moorkörper kann sich wieder aufbauen und speichert dort große Mengen an Kohlendioxid. Hochwasser wird viele Tage zurückgehalten und versickert zum großen Teil. So werden Überschwemmungen vermieden und die Grundwasser-Speicher werden aufgefüllt. Außerdem bietet es Lebensraum für viele seltene Pflanzen und Tiere. "Der Biber ist ein Urbayer, der in den meisten Fällen nützlich ist", erklärte der Revierförster.

Schödel betreut eine Fläche von 2200 Hektar, davon sind etwa 30 Hektar Biberflächen. Abgenagte Weiden und Pappeln nimmt er gern in Kauf, für ihn ist der Biber ein kostenloser Bautrupp für Feuchtbiotope. Etwa 12 000 Biber gibt es mittlerweile in Bayern. Die Anzahl der Tiere bleibt fast stabil, denn nur etwa ein Viertel aller Jungen überleben. Nachdem neuer Nachwuchs ansteht, werden die jungen aus dem Vorjahr aus dem elterlichen Bau vertrieben und müssen sich ein eigens Revier suchen. Doch fast alle Biberreviere sind schon besetzt und werden vehement verteidigt. So kommen die meisten Jungtiere um.

Seit zehn Jahren darf der Biber auch entnommen werden, wo er Schäden verursacht. Ansonsten ist er streng geschützt und darf nicht gejagt oder gefangen werden. "Der Biber sollte nur dort bekämpft werden, wo Konflikte mit der Infrastruktur auftreten oder die Existenz der Grundstückseigentümer bedroht ist", macht der Revierförster deutlich. Zur Schadensregelung von Biberschäden gibt es den bayrischen Biberfonds, von zum Teil 450 000 Euro. 2017 wurden damit fast 70 Prozent der Schäden, von Bibern verursacht, beglichen. Zum Vergleich: Rehe würden in Bayern durch Verkehrsunfälle den Kaskoversicherungen täglich einen Schaden von 191 000 Euro verursachen. Es gebe viel weniger Schäden, wenn alle Gewässer unbewirtschaftete Uferrand-Streifen von 20 Metern Breite hätten, erklärt Schödel. In anderen Bundesländern sei das bereits so geregelt.

Biberwanderung in Pullenreuth.
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