Pullenreuth
12.09.2022 - 16:56 Uhr
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"Glasschleif" in Arnoldsreuth erleben Besucher Urtechnik des Glasschleifens

Im Museum "Erlebbare Glasschleif" in der Gemeinde Pullenreuth standen am Tag des offenen Denkmals die Türen für Besucher offen. Mitglieder der Gesellschaft Steinwaldia zeigten Besuchern die frühere Technik des Glasschleifens und -polierens.

"Es war sehr interessant. Weil ich auch einmal in einer Glasfabrik gearbeitet habe", sagt Paul aus Mitterteich. Er hat am "Tag des offenen Denkmals" die Glasschleif in Arnoldsreuth bei Pullenreuth besucht. Dabei ist von Vereinsmitgliedern der "Steinwaldia" im Museum "Erlebbare Glasschleif" die Urtechnik des Glasschleifens demonstriert worden. Sie zeigten den Besuchern, wie einst in Handarbeit Glas geschliffen und poliert worden ist.

Paul ist mit Partnerin Erika und ihren drei Freunden Elli, Hans und Gerd nach Pullenreuth gekommen. "Wir haben es als sehr interessant empfunden, weil wir so etwas noch nie gehört haben", sagt Museumsbesucherin Erika nach der Vorführung. "Hans hat sogar mitgeschliffen und poliert." Denn im erlebbaren Museum können Gäste schauen und ausprobieren. Auch Führungen in und um die Glasschleif wurden angeboten. Die Geschichte des Glasschleifens in der Region reicht weit zurück. "Die Technik ist um 1716 in die Oberpfalz gekommen", erzählt Norbert Reger, Vorsitzender der Gesellschaft Steinwaldia in Pullenreuth, während er auf eine Infotafel im Museumsraum deutet, die eine Landkarte zeigt.

Rohglas aus Böhmen

"In Böhmen ist früher das Rohglas gefertigt und in der Oberpfalz ist es veredelt worden", erklärt er. "Früher kam mundgeblasenes Rohglas aus Böhmen. Das war wellig und musste geschliffen und poliert werden."

Dies passierte unter anderem in Pullenreuth. Mit Wasserrädern seien damals Schleif- und Poliermaschine betrieben worden, das Bearbeiten sei reine Handarbeit gewesen. Das bearbeitete Glas habe dann die Spiegelglasindustrie in Fürth weiterbearbeitet, zunächst mit Quecksilber und in späterer Zeit per Nassversilberung.

Höchste Glasschleif der Oberpfalz

Modernisierte Technik habe allmählich das manuelle Bearbeiten von Glas abgelöst. Um 1906 sei der Betrieb Pullenreuth - "die höchstgelegene Glasschleif in der Oberpfalz" - schließlich aufgelöst worden. Die Steinwaldia hält die Historie lebendig. "Adalbert Busl aus Wiesau hat die Glasschleifgeschichte erforscht", erzählt Reger. Sein Wissen sei auf mehreren Informationstafeln aufgedruckt worden, die im und um das Museum in Pullenreuth ausgestellt sind.

Bereits am Samstag hat es in der Glasschleife ein Programm gegeben. Am Abend spielte die Band "Udugitukuba" im Lokalinneren Rock- und Blues-Musik. Am Sonntagnachmittag unterhielt die Musikgruppe "KEMs" die Besucher, die auch bei Regen unter den Sonnenschirmen verweilen konnten. Ein Team der Steinwaldia bewirtete die Gäste mit Kaffee, Kuchen, Zoigl und Brotzeiten. "Wir waren sehr zufrieden", resümiert Reger. Auch den Gästen hat es gefallen. "Heute war's besonders schön. Die Musik war das Highlight - und die Käsestange", bemerkt Besucherin Monika aus Pullenreuth.

Info:

Die Glasschleif in Arnoldsreuth

  • Lage: Liegt südlich von Arnoldsreuth in der Gemeinde Pullenreuth, es handelt sich um das Anwesen „Glasschleife 1“.
  • Um was geht es? 2010 erwarb die „Gesellschaft Steinwaldia e.V.“ das Haus und setzte im Gebäude und dem zugehörigen Areal mehrere Projekte um, unter anderem eine Informationsstelle für den Naturpark Steinwald und das Museum „Erlebbare Glasschleif“.
  • Museum: Auf dort ausgestellten Informationstafeln können Besucher etwas über die Glasschleifgeschichte der Oberpfalz erfahren. Es werden auch Vorführungen zur damaligen Glasschleif- und Poliertechnik angeboten (nach vorheriger Anmeldung bei Steinwaldia-Vorstand Norbert Reger unter Telefon 09234-241).
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