03.11.2019 - 11:24 Uhr
PullenreuthOberpfalz

Helfer kann fast nichts falsch machen

"Trau dich! - keine Angst vor Notfällen": Damit versuchte der Ortsverband der CSU Pullenreuth Mitbürger für ein beherztes Eingreifen und Reanimieren zu gewinnen.

Pullenreuths Bürgermeister Hubert Kraus (links) dankte Oberarzt Dr. Tobias Schindler (rechts) mit einem edlen Tropfen für den interessanten Vortrag zum Thema „Trau dich – keine Angst vor Notfällen“.
von Autor ÖTProfil

Im voll besetzten Schützenhaus begrüßte CSU-Vorsitzender und Bürgermeister Hubert Kraus zu diesem Thema einen kompetenten Referenten: Dr. Tobias Schindler, leitender Oberarzt für Anästhesie und Intensivmedizin am Klinikum Fichtelgebirge in Marktredwitz, erklärte in seinem von Bildern begleiteten Vortrag, ein Helfer könne fast nichts falsch machen.

Der Mediziner, der auch als Notarzt unterwegs ist, erläuterte mehrere Szenarien. Dabei unterstrich er, es gelte die Symptome von Notfallbildern zu erkennen und richtig einzuschätzen. Umgehend sollte unter der europaweiten Telefonnummer 112 Hilfe geholt werden. Damit werde die nächstgelegene integrierte Leitstelle (ILS) erreicht, die Einsätze der Rettungsdienste und Feuerwehren koordiniert.

Der Anruf bei der ILS sollte nicht abrupt beendet werden, denn es könnten von dort noch wichtige Rückfragen erforderlich sein. Zu empfehlen sei, einen Einweiser für den Rettungsdienst an die Straße zu schicken. In Notfallsituationen sollte Ruhe bewahrt werden, legte der Mediziner eventuellen Ersthelfern ans Herz. Notarzt und Rettungswagen fahren immer im sogenannten "Rendezvous-Verfahren" um die Hilfsfrist zu verkürzen. Zusätzlich würden noch die Helfer vor Ort alarmiert, da diese den Notfallort noch früher erreichen können.

Schindler erläuterte auch die vorkommenden Krankheitsbilder und deren Symptome: Eine Embolie entstehe durch Gerinnsel und äußere sich durch Sprachstörungen. In Folge einer Embolie komme es zu Sauerstoffmangel, Gehirnzellen könnten absterben. Eine Hirnblutung trete nach Trauma oder Sturz auf und sei durch schlagartig einsetzende Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen zu erkennen. Der Arzt ging auch auf die Behandlungsmöglichkeiten im Krankenhaus ein.

Von einem epileptischen Anfall spreche man, wenn unkontrollierte Übererregbarkeit, ein Verkrampfen sowie hin und her pendelnde Pupillen vorlägen. Hier gelte es, den Patienten vor Verletzungen zu schützen. Weiter streifte der Arzt die stabile Seitenlage.

Zudem ging er auf Zuckerentgleisungen bei Diabetikern ein. Ein niedriger Zuckerspiegel äußere sich im Auftreten von kaltem Schweiß, Unruhe bis hin zur Bewusstlosigkeit. Der Arzt empfahl, dem Betroffenen Zuckerlösung einzuflößen. Weiter griff er Lungenentzündungen, verursacht durch Viren oder Bakterien, auf. Atemnot und erhöhte Atemfrequenz deuteten darauf hin. Mit Röntgen oder der Bestimmung der Blutwerte könne dies sicher diagnostiziert werden.

Eine Lungenembolie liege vor, wenn ein Blutgerinnsel Lungengefäße verstopft. Dann trete akute Atemnot und Herzrasen auf. Genaueres könne bei einer Kontrastmitteldarstellung im Computertomographen erkannt werden.

Bei Lungenödemen sammle sich Wasser in der Lunge. Ursache sei eine Herzschwäche, bei der es zu einem Rückstau mit Atemnot und Rasselgeräuschen komme. Abhilfe bieten harntreibende Mittel.

Ein Bienen- oder Wespenstich könne einen allergischen Schock auslösen. In diesem Fall sollte sofort ein Notruf abgesetzt werden. Hier empfahl der Mediziner Betroffenen, einen Allergie-Pass und ein Notfallset bereit zu halten. Nicht vergessen wurden bei dem Vortragsabend Blutungen im Magen-Darmtrakt. Ferner behandelte der Arzt Vergiftungserscheinungen aber auch Fieberkrämpfe bei Kindern, Pseudo-Krupp-Anfälle und die Notfallkette bei Verkehrsunfällen.

Anzeichen für eine Angina Pectoris seien Schmerzen in Arm, Hals und Schulter infolge verstopfter Herzkranzgefäße mit einer Mangeldurchblutung bis hin zum Herzstillstand. Ein Defibrillator könne hier Leben retten.

Alexander Spörrer warf ein, in der Firma Spörrer Kompressoren stehe ein Defibrillator zur Verfügung, der auch nachts erreichbar sei.

Zum Dank für die interessanten Ausführungen überreichte Bürgermeister Hubert Kraus an den Anästhesisten einen edlen Tropfen.

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