Pullenreuth
06.10.2025 - 16:12 Uhr
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Katastrophenschutzübung: Apokalyptische Szenen rund um Pullenreuth

Einstürzende Häuser, zerstörte Straßen, verletzte Menschen: Drei Tage lang simulierten rund 200 Einsatzkräfte ein schweres Erdbeben im Landkreis Tirschenreuth. Das ist die Bilanz.

Einstürzende Häuser, zerstörte Straßen, verletzte Menschen – ein schweres Erdbeben hat den Landkreis Tirschenreuth erschüttert. Zum Glück nur als Übungsszenario, aber mit Bildern, die den Atem stocken lassen. Die großangelegte Katastrophenschutzübung sollte zeigen, was im Ernstfall auf die Einsatzkräfte und vor allem auf die Einsatzleitung zukommt.

Der erste Übungsteil bestand in der Anforderung und Alarmierung des Hilfeleistungskontingents. Fahrzeuge und Kräfte aus verschiedenen Feuerwehren wurden zu einer Einheit zusammengefasst, die über Tage autark im Schadensgebiet arbeiten kann. Über 30 Fahrzeuge machten sich am Freitag in zwei langen Kolonnen auf den Weg – von den Sammelstellen des Landkreises zunächst Richtung Regensburg, weiter über Nürnberg und Bayreuth und schließlich ins angenommene Schadensgebiet im Westen des Landkreises. Die Kolonnenfahrt war für viele Maschinisten Neuland. Nach über 300 Kilometern erreichten die Einsatzkräfte am frühen Abend das Übungsgebiet.

Quartier im Schützenhaus und in der Turnhalle

Bevor die Einsätze begannen, mussten die Kräfte Quartier beziehen. Feldbetten wurden im Schützenhaus Pullenreuth und in der Schulturnhalle aufgebaut. „Die Kameradschaft war hervorragend, auch wenn die Nachtruhe nicht so entspannt war wie zu Hause“, berichtete Philipp Sölch, der als Abschnittsleiter die Unterkunft betreute. Bereits am Freitagabend wartete der erste größere Einsatz: Entlang der Fichtelnaab drohte ein Fundament unterspült zu werden. Über 50 Meter wurde ein Sandsackwall errichtet. Erst spät in der Nacht konnte Entwarnung gegeben werden.

Die Steuerung der Kräfte erfolgte aus der Abschnittsführungsstelle im Dorfhaus Lochau. Hier liefen alle Informationen und Kommunikationswege zusammen. Zeitweise war auch die Kreiseinsatzzentrale (KEZ) in Wiesau besetzt. An der Übung beteiligten sich alle Feuerwehren des Landkreises, die im sogenannten Hilfeleistungskontingent zusammengefasst sind. Insgesamt bestand das Kontingent aus knapp 200 Einsatzkräften.

Am Samstag standen typische Verschüttetenszenarien auf dem Programm. Ein idealer Übungsort war das Firmengelände des Abbruchunternehmens Plannerer, wo ein realistisches Trümmerfeld aufgeschüttet wurde, in dem nach Vermissten gesucht werden musste. „Ohne die Firma Plannerer hätte die Übung in dieser Dimension nicht stattfinden können. Hier ist alles vorhanden, was man zur Übungsdarstellung benötigt“, sagte Kreisbrandinspektor Otto Braunreuther, der die Übungsszenarien entwickelt hatte.

Technische Unterstützung kam von der Drohnengruppe der Feuerwehr Konnersreuth. Anna Sölch, erst seit einem halben Jahr Teil der Einheit, erklärte: „Mit den Drohnenaufnahmen liefern wir der Einsatzleitung einen schnellen Überblick über die Lage vor Ort.“ Die Verpflegung und Betreuung der Einsatzkräfte stellte das Bayerische Rote Kreuz sicher. Vor dem Feuerwehrhaus Pullenreuth richtete ein Team um Benjamin Sertl eine Feldküche ein.

Für die Absicherung der Übungsstellen sorgten Sanitätskräfte des Roten Kreuzes. Viktoria Seiler war mit ihrer Kollegin am Trümmerfeld im Einsatz: „Die vielen Trümmerteile bergen schon eine gewisse Gefahr für die Feuerwehrleute. Deshalb sind wir vor Ort, um schnell Hilfe leisten zu können.“

Landrat beeindruckt

Auch die psychosoziale Betreuung war Teil des Szenarios. Markus Kölbl, Leiter der Psychosozialen Notfallversorgung, erklärte: „Wir arbeiten gerade bei Großschadenslagen Hand in Hand mit allen eingesetzten Hilfsorganisationen.“ Landrat Roland Grillmeier besuchte am Samstag den Einsatzort und war beeindruckt: „Katastrophenschutz und Zivilschutz haben in den letzten Jahren einen ganz anderen Stellenwert erhalten. Die Übung zeigt, was im Extremfall eintreten kann. Es zeigt aber auch, dass unsere Einsatzkräfte gut darauf vorbereitet sind.“

Am Sonntag endete die Großübung. Nach zwei Nächten auf Feldbetten, unzähligen Szenarien und vielen Kilometern kehrten die Kräfte in ihre Heimatstandorte zurück. Kreisbrandrat Stefan Gleißner zog Bilanz: „Die Grundtätigkeiten sitzen. Aber es hat sich auch gezeigt, dass wir Übungen in dieser Größenordnung dringend brauchen.“

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Hintergrund:

Wichtige Infos zur Katastrophenschutzübung

  • Was ist ein Hilfeleistungskontingent? Fest definierte Einheit des Katastrophenschutzes, die aus mehreren Feuerwehren, Rettungsdiensten und logistischen Einheiten besteht. Es kann landkreisübergreifend eingesetzt werden, wenn eine Region allein nicht mehr in der Lage ist, größere Schadenslagen zu bewältigen.
  • Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) ist das operative Herzstück bei einem Großeinsatz. Ihre Aufgaben: Koordination aller Kräfte, Lagebeurteilung, Erstellen von Einsatzplänen und Kommunikation mit Behörden und Ministerien. Die FüGK wird im Katastrophenfall rund um die Uhr besetzt – notfalls im Schichtsystem über mehrere Tage hinweg.
  • Örtliche Einsatzleitung (ÖEL) und UG-ÖEL: Bei einem Großschadensereignis wird direkt im betroffenen Gebiet eine Örtliche Einsatzleitung (ÖEL) eingerichtet. Sie ist das taktische Führungszentrum vor Ort und koordiniert alle eingesetzten Kräfte. Unterstützt wird die ÖEL von der Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung (UG-ÖEL). Sie betreiben die notwendige Technik, führen das Einsatztagebuch, erstellen Lagekarten und unterstützen die Leitung. Während der Katastrophenschutzübung war die ÖEL im Dorfhaus Lochau eingerichtet.
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