06.08.2019 - 11:59 Uhr
PullenreuthOberpfalz

Krabblern auf der Spur

Rund um die Glasschleif bei Pullenreuth gibt es nirgendwo ein Schild, auf dem „Betreten der Wiese verboten“ steht. Im Gegenteil, hier, besonders bei den naturnahen Veranstaltungen, ist das sogar ausdrücklich erwünscht.

von Werner RoblProfil

An diesem sonnigen Sommer-Sonntag hat die Gesellschaft Steinwaldia zur Wiesensafari mit dem Wunsiedeler Biologielehrer Jürgen Fischer eingeladen. Mitgebracht hat der Naturreferent auch einige Schaugläser mit Becherlupen. Im Kofferraum seines Autos liegen zudem Kescher und Bestimmungsmappen, die für die Wanderung, zu der er gleich aufbrechen möchte, nützlich sind.

Dem kleinen Biologieunterricht an der Wiese folgt noch ein Hinweis Fischers: "Ich bleibe in eurer Nähe." Wer Fragen habe, solle rufen. Dann startet die kleine, in Sachen Insekten aber noch wenig erfahrene Gruppe auch schon los. Einer speziellen Gattung wolle man sich heute, auf der frisch gemähten Wiese, aber nicht widmen, verspricht der Sechsämterstädter. Bald zappelt auch schon der erste Grashüpfer im Netz.

Insektenvielfalt

Gefangen und danach frei gelassen wird alles was vier, sechs oder mehrere Beine, Flügel oder gar keine hat. Jürgen Fischer erzählt auch von seinen Erfahrungen mit Schülern, denen - so der Lehrer - nur noch wenige Schmetterlingsarten bekannt seien. "Das Tagpfauenauge und den Zitronenfalter können sie noch mit Gewissheit, andere dagegen nur noch sehr selten beim Namen nennen." Fast schon suchen müsse man nach der Artenvielfalt der Libellen, bedauert der naturverbundene Pädagoge an anderer Stelle.

Dann wird eine weitere Pause eingelegt. Soeben hat eine der jungen Teilnehmerinnen eine scheue Eidechse entdeckt, die von allen, wie auch die anderen "erbeuteten" Tiere neugierig bestaunt, von Fischer benannt und gleich wieder in die Freiheit entlassen wird.

Den halben Sonntagnachmittag durchstreifen die Teilnehmer, darunter auch eine Handvoll Kinder, die Gegend um die Glasschleif. Die Wiese ist ein Stückchen unberührte Natur und wurde wenige Tage vor der Wanderung erst gemäht. Dort scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. Einen zweifellos großen Teil dazu trägt die Insektenvielfalt bei, die der Oberfranke seinen Safari-Teilnehmern näherbringt. Mit dabei sind auch der Schatzmeister der Steinwaldia, Dietmar Gärtner, und der Vorsitzende der Gesellschaft "Steinwaldia", Norbert Reger. Man sieht dem Arnoldsreuther Vorsitzenden an: Auf "seine" Wiese und was dort blüht, kreucht und fleucht ist er ganz besonders stolz.

Erfreut zeigt sich Reger auch über den Besucherandrang im nahen Bier- und Kaffeegarten, in dem langsam die Plätze rar werden. Von den Gästen neugierig beobachtet wandert die Safari-Gruppe zur Glasschleifruine, zum Wasserrad und von dort zum Schützweiher, wo die Wiesensafari weiter geht. Dort oben - im feuchten Gelände - finden die Teilnehmer wieder andere Tiere, die aber weniger die Sonne, dafür umso mehr das Feuchtbiotop schätzen. Dazu zählen auch die Asseln, wie die Gattung der Krebstiere genannt wird und von denen einige dort zu finden sind.

Jedes Tier wichtig

Langsam aber neigt sich der Biologieunterricht im Freien dem Ende entgegen. Eines aber wissen die Wanderer jetzt: Jedes Tier - auch noch so kleine und unscheinbare - ist für das Gleichgewicht der Natur wichtig und mit verantwortlich. Leider aber werden die mehrbeinigen Krabbler, wie sie der Wunsiedler eingangs nannte, immer seltener. "Der Mensch hat es geschafft, binnen weniger Erdenjahrhunderte dafür zu sorgen, dass wir ein Problem bekommen."

Damit verweist Fischer auf einige Gegenden, in denen die Blütenbestäubung per Hand, also vom Menschen, vorgenommen werden müsse, weil es auf natürliche Weise nicht mehr möglich sei. Fischer erinnert auch an das Volksbegehren und an den Slogan "Rettet die Bienen"; eher hätte es eigentlich heißen müssen: "Rettet die Wildbienen und deren Nachbarn", mahnt der Insektenkenner.

 

 

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