09.09.2019 - 15:09 Uhr
PullenreuthOberpfalz

Lebensglück und Glas

Das einst blühende, später aber dem Niedergang geweihte Glasschleif- und Polierwerk nahe Pullenreuth öffnet beim „Tag des offenen Denkmals“ seine erlebbare Werkstatt. Vor Ort wird erklärt, wie dort früher gearbeitet wurde.

Normalerweise standen die beiden Arbeitstische nicht beieinander, sondern in getrennten Abteilungen, erklärte Adalbert Busl die Einrichtung in den Glasschleifereien.
von Werner RoblProfil

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war die Pullenreuther „Glasschleif“ eine, auch in unserer Region, wichtige Geschäfts- und Lebensgrundlage. Wie dort angepackt und das Glas per Hand bearbeitet wurde, konnten die Sonntagsausflügler beim „Tag des offenen Denkmals“ verfolgen. Das Angebot der Gesellschaft Steinwaldia, beim Glasschleifen und Polieren zuschauen und danach eine Brotzeit machen zu können, war zweifellos einer der verlockenden Gründe - von Harlachberg aus - ein kleines Stück weiter zu fahren. An der Glasschleif, wo auch die Gastfreundschaft zu Hause ist, war der „Tag des offenen Denkmals“ erfahr- und erlebbar.

Wer wollte, konnte auch die historische Glasschleif-Ruine, den Wetzsteinbruch und vieles andere mehr besichtigen. Hier, nahe des Schützweihers, wurde auch ein anderes Rohmaterial – der Wetzstein – gewonnen, erfuhren die Besucher. Hauptanziehungspunkt aber war die im Museum gezeigte Schleif- und Polier-Arbeit. „Damit verdiente man sich früher Geld, das zum Lebensunterhalt grad mal so reichte“, so Adalbert Busl, der sich – in roter Schürze – als Glasschleifer ausgab. Der Wiesauer Historiker gehörte zu den Referenten, die sich damit auskennen. „Der feine Staub machte die Arbeit gefährlich.“

Für ein paar Stunden wurden an der Glasschleif wieder Gläser bearbeitet. Der „Tag des offenen Denkmals“ machte es möglich. Unterstützt von Helfern der „Steinwaldia“ wurden die Platten in ein glänzendes, aber leicht zerbrechliches Endprodukt umgearbeitet, das anschließende Verladen und die einstigen Vertriebswege erklärt. Einen ganzen Nachmittag drehte sich an der „Schleif“ das Rad der Zeit zurück. Am „Tag des offenen Denkmals“ war es dort, wo an diesem Tag die „KEMs“ aus Kemnath aufspielten, Brotzeiten aufgetragen wurden und sich die Mühlräder bewegten, wie damals. Am Museumstag erfuhr man auch, dass sich in der Region viele dieser Kleinunternehmen befanden. Verschwinden mussten sie aber mit dem Einzug der damals modernen Technik. Heute seien sie nur noch Zeugnisse einer, seinerzeit blühenden Glasmacherindustrie.

Im erlebbaren Glasschleifmuseum war die Vergangenheit greifbar.
Adalbert Busl bittet seinen Helfer, Harald Primitz, um mehr Wasser, damit die Arbeit leichter geht.
Assistiert wurde der Historiker, Adalbert Busl (rechts) von Harald Primiz, beide von der Gesellschaft Steinwaldia Pullenreuth.
Der Stein sei ein wichtiges Utensil, erklärte der Glasschleifer bevor er mit seiner Arbeit begann.
Fein gesiebten Sand wirkte wie Schmirgelpapier.
Die KEMS trotzten dem Wetter, um im Biergarten aufzuspielen.

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