28.02.2020 - 16:17 Uhr
PullenreuthOberpfalz

Meerrettich, Senf und Volksmusik in der Glasschleif

Langsam werden die Tage wieder länger und die Nächte dafür kürzer. Die Spinnstub’n-Abende sind vorbei. „Sie waren ein voller Erfolg“, erklärt Conny Müller, die den Veranstaltungs-Reigen leitete.

Beim Abschlussabend der „Spinnstub’n-Reihe“ wird in der Glasschleif auch gemeinsam musiziert.
von Werner RoblProfil

"Jetzt starten wir ins Frühjahrs-, danach ins Sommerprogramm", verweist die Kräuterfachkundige aus dem Steinwald auf das Faltblatt, dass sie fleißig an die Spinnstub'n-Teilnehmer verteilt. Fast wehmütig erinnert Müller an die vergangenen Abende in der Glasschleif, wo über heilende Pflanzen, Tinkturen und Salben erzählt wurde. "Der Frühling wird bald einziehen. Noch aber stehen nicht alle Termine fest, die wir an der Schleif anbieten werden", bedauert die Referentin. Eines aber sei schon sicher: "Am 29. Februar wird Adelheid Koch über ,Magie und Kraft der Edelsteine' berichten." Noch einmal - nämlich am 29. März - referiert Koch über "Edelsteinwasser und Steinheilkunde." Danach wird wieder das Herbarium in den Mittelpunkt rücken. Los geht's damit am 2. Mai am Glasschleif-Bach.

Zwei Musiker unterhalten

Mit diesem Ausblick auf das Frühjahr lässt es Cornelia Müller aber auch wieder bewenden. Denn noch einmal ist Spinnstub'n-Zeit. Wie gewohnt haben sich auch wieder Musiker, Ingrid Krämer aus Weidenberg und Albin Zeitler aus Kastl, angesagt, um mit ihren Instrumenten den Abend zu umrahmen. Das musizierende Duo, Zeitler mit der Steirischen Harmonika und Schaffelbaß und Krämer mit ihrer Gitarre und Trompete, lernten sich vor rund 13 Jahren bei einem Kuraufenthalt in Bad Füssing kennen. Ihren ersten gemeinsamen Auftritt hatten sie vor zehn Jahren in der Tauritzmühle. "Damals konnten wir nur drei Lieder", erinnern sie sich. Inzwischen sind sie als "D(yn)amisches Duo" in der ganzen Region bekannt. "Unser Anliegen ist es, alte Lieder zu sammeln, um sie der Nachwelt zu erhalten", sagt Zeitler.

In den Pausen erklärt Conny Müller das Körbeflechten. Mit dabei sind auch Hildegard Kern aus Nagel und Irene Geyer aus Thierstein. Geyer ist eine zertifizierte Kräuterführerin und weiß viel über den Senf, der bei Heiserkeit ein gutes Heilmittel sein könne. "Morgens ein paar Senfkörner, auf nüchternen Magen gegessen, verhindern den Schlaganfall." Vorbereitet hat sie auch zwei besondere Spezialitäten: Bayerischen Biersenf mit Starkbier, Essig, Rosmarin, Honig und Salz. "Fünf Wochen ziehen lassen", mahnt Geyer.

Macht der Senfkörner

Neben ihr steht Wildkräutersenf aus Schafgarbe und Spitzwegerich. "Drei Wochen ziehen lassen, denn alles Gute braucht seine Zeit." Johannisbeer-Kaviar "mit fruchtiger Note" stellt Conny Müller vor. Irene Geyer verrät, dass auch etwas Magisches im Senf stecke und verweist auf den "Senfzauber", von dem man sich in Indien erzählt. Wichtig für eine Braut sei es, dass sie ein paar Senfkörner mit sich herumtrage, damit sie die Herrschaft im Haus nicht verliere. "Der Bräutigam darf aber nichts wissen, sonst ist der Zauber dahin." Kren macht schön, wird an anderer Stelle erzählt. Conny Müller füllt Meerrettich-Wein in Gläser und erklärt, warum der Meerrettich so heißt und wogegen er hilft. "In kleinen Dosen ist er Gold wert, in größeren ist er Dynamit für den Körper", verrät die Frau aus dem Steinwald. Meerrettich sei das Antibiotikum für die ärmeren Leute, fügt sie hinzu und erklärt, dass die Blätter auch bei Zahnschmerzen helfen.

Drei Tropfen Bienenwachs, auf ein Brezenstück geträufelt, werden zu einer Köstlichkeit, die Müller den Gästen anbietet. Danach verteilt Ingrid Krämer einfache Instrumente. In der Spinnstub'n bildet sich ein Orchester. Danach erzählt Conny Müller eine Geschichte. Die lustigen Zeilen, die sie auswendig gelernt hat, handeln von einem Kren-Weiberl. Eines verrät Conny Müller zum Schluss noch: Wenn die Tage wieder kürzer werden, wird es sicher auch wieder eine Spinnstub'n auf der Schleif geben.

Albin Zeitler (links) und Ingrid Krämer haben sich Verstärkung geholt. Glasschleif-Wirt Alwin Pöllmann lässt sich nicht zweimal bitten, und musiziert fleißig mit.
Conny Müller zeigt wie man Körbe flechtet.
Ein Tropfen flüssiges Bienenwachs auf ein Brezenstück geträufelt, machen aus dem Laugengebäck eine Besonderheit.
Albin Zeitler und Ingrid Krämer spielen seit über einem Jahrzehnt miteinander. Viel Beifall ernteten sie bei ihrem Auftritt in der Glasschleif.
Die Teufelsgeige steht dem Glasschleif-Wirt Alwin Pöllmann sehr gut zu Gesicht.

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