02.02.2020 - 16:35 Uhr
PullenreuthOberpfalz

Schwerstkranke und Sterbende an die Hand nehmen

"Es gibt viele Familien, die ihre Angehörigen zu Hause pflegen. Dazu ist es wichtig, alle Pflegehilfen kennenzulernen." Mit diesen Worten leitete Ortsbäuerin Christa Bayer zum Vortragsabend über den ambulanten Hospizdienst hin.

Ortsbäuerin Christa Bayer dankte Angelika Wegmann (von links) mit einem kleinen Geschenk für den informativen Vortrag über die Arbeit des ambulanten Hospizdienstes im Landkreis Tirschenreuth.
von Autor KKLProfil

"Es gibt viele Familien, die ihre Angehörigen zu Hause pflegen. Dazu ist es wichtig, alle Pflegehilfen kennenzulernen." Mit diesen Worten leitete Ortsbäuerin Christa Bayer zum Vortragsabend über den ambulanten Hospizdienst, Palliativversorgung und Pflegeleistungen hin. Rund 30 Frauen und Männer waren der Einladung des Bildungswerkes des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) in den Gasthof "Dragoner" in Höll gefolgt.

Referentin Angelika Wegmann arbeitet hauptamtlich beim ambulanten Hospizdienst im Landkreis Tirschenreuth. Sie führt Erstgespräche mit Betroffenen oder Angehörigen und koordiniert die ehrenamtlichen Sterbebegleiter.

Mit Praktikum in Pflegeheim

"Hospiz - was heißt das?" Dazu wusste Wegmann die Antwort. Der Begriff "Hospiz" stamme aus dem Lateinischen: "Hospitum" bedeutet Herberge oder Gastfreundschaft. Sie informierte über die Tätigkeit der Sterbebegleiter und deren Ausbildung. Hier wies sie auf den im September startenden sechsten Qualifizierungskurs für ehrenamtliche Sterbebegleiter seit 2002 hin. Die Ausbildung dauere ein halbes Jahr und umfasse Ausbildungseinheiten am Abend und an einigen Samstagen sowie ein Praktikum mit 20 Stunden in einem Pflegeheim. Nach der Qualifizierung könnten sich die Teilnehmer entscheiden, ob sie den ehrenamtlichen Dienst übernehmen wollen. Die Sterbebegleiter unterlägen der Schweigepflicht.

Gesetzlicher Anspruch

Träger des ambulanten Hospizdienstes im Landkreis sei der Caritasverband. Dieser begleite Menschen kostenlos zu Hause, im Krankenhaus, auf der Palliativstation in Weiden und in Pflegeeinrichtungen. Der Dienst werde vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration gefördert und durch Spenden aufrechterhalten. Seit 2015 sei es Gesetz, dass jeder Bundesbürger Anspruch auf den Hospizdienst habe. Ausgaben für Versicherung und Fahrtkosten der Ehrenamtlichen übernehme die Caritas.

Der ambulante Hospizdienst komme ohne ärztliche Verordnung und ungeachtet der Konfession auf Wunsch der Angehörigen. Er sei kein Ersatz für den Pflegedienst, sondern wolle Schwerstkranke und Sterbende an die Hand nehmen und ein Sterben in Würde ermöglichen, betonte Wegmann. Sie gab auch einige Zahlen bekannt. Im Landkreis Tirschenreuth ständen derzeit 40 ehrenamtliche Hospizbegleiter bereit, davon seien zwei Männer. Im Schnitt seien 20 bis 30 im Einsatz. Die älteste Begleiterin sei fast 80 Jahre alt, die jüngste habe mit 23 Jahren mit der Hospizausbildung begonnen. Auch zwei Kinder-Hospizbegleiter seien im Dienst, um betroffene Geschwisterkinder aufzufangen. Die Begleitungen inklusive Palliativstation seien 2018 sprunghaft auf 98 angestiegen. In der Altersstruktur nannte sie mit 57 Jahren den jüngsten und mit 102 Jahren den ältesten Patienten. Zur Kontaktaufnahme im Bedarfsfall sei die Nummer des Hospiztelefons, 0151/74 30 91 55, in der Tageszeitung zu finden.

In der Fragerunde beantwortete Wegmann Fragen über die Ausbildung zur Hospizbegleitung, das Thema Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung. Bayer dankte ihr für den informativen Vortrag.

Die Ortsbäuerin gab abschließend noch die Termine des BBV-Winterprogramms bekannt: am 12. Februar "Homöopathie für Darmgesundheit" mit Berta Frank in Waldershof, am 13. Februar Küchelbacken in Ebnath mit Claudia Porst, am 27. Februar Vortrag über Demenz in Ölbrunn (Kulmain) mit Anna Hösl, am 5. März Landfrauentag in der Stadthalle Erbendorf sowie am 15. April "Dekoration aus Beton selbst gemacht" in Waldershof mit Berta Kreuzer.

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