11.10.2019 - 19:38 Uhr
PullenreuthOberpfalz

Sicherer Umgang mit Flüssiggas

Um bei Unfällen oder Bränden die Gefahren zu erkennen und die richtigen Maßnahmen ergreifen zu können, unterzogen sich die Feuerwehrkräfte aus dem westlichen Kreis einer anspruchsvollen Schulung.

Welche Energie von einer brennenden Gasfackel ausgeht, lernten die Feuerwehrleute aus dem westlichen Landkreis Tirschenreuth bei der Flüssiggasschulung kennen.
von Michael DenzProfil

Einer rund fünfstündigen Feuerwehrschulung über das Thema Flüssiggas unterzogen sich rund 80 Führungskräfte, Feuerwehrfrauen und -männer der Feuerwehren aus dem westlichen Landkreis Tirschenreuth bei der Abbruch-Firma Plannerer in Neuhof bei Pullenreuth. Kreisbrandinspektor Otto Braunreuther aus Kemnath, welcher als Führungskraft des Kreisfeuerwehrverbandes Tirschenreuth für den westlichen Kreis zuständig ist, hatte die Schulung, die aus einem umfassenden theoretischen und praktischen Teil bestand, organisiert.

Hinsichtlich der Struktur von Kohlenwasserstoff-Verbindungen stellte der Vertriebsleiter für Süddeutschland der Firma "Drachen-Gas", Josef Krottenthaler, den Brandschützern die vorkommenden Arten von Gasen vor, darunter auch Metan und Ethan. "Redet man über Flüssiggas, so spricht man vorwiegend von Propan und Butan", so der Gasexperte. "Generell dürfen Behältnisse für Flüssiggas nur zu maximal 85 Prozent gefüllt werden", betonte Krottenthaler. Denn "nur so kann im Inneren der Flasche ein sicherer Übergang von der Flüssigphase in die Gasphase gewährleistet werden".

Komme es bei Gasbehältern zu einem erhöhten Temperaturanstieg, habe dies einen massiven Druckanstieg zur Folge. "Ab einer Temperatur von 60 Grad nimmt der Druck im Gasbehälter pro ein Grand Temperatursteigerung massiv zu. Bei den Einsatzmaßnahmen der Feuerwehr bei entzündetem Flüssiggas unterscheide man, ob die Gasflamme eine weitere Gefahr darstelle oder ob man dadurch den Flüssiggasaustritt durch die Gasflamme kontrollieren lassen könne. Wichtig sei hier jedoch, den Behälter mit ausreichend Wasser aus sicherer Entfernung und aus der Deckung heraus fortlaufend zu kühlen. "Ein brennbares Gas lässt sich unter Umständen besser kontrollieren als eine sich ausbreitende Gaswolke", erörterte Krottenthaler.

Erhobener Zeigefinger

Kommt es zu einem Brand in der Nähe von Flüssiggasbehältnissen, so könne man durch das Kühlen des Gastanks oder der -flasche sowie dem Ableiten von Flammen den größten Gefahren entgegenwirken. "Gasflammen aus dem Sicherheitsventil sollten nicht gelöscht werden" Gasflaschen, welche nicht durch den Brand erhitzt oder beschädigt seien, sollten nach Möglichkeit an einen sicheren Ort gebracht werden.

Krottenthaler mahnte eindringlich, Gasflaschen nicht in Kellerräumen zu lagern. Da Flüssiggas schwerer als Luft ist, setze sich dieses am Boden ab und sammle sich dort. Bei einer undichten Gasflasche würde es durch den Austritt in Räumen schnell zu einem zündfähigen Gas-Luftgemisch kommen, welches bei entsprechender Zündquelle eine Explosion zur Folge hätte. "In der Kanalisation kann sich Flüssiggas verbreiten, da es leichter ist als Wasser und dadurch auf der Oberfläche schwimmt."

Bei anschaulichen Experimenten, welche der technische Leiter Uwe Swarowsky der Firma "Drachen-Gas" vorführte, konnten die zünd- und explosivartigen Eigenschaften von Flüssiggas näher betrachtet werden. So füllte Swarowsky Propangas in ein offenes Behältnis und dieses sammelte sich am Boden. Durch das Einblasen von Luft über einen Schlauch entwich dieses aus dem oben offenen Behältnis und entzündete sich, als sich eine Zündquelle näherte. Ebenso führte der technische Leiter vor, was bei einer erhöhten Gasentnahme aus einem kleinen Behältnis im Inneren der Gasflasche passiert und wie sich der Druck darin verändert. Im Weiteren ging Krottenthaler auf die Funktionsweise von Gaswarn- und -messgeräten sowie die Explosionsgrenzen ein. Während der kurzweiligen Mittagspause bei Leberkäsesemmeln und Getränken bot Geschäftsführer Stephan Plannerer eine kleine Führung über das mittlerweile sehr groß herangewachsene Betriebsgelände des Abbruchunternehmes an. Viele Feuerwehrleute waren dabei.

Ernstfall üben

Beim praktischen Teil der Schulung teilten sich die Gruppen entsprechend der Kreisbrandmeisterbezirke auf die drei Stationen auf. Gebietsvertreter Helmut Diesner erklärte den Floriansjüngern an einer Station den Aufbau eines stationären Gastanks und erläuterte, wo die Einsatzkräfte im Ernstfall daran Hand anlegen können, um etwa die Gaszufuhr zu Gebäude zu unterbrechen.

Uwe Swarowsky und Josef Krottenthaler erläuterten den Brandschützern die Gefahren bei einer ausströmenden und in Brand geratenen Gasflasche. Ebenso wurde hierbei der Unterschied von austretender Gasphase und Flüssigphase einhellig demonstriert. Hierbei testen die Feuerwehrleute auch den Löscheinsatz mit Kleinlöschgeräten. Die Gefahr im Bezug auf einen Hautkontakt mit Flüssiggas wurde anschaulich mit einer Rose, welche in ein thermoisoliertes Behältnis gesteckt und dann herausgezogen wurde, verdeutlicht. "Es kommt zu massiven Erfrierungen", mahnten die Fachleute.

Der Fahrer eines Gastanklastkraftwagens erläuterte den Aufbau und die Einrichtungen eines solchen Fahrzeuges, sowie die Möglichkeiten einer Flüssiggasbehälterentleerung und informierte über den Flüssiggassicherheitsdienst. Ebenso wurde über die Maßnahmen bei Unfällen mit einem mit Flüssiggas beladenen Tankwagen gesprochen. Den Abschluss der praktischen Schulung bildete eine "Feuerlöschübung". Hierbei wurde anfangs ein Flüssiggasbehälter unterfeuert und dann das Ansprechen des Sicherheitsventils sowie ein Brand am Ventil gezeigt.

Welch hohe Energie eine brennende Flüssiggasfackel entwickelt, an welcher fortdauernd Gas ausströmt, erlebten die Feuerwehrleute beim Vorgehen mit drei Hohlstrahlrohren durch drei Löschtrupps. Otto Braunreuther sprach allen Gemeinden des westlichen Tirschenreuther Landkreises, welche die Schulung entsprechend finanzierten, seinen Dank aus. Ebenso dankte er Stephan Plannerer für Unterstützung der Feuerwehren und die Bereitstellung der Räumlichkeiten.

Josef Krottenthaler informierte unter anderem über die Arten von Gasen und Flüssiggasen, sowie den Aufbau der Kohlenwasserstoffverbindungen.
Der technische Leiter der Firma "Drachgen-Gas", Uwe Swarowsky, führte vor, wie sich Flüssiggas, welches mit Luft verwirbelt wird, verhält und sich das Gas-Luftgemisch beim Kontakt mit einer Zündquelle verhält.
Der technische Leiter der Firma "Drachen-Gas", Uwe Swarowsky, brachte den Brandschützern anhand von kleinen Experimenten und Vorführungen die physikalischen Eigenschaften von Flüssiggas näher.
Helmut Diesner aus Kötzersdorf erklärte den Feuerwehrleuten den Aufbau eines Gasbehälters und welche Maßnahmen die Feuerwehrler im Ernstfall daran machen können, um zum Beispiel die Gaszufuhr zu Gebäuden zu stoppen.
Rund 80 Floriansjünger aus dem westlichen Landkreis, darunter Feuerwehrführungskräfte und Feuerwehrfrauen und -männer nahmen an der rund fünfstündigen Feuerwehrschulung zum Thema Flüssiggas und der Führung auf dem Betriebsgelände der Firma Plannerer Abbruchunternehmen in Neuhof bei Pullenreuth teil.
Ein Mitarbeiter erklärte den Aufbau und die Einrichtung eines Gastanklastkraftwagens.
Welche Energie von einer brennenden Gasfackel ausgeht, lernten die Feuerwehrleute aus dem westlichen Landkreis Tirschenreuth bei der "Löschübung" anl. der Flüssiggasschulung kennen.
Kreisbrandinspektor Otto Braunreuther.
Josef Krottenthaler (links) und Uwe Swarowsky (rechts) zeigten den Feuerwehrleuten anhand einer Rose, was passiert, wenn es zum Hautkontakt mit Flüssiggasphase kommt.
Die Feuerwehrleute konnten unter anderem den Umgang mit Kleinlöschgeräten beim Brand einer Gasflasche üben.

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