14.10.2021 - 13:49 Uhr
PullenreuthOberpfalz

Wochenlange Internetstörung belastet den Alltag in Pullenreuth

In der Gemeinde Pullenreuth kommt es immer wieder zu massiven Internet- und Telefonstörungen. Bürger berichten von Problemen für Landwirtschaft, Schüler und Senioren – und den Folgen.

In der modernen Landwirtschaft laufen viele Prozesse über die Digitalisierung, auch auf dem Hof von Daniel Miedl in Haid bei Pullenreuth. Dafür braucht es das Internet. Ein automatisierter Futterroboter hilft etwa bei der Portionierung von Heu. Gibt es eine Störung, wird diese an den Landwirt weitergeleitet.
von Lucia Brunner Kontakt Profil

Seit über zwei Wochen kommt es in verschiedenen Ortsteilen von Pullenreuth zu Internet- und Telefonausfällen im Netz der Deutschen Telekom. "Es ist unerträglich", sagt Bürgermeister Hubert Kraus. Inzwischen hat er eine Beschwerde an den Telekom-Vorstand geschickt. Von den Problemen waren in jüngster Zeit die Ortsteile Pilgramsreuth, Langentheilen, Leimgruben und Höll betroffen. Besonders akut sind die Störungen in Haid. Obwohl alle Haushalte an eine Leitung angebunden sind, gibt es diverse Probleme.

Hier wohnt Seniorenbeauftragte Sandra Pinzer. "So ein Chaos. Ich mag bald nicht mehr", sagt sie. Sie ist stinksauer auf die Telekom. Drei Wochen waren bei ihr Internet und Festnetztelefon tot. Doch schon seit Frühjahr gebe es extreme Schwankungen im Netz. Mehrere Telefonate mit Callcentern hat sie hinter sich. "Man steckt dann ja schon immer ewig in der Warteschleife." Verschiedene Techniker waren vor Ort. "Der eine weiß nicht, was der andere gemacht hat." Ratschläge – etwa den Router aus- und wieder anzustecken – kann sie nicht mehr hören.

Hausnotrufe nicht möglich

Auch ältere Menschen im Gemeindegebiet waren von der Störung betroffen. "Hausnotrufe haben nicht funktioniert." Und wollten Senioren Pinzer erreichen, kamen sie nicht bei ihr durch. "Die rufen meistens nicht am Handy, sondern am Festnetz an", betont sie. Schließlich wollte sie eine Umleitung auf ihr Handy einrichten lassen. "Da der Vertrag aber auf meine Mutter läuft, wollte die Telekom es erst aus Datenschutzgründen nicht machen." Seit Samstag gehen das Internet und das Festnetz bei ihr wieder. "Ein Techniker war da und hat etwas an der Oberleitung gerichtet." Sie ist skeptisch, dass das lange anhält.

Bei Christa Bayer, Zweite Bürgermeisterin von Pullenreuth, vermuteten Techniker einen ähnlichen Fehler. Sie bietet für Touristen Urlaub auf dem Bauernhof an. Auch sie war längere Zeit ohne Netz, was bedeutete, dass Buchungen über Internet oder Telefon sie nicht erreichten. "Nach längerer Suche stellten Techniker fest, dass im Verteilerkasten etwas falsch angeschlossen war."

Oberpfalz-Medien hat bei der Pressestelle der Deutschen Telekom zur Ursache für die Störung nachgefragt. „In der Gemeinde Pullenreuth handelt es sich nicht um eine einzelne große Störung“, teilt Sprecher Nico Göricke mit. Er nennt als Hauptursache für viele Einzelstörungen Unwetter und Gewitter. Eindringendes Wasser oder Blitzschläge hätten Kabel beschädigt, oberirdische Leitungen seien durch Sturm zerstört worden. Pullenreuths Bürgermeister Hubert Kraus kann das nicht nachvollziehen. Ihm sei kein Haushalt bekannt, der wegen Unwetter Internetprobleme hatte. "Wir hatten heuer zwar mehr Regen, aber auch Wasser sollte nicht solche Probleme verursachen", sagt er.

Techniker von Subunternehmen

Die Bewohner von Haid beobachteten, dass Techniker mehrmals die Straße auf- und wieder zu gebaggert haben. Dort wurde vor vier Jahren die Leitung für den Breitbandausbau verlegt. Für nächstes Jahr ist laut Bürgermeister der Glasfaserausbau geplant. Pressesprecher Nico Göricke erklärt, dass seine Kollegen von der Technik und vom Technischen Außendienst versuchen, Fehler in der Nähe von Haid und Höll zu beseitigen. "Hier sind Tiefbau und eine Kabelspleißung erforderlich." Da der Aufwand enorm sei, könne das Unternehmen nicht sagen, wie lange die Störungen noch andauern würden. Auch der Bürgermeister weiß, dass Techniker vor Ort sind, diese kämen jedoch nicht direkt von der Telekom, sondern von dem Subunternehmen OMF. "Jeder hat eine andere Erklärung für die Ursache", sagt er.

Josef Spörrer hat seit fünf Wochen immense Probleme. "Seit zwei Wochen geht gar nichts mehr", ärgert er sich. Sein Vater hat Pflegestufe fünf. "Ist etwas mit ihm, kann meine Mutter mich nicht mal anrufen." Sein Sohn Matthias besucht das Otto-Hahn-Gymnasium in Marktredwitz. "Unser Lehrer sagt, wir sollen uns im Internet ein Video ansehen. Das kann ich aber nicht machen", sagt er. Zudem kann er für Hausaufgaben keine Arbeitsmaterialien von der Online-Plattform Mebis herunterladen und bearbeiten.

Folgen für Landwirtschaft

Ebenfalls betroffen ist der Hof von Bernhard und Daniel Miedl. „Manchmal geht das Internet stundenweise, tagelang oder auch wochenweise nicht“, sagt Bernhard Miedl. 85 Milchkühe leben in seinem Stall. Vor fünf Jahren investierte er rund eine Million Euro, um diesen zu modernisieren. Die automatisierte Melkanlage läuft 24 Stunden am Stück. Gibt es eine Störung oder einen Fehler, wird über einen Router eine Meldung an das Smartphone seines Sohnes Daniel gesendet. Geht das Internet nicht, werden Fehlermeldungen nicht weitergeleitet. Solche gebe es aber mindestens ein Mal pro Woche. „Dann kann es passieren, dass wir nicht mitbekommen, wenn Kühe nicht gemolken werden“, erklärt Daniel Miedl.

Das könne fatale Folgen haben: "Zum einen bringt es den Rhythmus der Tiere durcheinander", erklärt Daniel Miedl. Es dauere mehrere Wochen, bis sich dieser wieder einspiele. Außerdem produzieren die Kühe mehr Milch. Wenn ihnen diese nicht abgenommen wird, kann es zu Schmerzen und Entzündungen im Euter kommen. "Wir haben das Glück, dass wir einen Hybridrouter nutzen, der die Fehlermeldungen per Internet und Funk versendet", erklärt Daniel Miedl. Jedoch sei auch die Funkverbindung vor Ort so schlecht, dass man sich darauf nicht verlassen könne.

Auch das An- und Abmelden von Kälbern funktioniere nicht. Bernhard Miedl erklärt, dass er neun Tiere nicht rechtzeitig melden konnte. "Kommt das bei mehr als einem Prozent der Tiere vor, werden landwirtschaftliche Förderungen gekürzt." Zusätzlich habe er Probleme, Futtermittel oder Ersatzteile für Maschinen zu bestellen. Aktuell laufen auch die Abschlussgespräche zu den Flächenkontrollen. "Aufgrund der Corona-Pandemie finden diese als Online-Konferenzen statt." Miedl könne nicht teilnehmen und müsse wiederum mit Kürzungen von Subventionen rechnen.

Feste Ansprechpartner gewünscht

Die Telekom teilt mit, dass der überwiegende Teil der von Störungen betroffenen Haushalte wieder am Netz sei. Die Bewohner von Haid fühlen sich aber von dem Unternehmen nicht ernst genommen und wünschen sich feste Ansprechpartner, die sich um die Internetproblemen vor Ort kümmern.

So kommen Mieter an einen Glasfaseranschluss

BesserWissen
Die Bürger im Ortsteil Haid haben Probleme mit dem Internet. Das Bild zeigt (von links) Zweite Bürgermeisterin Christa Bayer, Seniorenbeauftragte Sandra Pinzer, Bernhard Miedl, Bürgermeister Hubert Kraus und Daniel Miedl.
Hintergrund:

Entstörung bei Leitungen unter der Erde

Schäden an Kabeln unter der Straße müssen laut Telekom-Pressesprecher Nico Görike durch umfangreiche Tiefbauarbeiten beseitigt werden. Er beschreibt den Ablauf der Entstörung:

  • Fehler und Schäden werden durch Messungen lokalisiert.
  • Kabel werden durch Tiefbauarbeiten freigelegt. Kaputte Teile werden entfernt.
  • Das neue Kabel wird auf beiden Seiten gespleißt. "Das heißt, auf beiden Seiten müssen mehrere hundert Adern durch Handarbeit miteinander verknüpft werden", so Göricke.
  • Nach Abschluss der Arbeit müssen Anschlüsse einzeln hochgefahren und die Straßendecke wieder verschlossen werden.
  • Regen, Gewitter und Genehmigungsverfahren für Absperrung und Tiefbau können Maßnahmen verzögern.

 

 

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