07.09.2018 - 20:42 Uhr
Raigering bei AmbergOberpfalz

Kaum kamen die Panduren, ging die Rauferei los

Markgraf Konstantin von Butler verliebte sich im 18. Jahrhundert in eine Prinzessin aus Pandura. Die Adelige hatte ihr Gefolge im Schlepptau mit Rauf- und Trunkenbolden. Wenn diese auftauchten, gab es den Warnschrei: "Die Panduren kommen".

Wild und grimmig schaut der Pandur im Vereinswappen des SV Raigering.
von Autor WFOProfil

Das Schloss stand damals auf dem Areal der heutigen Kirche, und der alte Sportplatz des SV Raigering gehörte zum Schlossbesitz, erinnert der Pressewart der Panduren, Thomas Graml. Diese Legende um den Namen dürfte eine wahre Geschichte sein, denn im alten Logo des SV Raigering aus den 50er Jahren war eine reitende Prinzessin - die Baronesse von Jeszinsky zu sehen, anders als jetzt ein "Krieger".

Bis zu den 70er Jahren galt in Raigering der Begriff des Panduren noch als Schimpfwort, und nach so einer Beleidigung gingen auch immer wieder Raufereien los. Erst danach habe die Bedeutung umgeschlagen, so Graml weiter, und die Raigeringer würdigten die Begrifflichkeit des Panduren nicht ohne Stolz als ein ganz besonderes Alleinstellungsmerkmal. Der Sportverein Raigering feierte seinen 90. Geburtstag in diesem Jahr - und damit die Panduren, wie man sie heute kennt.

In den 50er Jahren spielte der SV Raigering in der Bezirksklasse und hatte immer wieder höherklassig angeklopft, die Heimat waren aber vor allem die A- und B- Klasse, die heutige Kreisliga und Kreisklasse.

Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre kam ein sportlicher Aufschwung, der eine goldene Ära einleitete und den SV Raigering bis in die Landesliga führte - damals nach 1. und 2. Bundesliga und der Bayernliga die vierthöchste Spielklasse: Nach dem Aufstieg von der damaligen A-Klasse in die Bezirksliga wurde der SV Raigering gleich wieder Meister, weil er das entscheidende letzte Spiel auf dem Hahnenkamm beim FC Edelsfeld gewann. Nebenbei: Die Hausherren benötigten ihre für die geplante Aufstiegsfeier bereitstehende Blaskapelle nicht mehr.

Doch der Meister stieg nicht direkt auf und musste sich separat in einem Ausscheidungsspiel gegen den Meister des Südens, den TB Regenstauf, vor über 1000 Zuschauern in Schwandorf qualifizieren. Dieser Schritt gelang ebenfalls und der SV Raigering erhielt sich diese Liga drei Jahre und erlebte einen Boom. Im ersten Jahr war kein Heimspiel unter 1000 Zuschauern, die dicht gedrängt auf dem alten Sportgelände standen, und im Derby gegen den FC Amberg wohnten sogar 6000 (!) Fans diesem Fußballspiel bei.

"Bemerkenswert", so Graml weiter, "ist der sportliche Erfolg, denn seit dieser Zeit spielte der SV Raigering bis auf wenige Ausnahmen immer in der Bezirksoberliga oder in der Bezirksliga und stand so mit an der Spitze des oberpfälzischen Fußballs". Abstiege wie das einjährige Landesligagastspiel in der vergangenen Saison oder auch ein Abstieg der Reserve in die A-Klasse wurden schnell weggesteckt und gemeistert.

Der SV Raigering II als Kreisklassenmannschaft gehörte zu den ersten Teams aus der Region, die sich als Reserve im illustren Kreis von ersten Mannschaften tummelten und etablierten. Im Regelfall spielt der zweite Anzug der Panduren in der Kreisklasse - "Betriebsunfälle" wie der Abstieg nach der Saison 2015/16 wurden schnell wieder korrigiert. Das liegt auch an einer intensiven Jugendarbeit, so kann der SV Raigering derzeit alle Altersklassen eigenständig und größtenteils sogar mehrfach besetzen, freut sich der Funktionär.

"Ein Meilenstein war der Bezug des neuen Pandurenparks 2010 und auch mit dem neu geschaffenen Kunstrasenplatz haben wir die Zeichen der Zeit erkannt und auch umgesetzt." Der Herrenbereich ist eine Einheit, die Bezirksliga- und die Kreisklassenmannschaft haben gemeinsame Trainingstage, Oberhaupt ist Cheftrainer Martin Kratzer, unterstützt von Michael Sommerer. Jedenfalls ist es somit kein Problem, wenn Spieler aus der Kreisklassenmannschaft im Bezirksligakader auftauchen, wie auch umgekehrt, freut sich Thomas Graml - die sportliche Zukunft ist auf alle Fälle gesichert.

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