20.08.2018 - 17:51 Uhr
RegensburgOberpfalz

Ausstellung von Wolfgang Herzer

Der Kunstmanager Wolfgang Herzer aus Weiden hat endlich wieder Zeit und Lust, eigene Bilder zu malen. Seine Werke zeigt er nun im Regensburger Verwaltungsgericht. Darin tanzen Schuhe über den Frühstückstisch.

Wolfgang Herzer aus Weiden stellt seine Gemälde im Regensburger Verwaltungsgericht aus.
von Autor MSRProfil

Wolfgang Herzer hat gerade einen Lauf. Nach seinem hörenswerten Talk "1 zu 1" mit dem Radiojournalisten Norbert Joa im Mai, der noch über Podcast abrufbar ist, steht er gerade mit seiner Kunst im Fokus der Aufmerksamkeit. "Dancing to Heaven" heißt seine Ausstellung im Regensburger Verwaltungsgericht, deren Untertitel "Stilleben für Nele" mehr verrät als die vieldeutige, englische Bezeichnung. Die lässt sich aber ebenfalls erschließen, wenn man sich auf seine tänzelnde Bildwelt einlässt und die Schlüssel ausprobiert, die Herzer darin verteilt hat.

Es sind Bilder, in denen man lesen kann wie in einem Buch. Herzers Ausstellung enthält kleine Erzählungen vom Leben: vom Warten auf einen Anruf, von der Sehnsucht nach Kontakt, den Möglichkeiten Verbindungen herzustellen und der gleichzeitigen Scheu davor. Eingefangen sind sie in Bildern ohne Titel, denen eines gemeinsam ist: Sie kommen ohne Menschen, keineswegs aber ohne Spuren des Menschlichen aus.

Auch das Bild, welches der Ausstellung den Namen geben hat, ist menschenleer, oberflächlich betrachtet. Formal ist es als Stilleben einzuordnen, wie alle Herzer'schen Gemälde. Bleibt der Blick an dem benutzten und verlassenen Frühstückstisch auf der Terrasse haften, bleibt das eigentlich Wesenhafte des in sieben verschiedenen Variationen ausgestellten Tafelbildes verborgen. In Wahrheit sind die impressionistisch angehauchten Farbkompositionen regelrecht bevölkert. Zurückgeschobene Stühle weisen darauf hin, dass kürzlich jemand darauf gesessen hat. Leere Becher und ausgelöffelte Eierschalen sind offene Seiten dafür, dass hier gemeinsam gegessen und kommuniziert worden ist.

Stärkstes und ein wenig rätselhaftes Zeichen für menschliche Nähe sind Schuhe. Einzeln oder paarweise bevölkern sie den Bildraum. Sie stehen unterm oder neben dem Tisch, hängen an der Tischkante, zeugen tänzelnd und fliegend von erlebten Gefühlen, die einen in den Himmel tragen können. Sie verweisen auf unsichtbare Menschen, die nur an ihren materiellen Spuren erkannt werden können. Sie können "als Psychogramme und Leitfäden vergangener Begegnungen" gelesen werden, wie Richterin Eva Mühlbauer bei der Eröffnung den Künstler zitiert.

Für Herzer scheint in der Tisch-Ordnung, wie sie in seinen Bildern zu entdecken ist, symbolisch auch eine "Hausordnung und Weltordnung" auf. Sie sind damit auch Ausdruck einer persönlichen Sinnbildlichkeit. Und das herzerfrischende Ergebnis einer Wiederaneignung, eines unerwarteten Durchbruchs zu sich selbst. Über 30 Jahre war Herzer in Weiden als Kunsterzieher tätig. Ebenso lang engagiert er sich rastlos als Kurator, Kunstvermittler und -manager, ist schöpferischer Streiter für "die Sehnsucht nach wahrer Verbundenheit". Augenblicke davon hat er an Neles Tisch erlebt, sie hat ihm das Tanzen beigebracht. Herzer ist zudem Mitbegründer des Kunstvereins Weiden.

Seine eigene künstlerische Tätigkeit ist dabei regelrecht untergegangen. Erst während eines Klinikaufenthaltes vor zehn Jahren entdeckte er die Malerei wieder.

Einige der melancholisch-heiteren Ergebnisse sind bis Ende November in der warmherzigen Ausstellung "Dancing to Heaven" in Regensburg zu sehen. Manchmal möchte man dabei am liebsten mittanzen.

Die Ausstellung:

Wolfgang Herzers Schau „Dancing to Heaven“ ist bis 30. November 2018 im Verwaltungsgericht Regensburg, Haidplatz 1, zu sehen. Geöffnet ist die Ausstellung von Montag bis Donnerstag von 8 bis 16 Uhr und freitags von 8 bis 14 Uhr. (msr)

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp