10.10.2018 - 16:58 Uhr
RegensburgOberpfalz

"Gestörte Persönlichkeit" vor Gericht

Ein Schreiner soll in Regensburg seine ehemalige Freundin getötet haben. Vor Gericht wirkt er ruhig, seine Vergangenheit zeigt aber das krasse Gegenteil.

Auf der Richterbank
von Autor AHSProfil

(ahs) Der 32-jähirge Schreiner aus Wiesbaden sitzt schweigend neben seinem Verteidiger, erweckt den Eindruck, dass er kein Wässerchen trüben könnte. Doch dieser Schein steht im krassen Widerspruch zum Anklagesatz und seiner Vita, die der psychologische Sachverständige am Mittwoch in der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Regensburg offenbarte. Der Schreiner ist wegen Totschlags angeklagt.

Er soll seiner ehemaligen Lebensgefährtin im Januar zuerst mit der Faust massive Kopfverletzungen beigebracht haben und danach mit einem Küchemesser mindestens sieben Mal auf die 30-Jährige eingestochen haben. Bereits der erste Stich war tödlich. Zur Tatzeit hatte der Angeklagte maximal drei Promille Alkohol und Psychopharmaka im Blut.

Der am Mittwoch angehörte Sachverständige beschäftigte sich intensiv mit dem Vorleben des Angeklagten, wobei ihm auch zurückliegende Arztberichte zur Verfügung standen. Danach habe der Mann, dessen Eltern eine Schreinerei in der Nähe von Wiesbaden betrieben, in seiner Kindheit wenig Zuneigung erfahren. Auch in der Schule sei er verhaltensauffällig gewesen - er musste in eine Sonderschule für Schwererziehbare. Zunächst sei er von Mitschülern gedemütigt und geschlagen worden. Das änderte sich, als er Gewalt als Selbstschutz entdeckte. Ab seinem 16. Lebensjahr kamen Alkoholexzesse und Drogenkonsum hinzu. Es folgten Jahre eines ständigen psychischen Auf und Abs - mit Therapien und "aggressiven Durchbrüchen."

Bezeichnend hierfür sei seine Beziehung zu seiner früheren Freundin, die er mit 25 Jahren kennenlernte. Diese sei geprägt gewesen von körperlichen Attacken, Kränkungen auf der einen Seite und klammernden Verhalten auf der anderen. Am Ende dieser Beziehung sei es zu einer massiven Prügelattacke, welche sadistische Züge aufweist, gekommen. Wegen dieser wurde er 2014 vom Amtsgericht Wiesbaden wegen gefährlicher Körperverletzung, Freiheitsberaubung, Bedrohung und sexueller Nötigung zu einer dreijährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Auch in diesem Verfahren hatte der Angeklagte behauptet, seine Freundin hätte sich die Schnittverletzungen "beim Goulasch schneiden" beigebracht.

Der Gutachter bescheinigte dem Angeklagten schließlich neben seiner Alkoholabhängigkeit eine kombinierte - dissoziale und narzistische - Persönlichkeitsstörung. Eine Verminderung der Steuerungsfähigkeit schloss er nicht aus. Nach einem Hinweis des Gerichtsvorsitzenden liegen die formalen Voraussetzungen für eine Sicherungsverwahrung nicht vor. Das Urteil des Amtsgerichts Wiesbaden beziehe sich nicht nur auf Katalogstraftaten und keine der darin ausgewiesenen Einzelstrafen erreichen die vom Gesetzgeber vorgegebene Mindeststrafe von drei Jahren.

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