11.10.2019 - 19:37 Uhr
RegensburgOberpfalz

Gibt es zu viele Studenten?

An der Uni Regensburg gibt es Ärger: Studentenvertreter kritisieren, dass sich zu viele Leute in Erziehungswissenschaften einschreiben, weil es keinen NC mehr gibt. Sie befürchten, dass die Qualität der Lehre nachlassen wird.

Ein fast voll besetzter Audimax der Uni Regensburg. Die Fachschaft Pädagogik und Psychologie beschwert sich über zu viele Studenten im Studiengang Bachelor Erziehungswissenschaft. (Archivbild)
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

13 Studenten der Uni Regensburg haben in den Semesterferien einen offenen Brief an die Universitätsverwaltung verfasst. Sie ärgern sich, weil sich nun jeder mit Abiturzeugnis im Bachelorstudiengang Erziehungswissenschaft einschreiben kann. Eine Studiengangsbeschränkung (gemeinhin NC für Numerus Clausus genannt) wurde abgeschafft. Das Problem für die jungen Leute seien jedoch nicht die vielen Studenten, sondern die fehlenden Lehrkräfte. Doch mehr Personal gibt es nicht.

Bis 2017 hatte der Bachelorstudiengang einen NC, zum Wintersemester 2017/2018 wurde er abgeschafft. "Das ist grundsätzlich begrüßenswert", stimmt Christiane Fuchs vom studentischen Sprecher*innenrat zu. Aber: "Wir unterstützen auch den Brief" der Fachschaft, weil für mehr Studenten auch mehr Personal nötig sei. "Die Zahl sollte aus unserer Sicht an die vorhandenen Ressourcen oder die Ressourcen an die steigenden Zahlen der Studierenden angepasst werden. Laut der Fakultät wäre aktuell eine Zahl von 105 Studienanfänger angemessen", fordert daher die Studentin Jasmin Rowe.

Mehr als 200 Erstsemester

Erziehungswissenschaften scheint viele zu interessieren. Es haben sich weit mehr Leute eingeschrieben als von der Fakultät gewünscht - laut Uni-Pressestelle 282. Die vorhandene Dozenten würden allerdings kaum ausreichen, um diese zu bewältigen, in den Kursen zu viele Studenten sitzen, heißt es in dem Brief. "Die Qualität des Studiums wird unvermeidlich nachlassen", warnen die Studenten, das Lernen sei maßgeblich und nachhaltig eingeschränkt.

Auch im nun anstehenden Wintersemester sieht es nicht besser aus. "Im Moment liegt die vorläufige Zahl bei zirka 200", so Pressesprecherin Margit Scheid über die bereits gemeldeten Erstsemestern. Für die Briefverfasser bedeutet das: Die Lehre für Erziehungswissenschaft sei nun "nicht zu gewährleisten". Und sie waren: "Es könne ... keine Lösung sein, die Studienanfänger*innen durch Losverfahren in Seminare einzuteilen oder zu Studienbeginn möglichst viele 'auszusortieren'."

Warum ist der Studiengang überhaupt so beliebt? "Häufig finden sich auch Studierende in unserem Studiengang, die etwas anderes, zum Beispiel Psychologie, studieren wollten, dort aber aufgrund des NC nicht angenommen wurden", berichtet Jasmin Rowe, Vertreterin der Studierenden. Sie ist eine der Unterzeichnerinnen des Briefes, der auf der Internetseite der Fachschaft für Fakultät Psychologie, Pädagogik und Sportwissenschaft veröffentlicht ist. Auf zweieinhalb Seiten beschreiben die jungen Leute die Vorgeschichte und stellen Forderungen .

Auf taube Ohren stoßen die jungen Leute damit nicht. "Die Universitätsleitung nimmt das Anliegen der Studierenden sehr ernst und hat unmittelbar nach Eintreffen des Offenen Briefes mehrere Gespräche mit der Fakultätsleitung und den Studierenden der Fakultät für Psychologie, Pädagogik und Sportwissenschaft über Lösungsmöglichkeiten geführt", erläutert Pressesprecherin Scheid. Ein weiteres Gespräch soll noch vor Semesterbeginn stattfinden.

In einem Punkt sind sich alle Parteien einig: Grundsätzlich sollten Studiengänge nicht zulassungsbeschränkt sein. Aktuell sind an der Uni Regensburg nur 12 von 240 Studiengängen beschränkt. "Jede Uni arbeitet mit Steuergeldern und will so viele Studenten bedienen wie möglich", erläutert Pressesprecher Jan Kleine. Denn jeder Studiengang, der zulassungsbeschränkt ist, "sperrt Leute aus". Daher versuche die Uni, so wenig wie möglich zu beschränken.

Qualität darf nicht leiden

Die Ausbildung soll sich dadurch aber nicht verschlechtern. "Selbstverständlich ist die Qualität des Studiums ein hohes Gut und muss bei den laufenden Gesprächen und Planungen eine maßgebliche Rolle spielen", versichtert Scheid. Die Beschränkung eines Studiengangs muss die Uni jedes Jahr neu beim Kultusministerium beantragen, erklärt sie. "Eine nachträgliche Zulassungsbeschränkung für den B.A.-Studiengang Erziehungswissenschaften zum Wintersemester 2019/20 kann es auch aus rechtlichen Gründen nicht geben." Die Vorlesungszeit beginnt am 14. Oktober.

Die Studierendenvertretung der Erziehungswissenschaftler fordert dennoch die Wiedereinführung der Zulassungsbeschränkung oder mehr Personal für die Lehre. Die Studenten wünschen sich aber auch, dass Professoren und Universitätsleitung gemeinsam an einer Lösung arbeiten. Ihrem Protest hätten sich auch Professoren angeschlossen, schreiben die Studenten. Diese sähen die Wiedereinführung der Zulassungsbeschränkung allerdings als einzig mögliche Lösung. "Sollte die Zulassung nicht erneut beschränkt werden, sähen sie eine Schließung des Studiengangs als unabdinglich an", heißt es in dem offenen Brief über die Ansicht der Profs: "Lieber kein Studiengang als einen Studiengang, den wir nicht vertreten können."

Studenten und Professoren in Regensburg und Bayreuth:

In den vergangenen 20 Jahren haben die Studentenzahlen zugenommen. Die Uni Regensburg meldet für das Wintersemester 1999/2000 17 672 Studenten und 164 Lehrstuhlinhaber. 2018/2019 sind es 21.376 Studenten bei 198 Lehrstuhlinhabern. Auf die Frage, wie die Uni Regensburg mit steigenden Studentenzahlen umgeht, antwortet Jan Kleine, Pressesprecher und Referent des Präsidenten, nicht. Denn die Frage "impliziert, dass die Zahlen steigen." Seine Uni verzeichnet seit einigen Jahren aber nur einen leichten Anstieg, meint Kleine.

Insgesamt gibt es immer mehr Studenten. Im Wintersemester 2009/2010 waren in Bayern 273.666 an Hochschulen eingeschrieben, 2018/2019 waren es schon 391.572. Christiane Fuchs vom "studentische Sprecher*innenrat der Uni Regensburg" hat den Eindruck, dass die Uni Regensburg durchaus gerne mehr Studenten haben wolle. Dafür spreche die Reduzierung der Studiengänge mit Zugangsbeschränkung.

Weniger Studenten und mehr Professoren als in Regensburg gibt es an der Uni Bayreuth: Für das Wintersemester 1999/2000 nennt die Uni 7004 Studenten und 174 Lehrstuhlinhaber. Im Wintersemester 2018/2019 waren es 13.042 Studenten und 238 Lehrstuhlinhaber.

"Wir rechnen nicht mit einem weiteren Anstieg der Studierendenzahlen", sagt der Bayreuther Universitätspräsident Stefan Leible. "Mit rund 13.500 Studierenden hat die eher kleinere Universität im oberfränkischen Bayreuth eine angenehme 'Studier'-Größe", findet Leible. Studenten und Profs würden dort schnell in Kontakt kommen.

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