23.01.2020 - 13:20 Uhr
RegensburgOberpfalz

Gloria verteidigt Papst Benedikt und schießt gegen Protestanten

Fürstin Gloria sorgt in der ARD für Aufregung: In einer Talkshow verteidigt sie den emeritierten Papst Benedikt und schießt gegen die evangelische Kirche: Die sei nur noch eine "politische Vereinigung mit Meditationskomponente".

Gloria von Thurn und Taxis.
von Julian Trager Kontakt Profil

Fürstin Gloria von Thurn und Taxis hat mal wieder mit einem Fernsehauftritt für Aufregung gesorgt. In der ARD-Talkshow "Maischberger. die Woche" verteidigte die Regensburgerin den emeritierten Papst Benedikt vehement. Und nebenbei schoss sie gegen die evangelische Kirche. Gloria, die von der Gastgeberin als "außerordentlich konservative Katholikin" vorgestellt wurde, kenne Papst Benedikt seit den 1980er Jahren, erklärte sie. Über die Jahre sei eine "nachbarschaftliche Freundschaft" entstanden. Sein Rücktritt als Papst sei nicht nur ein großer Schock für sie gewesen - sondern "ein Schock für die ganze Christenheit". Trotz der Ankündigung Benedikts, sich zurückzuhalten, meldete er sich immer wieder zu aktuellen Kirchenthemen zu Wort. Erst kürzlich widersprach er seinem Nachfolger, Papst Franziskus. Der deutsche Papst warnte vor einer Aufweichung des Zölibats.

Fürstin Gloria sprang nun ihrem "nachbarschaftlichen Freund" bei. In der ARD-Sendung verteidigte sie ihn: "Er mischt sich ja nicht wirklich ein." Es handele sich bloß um eine wissenschaftliche Arbeit. Benedikt sei ein "großer Theologe", der halt ab und zu wissenschaftliche Arbeiten schreibt. Nicht mehr, nicht weniger. Als das Buch mit seinem Artikel erschien, sei die Hölle ausgebrochen. "All hell broke lose", scherzte Gloria. Eine Kirchenspaltung, einen Machtkampf der zwei Päpste sehe sie nicht. "Das ist eine Erfindung der Medien."

Aber warum pocht sie wie Benedikt so vehement auf den Zölibat? "Verheiratetes Priestertum bedeutet nichts anderes, als das die Kirche aufhört zu existieren", findet die Regensburgerin. Man müsse sich ja nur die evangelische Kirche anschauen: Die ist heute "nur noch eine politische Vereinigung mit Meditationskomponente". Und weiter ging es gegen die protestantische Kirche. "Die katholischen Kirchen sind voll und die evangelischen leer. Bei den Protestanten sind viel weniger Leute als bei uns."

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Kommentare

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A. Schmigoner

Man kann über den Zölibat unterschiedliche Ansichten vertreten. Jedoch wirft der Auftritt der Fürstin die Frage auf, wie es mit ihrer Wahrnehmungsfähigkeit im Jahr 2020 bestellt ist. Volle katholische Kirchen? Untergang einer Kirche ohne Zölibat? Die Orthodoxe Kirche lebt seit 1000 Jahren mit verheirateten Priestern. Petrus war verheiratet. Die weltweit auf dem Vormarsch befindlichen evangelikalen Kirchen kennen ebenfalls keinen Zölibat.
Der Sexualtherapeut Joachim Reich (Berlin), der früher selbst Priester war, schätzt, dass sich nur fünf Prozent der katholischen Priester lebenslang an den Zölibat halten. Reich berät Geistliche, die Probleme damit haben, sexuell enthaltsam zu leben. Der Wiener Kardinal Schönborn schätzt die Zahl immerhin auf 33 %. Kann man hier davon sprechen, dass der Zölibat in der katholischen Kirche gelebt wird?
Reicht eine "gute Nachbarschaft zum Ex-Papst" inzwischen aus, um ein Statement zu einem hochumstrittenen Themenkomplex in der ARD abgeben zu können? Der Auftritt der Fürstin hatte mehr etwas von "Dschungelcamp". Einen relevanten, sachlich fundierten Beitrag konnte Gloria jedenfalls nicht leisten....

25.01.2020