12.08.2019 - 17:31 Uhr
RegensburgOberpfalz

Landwirt will sich mit Marihuana selbst therapieren

Diese Selbsttherapie ging nach hinten los und brachte einen 54-Jährigen aus dem Kreis Cham vors Landgericht Regensburg. Der Mann wollte sich mit Marihuana selbst heilen, landete aber verwirrt auf der Straße. Betend und aggressiv.

Symbolbild
von Autor AHSProfil

Im Dezember vergangenen Jahres entdeckten Polizeibeamte bei einem 54-jährigen Landwirt aus dem Landkreis Cham in dessen Wohnung fast sieben Kilogramm Marihuana. Er wurde festgenommen und befindet sich seitdem im Bezirksklinikum Regensburg. Seit diesem Monat muss sich der Bauer vor dem Landgericht Regensburg wegen des unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln verantworten. Dabei kam heraus, dass die Vergangenheit des Beschuldigten erschütternd ist.

Der Bauer leidet seit vielen Jahren an einer paranoid-halluzinatorischen Schizophrenie. Die Welt war für ihn in Ordnung, solange er regelmäßig seine Medikamente einnahm. 2003 begann er damit zu schlampen. Die Folge war, dass er bei einem Streit aus nichtigem Anlass seine Mutter tötete. Da er die Tat im Zustand der Schuldunfähigkeit begangen hatte, wurde er auf unbestimmte Zeit in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen. Die dortige Therapie verlief so erfolgreich, dass er 2009 auf Bewährung unter Sicherungsanordnungen entlassen werden konnte. Diese endete 2016.

Kurz nachdem die engmaschige Überwachung beendet war, begann er an seiner Medikation herum zu experimentieren. In dem Glauben, dass er mit Marihuana die Dosis seiner Medikamente und damit deren Nebenwirkungen verringern könne, baute er mit Hilfe seiner Lebensgefährtin auf einer Waldlichtung und im Garten seines Anwesens die Hanfpflanzen an. Seine "Eigentherapie" begann mit wenigen Joints, zuletzt rauchte er das Gras von früh bis spät - etwa zehn Gramm täglich, ohne dass es jemanden auffiel.

Am Spätnachmittag im Dezember vergangenen Jahres kam es aber zu einer folgenschweren Begegnung: Eine 20-jährige Autofahrerin, die den Angeklagten flüchtig kannte, sah, wie sich der Landwirt auf der Straße rollte und niederkniete, um ein Holzkreuz anzubeten. Dann riss er den Seitenspiegel ihres Wagens ab und versuchte, die Fahrertür zu öffnen, erzählt die Frau im Zeugenstand. Er habe sie dabei mit "solchen Augen wie ich sie vorher nie gesehen habe" angestarrt. Sie fuhr direkt zur nächsten Polizeiinspektion und erstattete Anzeige. Die Beamten statteten dem Mann einen Besuch ab und fanden knapp sieben Kilo Marihuana.

Ein Polizist sagt vor Gericht, dass der Beschuldigte auf der Fahrt ins Krankenhaus zur Blutentnahme zwar psychisch auffällig, aber nicht aggressiv war. Stattdessen gab es einen wahren Redefluss. Der Ärztin gegenüber habe er sich gereizt verhalten und gesagt: "Ich taufe dich auf den Namen Barbara". Bei den Standarttests wollte er plötzlich übergriffig werden. Die Staatsanwaltschaft strebt die neuerliche Sicherungsverwahrung des Beschuldigten an, da von ihm erhebliche rechtswidrige Taten zu erwarten seien und er deshalb für die Allgemeinheit gefährlich sei.

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