25.05.2018 - 13:32 Uhr
RegensburgOberpfalz

Nudeln im Stoffbeutel

Die großen Behälter an der Wand sind voll mit Linsen, Couscous, Nudeln oder Mehl. Im „Füllgut“ in Regensburg gibt es alles, was das Kochherz begehrt – verpackungsfrei.

Jasmin Simmel füllt sich Nudeln in eine Blechdose. In ihrem Laden "Füllgut" verkauft sie die meisten Artikel unverpackt.
von Eva Hinterberger Kontakt Profil

Wer bei Jasmin Simmel im „Füllgut“ einkaufen will, hat am besten seine eigene Dose dabei. Denn in dem Laden in der Oberen Bachgasse in der Regensburger Altstadt gibt es die meisten Lebensmittel nur lose zu kaufen. In großen Behältern lagert Simmel Nudeln in den verschiedensten Farben und Formen, Hülsenfrüchte oder Mehl und Gewürze. In Holzkisten stehen Paprikaschoten, Äpfel oder Kartoffeln bereit, im Regal darüber ein paar Eier. In einem Kühlschrank lagern Gläser mit Tofu oder Frischkäse. Simmels Ziel ist es, so wenig Verpackungsmüll wie möglich an ihre Kunden weiterzugeben. Für spontane Einkäufe bietet die junge Frau deswegen Baumwollsäckchen an, in die die Konsumenten ihre Lebensmittel füllen können. „Ich sammle auch leere Konservengläser. Die können die Leute ebenfalls verwenden.“

Simmel achtet nicht nur darauf, keine (Plastik-)Verpackungen in den Umlauf zu bringen, sondern will auch selbst möglichst wenig verwenden. „Die Lebensmittel, die ich verkaufe, werden in Papiersäcken geliefert“, erklärt sie. „Bis auf eine Ausnahme.“ Bei Nudeln hat Simmel noch keinen passenden Anbieter gefunden. „Die Nudeln kommen in Plastiksäcken.“ Aber auch hier achtet die Geschäftsführerin auf Wiederverwendung. „Ich benutze die Säcke zum Beispiel als Müllbeutel.“ Und auch die Papiersäcke wandern nicht sofort in die Tonne. „Daraus mache ich Preisschilder oder nutze das Papier zum Verpacken von Einkäufen – für Schokolade zum Beispiel.“

Kurse über Müllvermeidung

Nachhaltigkeit ist der 30-Jährigen wichtig. Privat beschäftigt sie sich schon einige Jahre damit. Vor ungefähr einem Jahr hat sie angefangen, Kurse zu Müllvermeidung an der Volkshochschule zu geben. „Dadurch habe ich auch die früheren Füllgut-Inhaber kennengelernt“, erzählt Simmel. Als die im November 2007 bekanntgaben, einen neuen Pächter für ihren Laden, den es seit November 2016 gibt, zu suchen, nutzte die gelernte Grafikerin ihre Chance. „Ich hatte allerdings nicht genug Geld gespart, um den Laden finanzieren zu können.“ Deswegen entscheidet sie sich, das Geld – 25.000 Euro – per Crowdfunding zu sammeln. „Das war auch eine gute Möglichkeit, zu testen, ob Regensburg den Laden überhaupt möchte.“ Nach drei Wochen war die 25.000-Euro-Marke geknackt. Am 22. März 2018 eröffnete sie als neue Geschäftsführerin das „Füllgut“ wieder und führt dort auch ihre Kurse fort, in denen sie zeigt, wie sich Putzmittel oder Duschgels selbst herstellen lassen.

Zudem hat Simmel zahlreiche Non-Food-Artikel im Angebot. Neben Trinkflaschen oder Aufbewahrungsdosen bietet sie zum Beispiel Wachstücher an – mit Bienenwachs beschichtete Stofftücher. „Das ist mein Lieblingsprodukt hier im Laden. Die Wachstücher sind super für die Brotzeit beim Wandern. Da fällt dann auch keine Dose im Rucksack hin und her.“ Zuhause sei so ein Tuch eine gute Aufbewahrungsmöglichkeit für Käse. „Die Tücher sind viel gesünder als Alufolie. Da können Partikel abgehen und ins Essen gelangen.“ Außerdem stehen in Jasmin Simmels Regalen Zahnbürsten mit Holzgriff oder Zahnpastatabs, die man im Mund zerkaut, bis sie schäumen. Für Frauen bietet Simmel zudem verschiedene Artikel zur Monatshygiene an, unter anderem Stoffbinden. „Die näht eine Regensburgerin selbst.“

Vergleich mit Biomärkten

Der Unternehmerin ist es wichtig, dass ihre Produkte aus der Region kommen. Ständig ist sie auf der Suche nach neuen Anbietern. Das ist nicht einfach: „Es dauert oft, bis ich einen passenden Lieferanten gefunden habe.“ Ein Problem ist der Preis. Simmel braucht für ihren kleinen Laden keine allzu großen Mengen. Damit es sich für einen Lieferanten lohnt, verkauft der seine Produkte dann teurer. Das spüren auch die Kunden. „Die vergleichen die Preise hier schon mit denen im Biomarkt.“ Deswegen versucht die Geschäftsführerin preislich auf einem ähnlichen Niveau zu bleiben. Aber: „Ich muss natürlich schauen, dass der Laden läuft.“

Info:

Tipps für einen verpackungsfreien Alltag

Oft sind es schon Kleinigkeiten, die gar nicht viel Aufwand bedeuten, die für weniger Müll sorgen. Jasmin Simmel gibt ein paar Tipps.

1. Immer zwei bis drei Stoffbeutel einstecken. „Egal, was man einkaufen will, damit ist man gerüstet.“
2. Einen Bambusstrohhalm einstecken. „Die sind einfach genial und man braucht keine Plastikstrohhalme mehr.“
3. Für unterwegs ein Bienenwachstuch nutzen. „Viel besser als Alufolie.“

Das wichtigste aber: „Einfach nachfragen. Oft freuen sich die Leute, wenn man ohne Verpackung einkaufen möchte.“

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