29.06.2018 - 17:02 Uhr
RegensburgOberpfalz

Der perfekte Abschied

Das hätte Klaus Panzer gefallen: Enkelin Pauline legt ihrem Opa ein silbernes Kissen mit in den Sarg und Bilder, die die Kinder in den vergangenen Monaten gemalt haben für dessen "letzte Reise". So ist dem 73-jährigen Gesellschafter der Oberpfalz-Medien gelungen, was er sich am meisten wünschte: ein tröstlicher Abschied.

Gelassene Trauer: Die lächelnde Bärbel Panzer (Mitte) macht am Grab ihres Mannes Kindern und Enkeln Mut.

Es war nicht anders zu erwarten: Wie alles im Leben hat der promovierte Ingenieur auch seinen letzten Gang perfekt organisiert. Rund 150 Verwandte, Freunde und Weggefährten nehmen am Freitag nicht zufällig in der Dechbettener Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt Abschied von einem Mann, den sein schweres Leiden nie vollständig besiegen konnte. "Hier hat meine Sabine ihren Willi geheiratet, hier wurden die ersten beiden Kinder getauft", erzählt Bärbel Panzer.
Bis zum Schluss hat sich der "bestinformierte Prostatakrebs-Patient" über den aktuellen Forschungsstand am Laufenden gehalten und nicht nur seine Leidensgenossen der Selbsthilfegruppe daran teilhaben lassen. In einem Blog hat er "Das letzte Abenteuer seines Lebens" genauso tabulos beschrieben wie in zwei Redaktionsgesprächen mit unserer Zeitung.

Mahnung an die Männer

Verlegerin Viola Vogelsang-Reichl verabschiedet Klaus Panzer im Namen der Oberpfalz-Medien.

Dabei ging es Klaus Panzer nicht um eine Selbstinszenierung, sondern um eine Mahnung, achtsam mit dem eigenen Leben umzugehen: "Wenn diese Krankheit rechtzeitig erkannt wird, hat man gute Heilungschancen", appellierte er kämpferisch an alle Männer, die nur allzu oft den Gang zum Arzt scheuen. Für diesen Einsatz bedankt sich Alfons Swaczyna, Leiter von Procas, der Prostatacarzinom-Selbsthilfegruppe Regensburg/Oberpfalz, sichtlich gerührt bei seinem Leidensgenossen: "Er hat uns Hoffnung gemacht."
"Sein offener Umgang mit der Krankheit hat unsere Mitarbeiter und viele Leser tief beeindruckt", beschreibt Verlegerin Viola Vogelsang-Reichl die Wirkung des verstorbenen Schirmitzers, der - ganz Sohn seines Vaters, des Redakteurs Albert Panzer, und Schwiegersohn des Gründungsverlegers Victor von Gostomski - mit wachem Verstand den Erfolg des Medienhauses mitgestaltete. "Man sieht die Sonne untergehen und erschrickt doch", zitiert Vogelsang-Reichl Franz Kafka, um ihre Betroffenheit beim Erhalt der Todesnachricht in ein Bild zu fassen.
Im Mittelpunkt seines Lebens aber standen bei allem beruflichen Engagement seine Frau Bärbel, seine Kinder und Enkel. "Klaus war ein Nestbauer", sagt Pater Günther Wendel, früherer Leiter des Don-Bosco-Zentrums und Freund der Familie. "Er hat sich um alle Häuser und Wohnungen gekümmert - fast zu gut." Das findet auch die Witwe, die sich jetzt im Alltag neu orientieren muss. Sie ist erleichtert, dass das Leiden ein Ende hat, und gleichzeitig schockiert, den Mann ihres Lebens verloren zu haben. "Er hat uns ja alles abgenommen", sagt sie seufzend, "ich weiß nicht einmal, wie man den Fernseher einstellt."
In den Fürbitten überträgt Sohn Florian Panzer die Menschlichkeit seines Vaters auf die aktuelle politische Situation: "Mein Vater hat auf seinen Reisen viele Länder und Menschen kennengelernt - stehe allen bei, die auf der Flucht sind." Und er habe sich nach der Diagnose vor knapp fünf Jahren große Sorgen gemacht, wie es mit der Familie weitergehe. Mit der Perfektion eines deutschen Ingenieurs hat er diese letzte, seine größte Herausforderung gemeistert.

Rakete in den Himmel

Der Beweis dafür: Trotz aller Trauer weht ein Geist der Gelassenheit über dieser Trauerfeier, lächelt Bärbel Panzer ihren Enkelkindern aufmunternd zu, kann Tochter Sabine Pistor gelöst erzählen: "Wir haben schon vergangenes Jahr mit der Trauerbewältigung begonnen, die Kinder haben ihrem Opa Bilder gemalt." Eines dieses Bilder illustriert die letzte Reise des Großvaters, wie er es sich nicht besser ausmalen könnte: "Ich hab den Opa auf einer Rakete gemalt, die in den Himmel fliegt", sagt Pauline. Das Bild nimmt der Erfinder Klaus Panzer auf der Suche nach neuen Horizonten mit ins Grab. http://letztabent.blogspot.com

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