16.08.2018 - 21:45 Uhr
RegensburgOberpfalz

Puckjagd unter Wasser

Geht Selina Höckele ins Training, braucht sie Flossen, einen sehr kurzen Schläger und eine Taucherbrille. Die Regensburgerin spielt Unterwasserhockey – und war als eine von zwei Oberpfälzerinnen bei der Weltmeisterschaft in Kanada dabei.

Mit einem kurzen Schläger versuchen die Unterwasserhockey-Spielerinnen den Bleipuck in das Tor zu befördern
von Eva Hinterberger Kontakt Profil

Die Sportlerinnen schwimmen in einer kleinen Gruppe dem Bleipuck am Beckenboden hinterher. Mit ihren Flossen und ihren gleichmäßigen Schwimmbewegungen wirken sie wie ein kleiner Schwarm Fische. Nach und nach geht den Frauen die Luft aus. Sie müssen auftauchen. Aber nur kurz. Nach ein, zwei Atemzügen sind sie wieder unter Wasser.

Timing ist beim Unterwasserhockey besonders wichtig. „Vor allem beim Luftholen“, erklärt Selina Höckele. Die 27-jährige Regensburgerin war im Juli mit der Damennationalmannschaft bei der Unterwasserhockey-Weltmeisterschaft im kanadischen Québec. „Der richtige Moment beim Auftauchen ist selten oder nie“, fährt sie fort. „Aber es ist besser, aufzutauchen und sofort wieder abzutauchen, als unten zu bleiben, bis einem die Luft ausgeht.“ Dann brauche man nämlich länger, um sich zu erholen. Außerdem ist es für die Spielerinnen nach dem Auftauchen einfacher, sich neu zu positionieren. „Immer unten bleiben kann sowieso keiner.“

Blaue Flecken gehören dazu

Gespielt wird sechs gegen sechs. Bei der Weltmeisterschaft besteht ein Spiel aus zwei Halbzeiten mit jeweils 15 Minuten. Die Pause dauert drei Minuten. „Bei Freundschaftsspielen können die Zeiten auch anders sein“, sagt Höckele. Ziel ist es, den Bleipuck mit Hilfe eines Schlägers, der nicht länger als 35 Zentimeter sein darf, ins gegnerische Tor, eine Art Metallrinne, zu bringen. Dabei geht es mitunter auch etwas wilder zu. Auch wenn Unterwasserhockey nicht als Kontakt-Sportart gilt und Körperkontakt eigentlich nicht erlaubt ist: Blaue Flecken gehören dazu. Ganz vermeiden lässt sich der Körperkontakt unter Wasser nicht. Die Spielerinnen drängen sich gegenseitig ab. Wer nicht aufpasst, bekommt aus Versehen eine fremde Flosse zu spüren.

Und im Gegensatz zu Sportarten wie Basketball oder Fußball kann beim Unterwasserhockey der gegnerische Spieler auch von oben versuchen, an den Puck am Boden heranzukommen. „Mir gefällt diese Dreidimensionalität“, sagt Selina Höckele. Faszinierend findet sie zudem, wie gut die wortlose Kommunikation unter Wasser funktioniert. Gegenseitig erkennen die Spielerinnen Teammitglieder und Gegner übrigens an der Farbe der Schwimmkappen und Schläger. Die sind schwarz oder weiß. „Außerdem kennen wir natürlich unseren Schwimmstil oder die Flossen.“

Unterwasserhockey: Deutschland gegen Argentinien

Zum Unterwasserhockey gekommen ist Höckele vor gut zwei Jahren, als sie für ihre Doktorandenstelle nach München gezogen ist. Eine Bekannte hatte ihr vom Verein Unterwasserhockey München erzählt. „Das muss ich ausprobieren, habe ich mir damals gedacht.“ Seitdem spielt sie für die „Munich Marlins“, wie sich der Münchener Verein nennt. Ein Mitglied der Nationalmannschaft wurde die Regensburgerin dann Anfang des Jahres. Sie hatte sich per E-Mail beworben, wurde kurz darauf in den Kader aufgenommen und durfte mit zehn Mannschaftskolleginnen zur WM nach Kanada fahren.

Die Reise nach Québec hatten die Spielerinnen versucht, per Crowdfunding zu finanzieren. „Naja“, antwortet Höckele auf die Frage, ob das geklappt habe. Das Problem sei, dass sich das Team – wie auch bei den meisten anderen Randsportarten – selbst finanzieren muss. Neben den „Munich Marlins“ gibt es nur noch Unterwasserhockeyteams in Heidelberg, Berlin, Hannover und Elmshorn. Seit zwei Jahren spielen die im Spielbetrieb gegeneinander: Im Jeder-gegen-Jeden-Modus ermitteln die Mannschaften an zwei Spieltagen ihren Meister.

Platz 12 von 13

Zur Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft hat der Mannschaft Deutschland allerdings nicht ausgereicht. Da sich der Kader aus den besten deutschen Spielerinnen zusammensetzt, mussten diese für passende Gegner ins Ausland fahren. „Wir waren zum Beispiel in den Niederlanden und in Frankreich.“ In Frankreich ist Unterwasserhockey relativ bekannt. „Viele Spielerinnen spielen seit ihrer Kindheit.“

Deswegen stand für die deutschen Sportlerinnen von Anfang an fest: „Wir werden nicht viel gewinnen.“ Und so war es auch. Sie landeten auf Platz 12 von 13. „Aber das wussten wir vorher. Es waren viele gute Teams da. Wir wussten, dass wir gegen Neuseeland oder Frankreich keine Chance haben“, blickt Selina Höckele zurück. Ein Ziel hatten sich die Spielerinnen aber gesetzt – und erreicht: „Wir wollten gegen Belgien gewinnen, weil die ähnlich stark sind wie wir. Das haben wir geschafft.“ Aber vor allem war die Weltmeisterschaft in Québec eine tolle Erfahrung – und eine gute Übung. „Ich hab in dieser Zeit mehr gelernt, als im letzten Jahr Training.“

Ob sie in zwei Jahren wieder dabei ist, weiß sie noch nicht. Selina Höckeles nächstes Ziel ist ihre Promotion im Bereich Diabetesforschung. „Mal schaun, wo es mich danach hin verschlägt.“

Selina Höckele (Zweite von links) war eine von elf deutschen Sportlerinnen, die zur Unterwasserhockey-WM nach Kanada durften

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