12.10.2018 - 16:34 Uhr
RegensburgOberpfalz

Staatsanwältin fordert 14 Jahre für 32-jährigen Schreiner

Im Prozess gegen einen Schreiner wegen Totschlags fordert die Staatsanwältin eine Freiheitsstrafe von 14 Jahren - und wählt drastische Worte: Der Angeklagte habe seine Ex-Freundin regelrecht niedergemetzelt.

Das Strafgesetzbuch
von Autor AHSProfil

(ahs) In den Augen von Staatsanwältin Andrea Costa sitzt ein Monster auf der Anklagebank, sie forderte in ihrem Plädoyer eine Freiheitsstrafe von 14 Jahren. Verteidiger Hagen Schön (Wiesbaden) hingegen warb um Verständnis für seinen Mandanten. Im Prozess gegen einen 32 Jahre alten Schreiner aus Wiesbaden wegen gefährlicher Körperverletzung und Totschlags vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Regensburg wurden am Freitag die Schlussvorträge gehalten.

Die Staatsanwältin ließ das bisherige Leben des Angeklagten Revue passieren: Bereits als Erstklässler war er verhaltensauffällig, ab dem zwölften Lebensjahr kam es zu ersten Alkoholexzessen, kurze Zeit später kamen Drogen hinzu, die sich in ihrer Härte immer mehr steigerten. Auch in einer früheren Beziehung kam es zu massiven Übergriffen. Im Jahr 2014 wurde der 32-Jährige deswegen vom Amtsgericht Wiesbaden wegen gefährlicher Körperverletzung, Freiheitsberaubung, Bedrohung und sexueller Nötigung zu einer dreijährigen Freiheitsstrafe verurteilt und seine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet.

Am Ende dieser Therapie ging der Angeklagte eine Beziehung mit dem späteren Opfer, einer 30-Jährigen, ein. Auch ihr gegenüber kam es immer wieder zu alkoholbedingten Misshandlungen. Mehrere erstattete Anzeigen wurden wieder zurückgezogen - unter dem Druck vom Angeklagten und dessen Mutter, wie die Beweisaufnahme jetzt ergab. Am Tattag war der Angeklagte mit dem Taxi nach Regensburg gereist. Dort stach er mit einem Küchenmesser acht Mal auf sie ein.

Die Rekonstruktion der Tat anhand der Blutspuren und Verletzungen ließen bei der Staatsanwältin keine Zweifel am Tötungsvorsatz aufkommen: "Der Angeklagte hat die Geschädigte regelrecht niedergemetzelt." Anhaltspunkte für einen minderschweren Fall verneinte die sie ebenso wie die Anerkennung einer verminderten Schuldfähigkeit. Die Tat sei zwar mit einer Blutalkoholkonzentration von rund drei Promille geschehen. Der Angeklagte habe aber seine mögliche verminderte Schuldunfähigkeit selbst herbeigeführt, da er aus der Vergangenheit wusste, wie er unter Alkoholeinfluss reagiert.

Der Verteidiger sagt, dass man in erster Linie die Persönlichkeit des Angeklagten und das Tatgeschehen bewerten müsse. Beides spreche nicht für einen Tötungsvorsatz, sondern für eine Affekttat unter Alkoholeinfluss und einer nachgewiesenen Persönlichkeitsstörung. Die Verletzungen des Opfers lassen auf ein dynamisches Geschehen, einen Kampf, schließen. Dabei sei es dann zu einem "unglücklichen Stich", der möglicherweise versehentlich gesetzt wurde, gekommen. Er hielt eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren wegen gefährlicher Körperverletzung für tat- und schuldangemessen. Das Urteil wird am 22. Oktober verkündet.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.