11.07.2019 - 18:17 Uhr
RegensburgOberpfalz

Teile des südlichen Domturmes in Regensburg abgestürzt

Ein Sturm mit Windstärke 9 verursachte vergangene Woche einen Steinbruch am südlichen Domturm in Regensburg: Teile der Bekrönung einer Fiale sind abgestürzt. Der leitende Baudirektor erklärt welche Maßnahmen nun ergriffen werden.

Arbeiter bringen am Südturm des Domes das Schutzgerüst an. Rechts ist die Fiale mit abgenommener Kreuzblume. Bildnachweis: Gewehr
von Externer BeitragProfil

Unterhalb der Turmdächer, in etwa 80 Metern Höhe, hat sich ein Teil der Bekrönung von einer der acht umlaufenden kleinen Türmchen gelöst. Das rund 100 Kilo schwere und ungefähr 50 auf 50 Zentimeter breite und 15 Zentimeter hohe Stück der Kreuzblume wurde von dem vorhandenen Hängegerüst aufgefangen.

Laut dem leitenden Baudirektor, Karl Stock, wären auch dann keine größeren Schäden entstanden, wenn das Hängegerüst nicht angebracht gewesen wäre. „Wir haben bereits 2015 Schutzvorkehrungen getroffen, wie die Sperrung der Südwestecke des Domes, die Holzverschalung und den zweifach gesicherten Fußgängerdurchgang.“

Grund für den Steinbruch

Grund für den Steinbruch war wohl nicht die, seit 2012 bekanntgewordene, Problematik der Rostsprengungen der im Inneren des Steines liegenden, eisernen Verbindungsdübel. „Früher wurden die Steine in der Mitte mit Stahlstiften verbunden. Diese dehnen sich aus, wenn sie rosten“, führt Karl Stock aus.

Die aktuellen Schäden kommen durch die außen angebrachten Verklammerungen der einzelnen Steinteile. Diese stammen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. „Das Problem ist, dass sich die Fiale nach oben hin verjüngt, wodurch der kleinste Stein unter der Kreuzblume das größte Gewicht tragen muss. Die außen angebrachten Klammern weisen keine Schäden auf, doch haben sie so in den Stein eingegriffen, dass er keinen Halt mehr hatte“,erklärt Stock.

Reparaturmaßnahmen

Ein erhöhtes Risiko geht von den übrigen umlaufenden Fialtürmen nicht aus, so die Einschätzung der Experten. Zur Sicherheit wird jedoch zusätzlich ein Schutz- und Arbeitsgerüst unterhalb der Turmdächer nach Westen und Süden hin angebracht. Bis Freitag soll es stehen, dann kommt das Arbeitsgerüst. Zudem werden nach und nach die einzelnen Fialtürme und weiteres Zierrat abgenommen, um die alten Verklammerungen zu überprüfen.

Auch hat man, aufgrund der neu aufgetretenen Schäden, die jährlich stattfindende Routineuntersuchung bereits vorgezogen. Diese wird normalerweise ein bis zweimal im Jahr durchgeführt: jeweils zwischen Sommer und Winter, da zu dieser Zeit die größten Temperaturunterschiede herrschen.

Dabei werden mittels einer Hebebühne die unteren Bereiche der Westfassade und des Südturmes abgefahren, um handnahe Untersuchungen vornehmen zu können. Laut Stock wurde bei der aktuellen Untersuchung bis auf wenige Kleinigkeiten nichts gefunden.

Auf die abschließende Frage hin, wie lange die Reparaturen andauern werden, antwortet er: „Das Problem ist, es gibt keine Risse – der Stein hält oder er hält nicht. Man sieht den Schaden nicht. Daher wird die Reparatur beziehungsweise die gesamte Problematik einige Zeit dauern. Dieses Jahr werden wir sicher nicht fertig – vielleicht Ende des nächsten Jahres.“

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