25.02.2020 - 18:20 Uhr
Reichenau bei WaidhausOberpfalz

Larissa Langer aus Waidhaus wirbt für Deutsche Bahn

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Das Gesicht einer jungen Frau in der Werbung verheißt allzu oft Wunderkräfte einer Hautcreme oder die betörende Wirkung eines Parfüms. Im Fall einer Waidhauserin steckt allerdings viel mehr dahinter.

Ingenieurin werden. Larissa Langer kann das bedenkenlos empfehlen. Wie hier in Berlin steht oder hängt ihre Überzeugung zurzeit an Dutzenden deutschen Bahnhöfen unterschiedlichster Größe.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Larissa Langer ist überall. "Ich hab dich in Deggendorf gesehen", "Du bist ja in Berlin", "Schau mal, wen ich gerade in München entdeckt habe". Whatsapp-Nachrichten dieser Art laufen ständig bei der 31-Jährigen auf. Der Grund: Ihr Porträt hängt mehrere Quadratmeter groß, quer- und hochformatig, auf Plakatwänden an Bahnhöfen und Straßenrändern in der ganzen Republik.

Die Botschaft: Komm zur Deutschen Bahn und werde Ingenieur/in - so wie ich. Dazu trägt Larissa Langer eine orangefarbene Warnweste. Das Ganze unterstreicht ein sympathisches Lächeln unter dem Bauhelm. Großartig in die Maske musste Langer dafür nicht. Stiefel, Helm, Weste - so sieht ihr Berufsalltag aus. Seit 2013 arbeitet sie an den wohl komplexesten Infrastrukturvorhaben der Bahn mit. Die sind unter dem Namen Stuttgart 21 bekannt geworden.

Aufgewachsen in Reichenau

Die Projektingenieurin ist in Aachen geboren, kam aber als Einjährige mit ihren Eltern nach Weiden. Noch bevor sie eingeschult wurde, zog die Familie in den Waidhauser 80-Seelen-Ortsteil Reichenau. Dort wuchs Larissa auf. 2007 machte sie am Kepler-Gymnasium in Weiden Abitur. Es folgte ein Studium der Geologie in Erlangen, auf das sie 2012 an der TU Darmstadt mit dem Master veredelte. Ihr Schwerpunkt damals: Tunnel-Geologie.

Das mündete in eine Initiativbewerbung bei einem Projekt, das beinahe keine Schlagzeile ausgelassen hat: Stuttgart 21 ist nicht gerade das dünnste Brett, das Berufseinsteiger bohren können. "Die Größe, die Dimension, die Komplexität. Ich finde das spannend", schwärmt sie nach wie vor von der Aufgabe. Teil eins hat sie bereits erfolgreich gestemmt. Langer war in einem Team mitverantwortlich für den Bau des 4,8 Kilometer langen Steinbühltunnels zwischen Stuttgart und Ulm - von der ersten Sprengung bis zur Innenausschalung. Zurzeit gehört sie einer zehnköpfigen Mannschaft an, die das wohl markanteste Stück von Stuttgart 21 betreut: den 3,5 Kilometer langen Tunnel vom zukünftigen Tiefbahnhof der Landeshauptstadt bis zum Neckarportal Richtung Bad Cannstatt. "Das ist noch mal eine Schippe drauf wegen des Gesteins, der Bebauung, der innerstädtischen Enge", erklärt sie.

Das Reizvolle daran: "Es gibt in der Geologie das Sprichwort: Vor der Hacke ist es duster. Es heißt, dass man erst beim Abschlag sieht, was auf einen zukommt. Das macht die Herausforderung aus." Die Reichenauerin mag das: „Wenn alles immer nur so laufen würde wie geplant, hätten wir ja nicht so viel zu tun“, lacht sie.

Kollegiale Männer

Ihr Arbeitsplatz ist ein komfortabler Baucontainer in der Nähe des Schachts. In den muss sie ab und an selbst steigen. Nicht gerade ein klassisches Berufsumfeld für Frauen, oder? "Die Frage kommt immer wieder, und erst dann wird mir das bewusst, am Anfang habe ich gar nicht so sehr darauf geachtet." Bei Fachtagungen fiel ihr dann allerdings auf, dass sie oft als einzige Dame in einem Meer grauer Anzugträger schwamm. "Ganz ehrlich: Es gibt nur sehr wenige Frauen auf der Baustelle, aber es war bisher nie unangenehm, sondern immer respektvoll und kollegial." Freilich, der eine oder andere anzügliche Pfiff aus einer Truppe internationaler Eisenflechter ist mal hinter dem Rücken zu hören, aber die Geologin ist souverän genug, das zu ignorieren. Außerdem ändere sich gerade etwas.

Bei der Bahn-Tochterfirma, die die das Projekt Stuttgart-Ulm und den Steinbühltunnel verantwortet, liegt der Frauenanteil mittlerweile bei 33 Prozent. "Er nimmt auf allen Seiten, auch bei Bauleitung oder Bauüberwachung zu."

Damit das so weitergeht, soll Larissas Beispiel Schule machen. Abgesehen davon, dass so ziemlich in allen Branchen Ingenieur- und Fachkräftemangel herrscht, kommt bei der Bahn eine politische Dimension hinzu. Sie soll bis 2030 gigantische 156 Milliarden Euro investieren. Das hat nicht nur mit mehr Komfort und Pünktlichkeit, sondern viel mit dem Klimaprogramm der Bundesregierung zu tun. Dazu braucht es Hunderte Fachleute wie die Reichenauerin.

Breit angelegte Kampagne

Ihr Konterfei ist Teil einer groß angelegten Marketingkampagne unter dem Motto "Mobilität der Zukunft". Larissa Langer ist außer auf Plakatwänden in Online-Testimonials zu sehen und wirbt im Netz für Jobbörsen der Bahn. Eine eigene Serie wird sie mit einer Handvoll Kolleginnen zum Weltfrauentag zeigen.

"Das hat sich so ergeben." Obendrein steht sie fest zu ihrem Arbeitgeber und ihrem Beruf. "Unterirdisches Bauen hat Zukunft, weil oberirdisch die Quadratmeterpreise überall explodieren."

Die Ingenieurin wohnt mit ihrem Partner in einem Stuttgarter Vorort und fühlt sich dort seit sieben Jahren wohl. Die Eltern leben nach wie vor im Landkreis Neustadt. Ab und an schaut sie bei ihnen vorbei, aber der Lebensmittelpunkt ist mittlerweile Schwaben. In der Freizeit ist sie gern unterwegs beim Wandern, Reisen, Radfahren. Mobilität scheint ihr auf den Leib geschneidert zu sein. Unerkannt ist sie dabei aber immer seltener.

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