18.02.2020 - 13:20 Uhr
Reuth bei ErbendorfOberpfalz

Landwirtschaft und Gleichstromtrasse

Politischer Frühschoppen mit Landtagsabgeordnetem Tobias Reiß beim "Rechersimer"

Landtagsabgeordneter Tobias Reiß stellte sich beim politischen Frühschoppen den aktuell brennenden Fragen, besonders der Ärger der Landwirte sei auch für ihn von vordringlicher Bedeutung.
von Autor ANGProfil

Der zunehmend schwelende Unmut der Landwirte über "ständige Miesmache" und die Informationspolitik zum Verlauf der geplanten Gleichstromtrasse waren beherrschende Themen in der Rechersimer-Zoiglstube. CSU-Ortsvorsitzender Marcus Bihler streifte einige Projekte aus jüngster Vergangenheit, die die Gemeinde Reuth noch attraktiver und lebenswerter machen.

Vermitteln und glätten

Ebenso wie die Fraktionen im Gemeinderat vor Ort gut zu funktionieren scheinen, versuche er als parlamentarischer CSU-Geschäftsführer in München zu vermitteln und zu glätten, wo es Probleme und Zündstoff gibt, eröffnete Tobias Reiß die Diskussionsrunde. "Landwirte sollen nicht zur Aufgabe gezwungen werden, sondern ihren Hof intakt und gesund weitervererben können", bekräftigte Reiß.

Dass den Landwirten, die in der Regel hervorragend ausgebildete Praktiker seien, beim Thema Trinkwasser und überhöhte Nitratbelastung der schwarze Peter zugesteckt werde, wollte Josef Selch nicht akzeptieren. Vielmehr sehe er bei der Veralterung der meisten Kanalnetze und auch Kläranlagen die Verantwortung bei den Kommunen, die aber auch in der Vergangenheit bei der finanziellen Herausforderung von rechtzeitigen Sanierungsmaßnahmen von der Politik im Stich gelassen wurden. Stefan Adam hakte ein, dass die von der EU herausgegebenen Verordnungen nicht greifen können, dies zeige schon die Zahl der Messstellen und der darin gemessenen Richtwerte. Die ständigen Schuldzuweisungen drückten der Landwirtschaft einen bedrohlichen Stempel auf, "als Landwirt wird einem schon ein beklemmendes Gefühl vermittelt, wenn man mit einem Güllefass durch den Ort oder die Gemeinde fährt", so Adam.

Dabei zeigen über einen längeren Zeitraum gesammelte Zahlen und Fakten, dass 80 Prozent der Kläranlagen den austretenden Stickstoff einfach in die Luft blasen, 94 Prozent der Nitrateinträge aber den Landwirten angelastet werden. Hierzu erklärte Reiß, dass man neuerdings in Bezug auf Verordnungen aus Brüssel wieder mehr auf die Interessenvertreter wie den Bauernverband zugehe, die Regelung der Nitratwerte aber Ländersache sei.

Kompetent und sauber

Zum viel strapazierten Thema Insektensterben meinte er, dass man sich derzeit eher im Kreis drehe, in den nächsten Wochen sei eine kompetente und saubere Diskussionsrunde geplant, die die Beweggründe für den herrschenden Unmut, vor allem unter den Landwirten, auf allen Ebenen nachvollziehbar feststellen soll. Als Landwirte und Waldbesitzer konfrontierten Albert Schrembs und Josef Käß den Abgeordneten damit, dass sie bei den Großprojekten "Gleichstromtrasse und Ostbayernring" die Einflüsse der CSU vermissten.

Durch die getrennte Trassenführung würden Wälder brutal zerschnitten und tausende Hektar Wald vernichtet. Dieser in der Geschichte der Oberpfalz einmalige Eingriff in die Natur hätte sich ihrer Meinung nach durch Suche nach gemeinsamen Lösungen zumindest reduzieren lassen. Dazu erklärte Reiß mit Nachdruck, dass er nach wie vor eine Erdverkabelung entlang der Autobahn fordere und er die mangelhafte Informationspolitik des Betreibers Tennet verurteile.

Andererseits verwies er auf die Wichtigkeit einer gesicherten Stromversorgung, um die Wettbewerbsfähigkeit ansässiger Unternehmen zu sichern, aber die Aussage von Tennet, dass das Verfahren bereits zu weit fortgeschritten sei und sich deshalb an der Trassenführung kaum mehr etwas ändern werde, kann er nicht nachvollziehen.

Abschließend der hochinteressanten Diskussionsrunde setzten die Stammtischler einen deutlichen Seitenhieb gegen die Grünen, welche nach ihrer Meinung Einzelprojekte langanhaltend beweint, aber bei der Gesamtheit der Problematik wenig Taten erkennen lässt.

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