Ein für die Dorfgemeinde ungewöhnliches Ereignis: Die Glocke der Marienkapelle läutete am Samstag die Trauung von Sandra und Michael Graser ein. Das Paar wollte in dem Ort Hochzeit feiern, den sie sich als künftigen Lebensmittelpunkt auserwählt haben.
In der Mittagszeit zogen Brautpaar, Eltern und Familienangehörige, angeführt von der Musik „WinTaStad“, zu den Klängen des Böhmerwaldliedes auf den Platz vor der Kapelle ein. Ein erwartungsfrohes Publikum harrte dem kommenden Zeremoniell und erhob sich von den Plätzen. Im Wechsel wandten sich Manfred und Hannelore Grasser sowie Hans und Anneliese Vordermayer an ihre Kinder und erteilten den Elternsegen.
Seltsame Wege
„Die Trauung soll euch durch alle Unwägbarkeiten der Zeit führen“, gab Pfarrer Edmund Prechtl dem Paar mit auf den Weg. Er beschrieb einfühlsam gegenseitige Liebe und Achtung und zeigte sich überzeugt, dass jeder bereits eine Lebensspur hinterlassen habe. Der Geistliche erachtete es als wichtig, zu wissen, woher man komme und bezog in seine Betrachtungen auch die Spuren von Eltern und Großeltern ein. Unter Hinweis auf einen ehemaligen Schüleraustausch, bei dem sich das Paar kennen gelernt hat, sprach er von seltsamen Wegen. Er rief dazu auf, an der heutigen Wegestation bewusst inne zu halten und sich auch weiterzuentwickeln. Den Gottesdienst begleitete „WinTaStad“ – und unerwartet die Sirenen des Ortes.
Der Rückweg zur geschmückten Wiese neben dem Festzelt mit Sektstation, vorbei am langen Spalier von Kolleginnen der Braut und Mitarbeiterinnen des Steuerbüros Graser und Bösl und angeführt glich einem Triumphzug. Das Ziel der nicht enden wollenden Prozession von Gratulanten war eine schmucke Pforte, an der das Paar viele persönliche Wünsche erhielt und freundschaftliche Umarmungen genoss. Kommentarreich wandten sich Toni Schwemmer und Hans Schmid an die ehemaligen Gymnasiasten. Anlass waren die bereits von Pfarrer Prechtl erwähnten „seltsamen Wege“.
Langandauernde Beziehungen
Etwas weit ausgeholt darf Schwemmer als Initiator der Beziehung zwischen Sandra und Michael bezeichnet werden, die vor 17 Jahren, 4 Monaten und 21 Tagen begonnen hatte. Als Sprecher des Schülerforums „Spectrum“ am Gymnasium Eschenbach hatte er im August 1969 eine Schülerbegegnung mit dem Gymnasium Jura Hronka der slowakischen Donaumetropole Preßburg (Bratislava) initiiert, die nach dem Prager Frühling auf Eis gelegt werden musste. Nach dem Fall des Kommunismus leitete er, inzwischen Lehrer an seinem Gymnasium, im Juni 1990 mit ehemaligen Mitschülern durch einen Besuch in Preßburg eine neue Ära der binationalen Schülerbegegnungen ein. An einer dieser seither regelmäßigen Begegnungen nahm auch Michael Graser teil.
Als örtlicher Leiter des Schüleraustauschs war in den Jahren 1999 und 2000 Christian Kegel in das jeweilige Programm eingebunden. Nach seinem Wechsel an das Chiemgaugymnasium Traunstein übernahm er das Eschenbacher Modell an seiner Schule und begann Schülerbegegnungen mit einem anderen Preßburger Gymnasium.
Antrag vor dem Nationaltheater
Als die Gymnasien Eschenbach und Traunstein gleichzeitig in Preßburg weilten, sahen sich Sandra Vordermayer und Michal Graser zum ersten Mal zufällig vor dem Nationaltheater. Preßburg hat seitdem in ihrem Leben einen besonderen Stellenwert. Denn am Ort des Kennenlernens, vor dem Nationaltheater, hat Michael seiner Sandra Jahre später den Heiratsantrag gemacht. Hans Schmid hatte nach dem Wechsel von Kegel für mehrere Jahre am Gymnasium Eschenbach die Organisation des Schüleraustauschs übernommen. Folgen des Schüleraustauschs Eschenbach-Preßburg sind bereits zwei deutsch-slowakische Hochzeiten.
Die standesamtliche Trauung des Paares fand bereits im Dezember 2021 in Schönau am Königsee statt. Michael verstärkt als Steuerberater die Steuerkanzlei Bösl & Graser in Eschenbach, Sandra wirkt als Konrektorin an der Rehbühlschule Weiden.













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