06.09.2020 - 11:44 Uhr
Riglasreuth bei NeusorgOberpfalz

Schloss Riglasreuth: Auf Rückbau folgt Ausbau

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Vom Abrisskandidaten zum denkmalpflegerischen Vorzeigeobjekt entwickelt sich das Schloss Riglasreuth. Schon von außen ist dies an den neuen Farben der Fassade erkennbar.

Als imposantes Gebäude präsentiert sich heute das Schloss Riglasreuth. Den Bausünden aus der Zeit als Königlich Bayerisches Forstamt ist Außen nichts mehr anzusehen.
von Autor ÖTProfil

Viel Herzblut und Leidenschaft investiert der Schlossherr, Architekt und Diplomingenieur Gerald Braun, in die Sanierung des Schlosses Riglasreuth. 2007 nach seiner Rückkehr aus der Schweiz ersteigerte er das Anwesen. Mittlerweile, so betont er, zeigte sich, dass es sich dabei aufgrund gravierender Probleme mit der Gebäudesubstanz um kein Schnäppchen handelte. Brauns Ziel ist, das Gebäude wieder in der Raumstruktur und dem Erscheinungsbild des Erbauungsjahrs 1848 erstrahlen zu lassen.

Befall mit Hausschwamm

Bei den Arbeiten wird er tatkräftig von seiner Familie, insbesondere von seinem Vater Karl, unterstützt. "Es ist eine herausfordernde Aufgabe, die Maßnahme mit einem Bauvolumen in Millionenhöhe zu stemmen", sagt Gerald Braun. Möglich ist dies für ihn nur dadurch, weil er die Arbeiten in nahezu 100 Prozent Eigenleistung erbringt.

Der Schlossherr erklärt, dass die damaligen Baumeister wegen des in nur 1,20 Meter Tiefe vorkommenden Grundwassers auf dem Schwemmland der Fichtelnaab eine simple, aber effektive Bauweise mit Kriechkellern verwendeten, um aufsteigende Feuchtigkeit abzuleiten. "Diese Keller wurden jedoch in der Vergangenheit verfüllt", weiß er. Ebenso waren die Kalkputze, die für eine Durchlüftung des Mauerwerks sorgten, gegen damals moderne Zementputze und Dispersionsfarben ausgetauscht worden. Es bildete sich Hausschwamm.

Im ganzen Gebäude werden kein Plastik, Styropor oder Ähnliches für historische Oberflächen und Bauteile verwendet.

Schlossherr Gerald Braun

"Die ersten sechs Jahre der Arbeiten am Riglasreuther Schloss waren von Rückbau und Sanierung geprägt", erzählt Gerald Braun. So versahen der Schlossbesitzer und sein Vater Karl alle Gebäudeteile oberhalb der Grundwasserlinie mit einer Ringdränage und sanierten die bis zu 1,5 Meter dicken Fundamentwände. Alleine das Freilegen und Wiederherstellen der Kriechkeller zum Ablüften der aufsteigenden Bodenfeuchtigkeit nahm fast zwei Jahre in Anspruch. Rund 450 Kubikmeter Schutt und Erdreich wurden mit Eimern aus dem Untergrund befördert.

Ebenso verlegte Braun eine neue Wasserleitung und einen Abwasserkanal. Wieder aufgebaut wurden zwei "deutsche Kamine" in Firstmitte mit einer Gesamthöhe von jeweils 21 Metern. "Auch der Dachstuhl war belastet", erklärt der Besitzer gegenüber Oberpfalz-Medien. Dieser wurde von den Vorbesitzern 1964 mit Chemikalien wie Lindan und PCB gegen Schädlingsbefall behandelt.

Aus rund 50 Kubikmetern Holz bauten Gerald Braun und seine Familie den Dachstuhl neu auf. Dazu nagelten sie 2,5 Kilometer Dachlatten auf, errichteten ferner zehn sogenannte Fledermausgauben und deckten das Walmdach mit Biberschwanzziegeln.

Vollflächige Wandheizung

Ein einziges erhaltenes historisches Fenster aus dem Jahr 1848 bildete die Vorlage für die rund 40 neuen Kreuzstockfenster aus Kiefernholz. Eine besondere Herausforderung sah Architekt Gerald Braun darin, die historischen Fenster mit dem Denkmalschutz und dem Wärmeschutz in Einklang zu bringen. Großen Aufwand betrieb er auch beim viermaligen Streichen der insgesamt 160 Fensterflügel mit Leinöl. Im Gebäudeinnern schlug das Vater-Sohn-Team den alten Zementputz aus den 1960er Jahren ab. Beheizt wird das Schloss nun über eine vollflächige Wandheizung. Versorgt wird diese von einer Hackschnitzelheizung mit Feinstaubfilter. Für die Heizung wurde eigens ein neues Gebäude nach altem Vorbild errichtet. Die Gebäudekühlung im Sommer erfolgt durch aus dem Kriechkeller angesaugte kalte Luft. Dafür und für die Heizung verlegten beide rund drei Kilometer Heizschläuche im Gebäude.

Die ersten sechs Jahre der Arbeiten am Riglasreuther Schloss waren von Rückbau und Sanierung geprägt.

Schlossherr Gerald Braun

Aktuell steht der Innenausbau an. Das moderne Netzwerk soll unter dem historischen Raumkleid mit Stuckdecken und Holzdielenböden verschwinden. Die Elektroinstallation ist bereits zu 70 Prozent erledigt und soll im Herbst fertiggestellt werden. In den Räumen wurde ein neuer baubiologisch und bauphysikalisch geeigneter Kalkputz nach "überliefertem Rezept" aufgebracht. "Dieser erzeugt ein einmaliges Raumklima", betont der Schlossherr.

Indirekte Beleuchtung

Für den Innen- und den Außenputz verwenden Gerald Braun und sein Vater einen bereits vor sechs Jahren selbst abgelöschten Sumpfkalk. Gelagert wurde dieser in einer unterirdischen Grube. Hinter den verputzten Wänden ist eine Wandheizung verbaut. Diese befindet sich bereits seit Januar 2019 in Betrieb. Bewusst unverputzt ließ der Bauherr Flächen mit Bruchsteinmauerwerk. Dort werden Lampen montiert, die diese indirekt beleuchten.

Für die Mitte der Zimmerdecken hat Braun eigens gefertigte Rosetten beschafft. An diesen Zierelementen werden Deckenleuchten wie Kronleuchter abgehängt. Großen Wert legte der Schlossherr auf die Feststellung, dass der Deckenstuck ebenfalls erneuert und nach alten Handwerkstechniken vor Ort aus Gips mit Schablonen auf Ziehschlitten gefertigt wird. "Im ganzen Gebäude werden kein Plastik, Styropor oder ähnliches für historische Oberflächen und Bauteile verwendet", betont Braun.

Parallel zur Dorferneuerung

Die Farbenwahl für die Fassade des den Ort prägenden Bauwerks erfolgte wie auch bei der Mehrzahl der Arbeiten in Absprache mit dem Landesamt für Denkmalpflege und der unteren Denkmalschutzbehörde in der Kreisstadt Tirschenreuth. Ihren Abschluss soll die Sanierung des Schlosses mit der Außenanlage nach historischem Vorbild im Zusammenhang mit der Dorferneuerung von Riglasreuth finden.

Als Bezugstermin für das Hauptgebäude des Schlosses fasst Gerald Braun Ende 2021 ins Auge. Dann will er dort seine Privatwohnung einrichten. Bereits im Herbst des gleichen Jahres soll die Sanierung des Nebengebäudes mit Rittersaal starten. Gelegenheit zu einem Blick hinter die sonst verschlossenen Türen will der Besitzer - wie auch schon in den vergangen Jahren - Nachbarn und Interessierten bei einem Tag der offenen Tür während der weiteren Baufortschritte bieten.

Auch der "Schafferhof" in Konnersreuth wird derzeit saniert

Konnersreuth
Blich in die Geschichte:

Entstehung wahrscheinlich schon 1061

Urkundlich erstmals erwähnt wurde ein befestigter Ansitz in Riglasreuth 1284, informiert der aktuelle Schlossbesitzer Gerald Braun zur Historie. Die Entstehung wird jedoch bereits im Jahr 1061 vermutet, als der Reichsmagistrale Otnant von Eschenau von Kaiser Heinrich IV. das Gebiet des südlichen Fichtelgebirges erhielt. Dessen Südgrenze bildete der Zusammenfluss von Fichtelnaab und Hardbach. Ein weiterer Grund für die Entstehung der Siedlung Riglasreuth dürfte die wichtige Handelsroute von Nürnberg nach Eger gewesen sein. Die Reichsgrafen von Nürnberg vergaben dort ein Brückenrecht über die Fichtelnaab.

Die Hausgeschichte des ehemaligen Rittergutes zu Riglasreuth, das einstmals von einem schützenden Wassergraben umgeben war, kann ab dem Jahr 1284 lückenlos zurückverfolgt werden. Im Jahr 1848 brannten der Ort Riglasreuth und auch das Schloss bei einer Feuersbrunst ab. Der damalige Besitzer Ritter Carl von Haubner ließ das Schloss auf den Grundmauern im klassizistischen Stil wieder aufbauen. Nach dem Tod seiner Gemahlin und seiner einzigen Tochter verkaufte dieser das Schloss 1865 mit rund 700 Hektar Waldbesitz an den Bayerischen König.

Ein Jahr später wurde das Gebäude als Königlich-bayerisches Forstamt genutzt. Das Original der Verkaufsurkunde liegt Gerald Braun vor. Er will es übersetzen lassen und es ans Staatsarchiv in Amberg zur Aufbewahrung weiterleiten. Seit dem Verkauf des Schlosses Riglasreuth an Bayern wurden zahlreiche Umbauten an dem alten Gemäuer vorgenommen – leider nicht immer zum Vorteil der historischen Substanz.

Im Blickpunkt:

Material aus der Region

Auf heimische Materialien setzt bei der Sanierung des Schlosses Riglasreuth Hausherr und Architekt Gerald Braun. Wie er gegenüber Oberpfalz-Medien betont, brachte ihn der chemisch verseuchte Dachstuhl schon früh zu der Erkenntnis, das historische Gemäuer vor allem nach ökologischen Grundsätzen zu sanieren.

Durch die Verwendung von nahezu allen Baustoffen aus der näheren Umgebung blieb auch die Wertschöpfungskette in der Region. Braun verband Denkmalpflege mit regionaler Wirtschaftsförderung – insbesondere für das örtliche Handwerk. Als bedauerlich bezeichnet der Schlossbesitzer, dass nur noch wenige Firmen in alten und bewährten Handwerkstechniken bewandert sind.

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