Ein Gasthof, Bauernhöfe umgeben von Feldern und Wald, die Kössein schlängelt sich vorbei. Rodenzenreuth bei Waldershof liegt idyllisch im Fichtelgebirge. Eine heile Welt – scheinbar. „Schon mit dreizehn mischt man Tabak und Haschisch in Blättchen“, rappt Frank Pirner. Er ist in Rodenzenreuth aufgewachsen und hat einen schonungslosen Blick auf seine Heimat, die er trotzdem liebt.
In seinem Song „Ich komm heim“ geht Pirner, alias "DER400", alles andere als zimperlich mit seiner Heimat, dem Fichtelgebirge, um: „Ich bleib ein Junge aus den Fichtelhills, wo die Menschen ohne Aussicht nach Tschechien geh’n und das schnelle Glück suchen, Geld, Sex und C . (Crystal Meth. Anmerkung der Redaktion).“ Der 32-Jährige spielt mit den typischen Vorurteilen gegenüber der nördlichen Oberpfalz – der Grenzregion zu Tschechien: „Wenn der Mond aufgeht, wird das Gift geteilt.“
„Das sind keine Klischees. Die Probleme sind echt“, sagt Pirner im Interview. „Das hat jeder von uns wirklich erlebt.“ Er ist vor gut zehn Jahren daheim ausgezogen: Lehramtsstudium in Würzburg, Referendariat an verschiedenen Orten, Job an einer Oberpfälzer Schule. Die Zeit in Würzburg „war gut, um sich die Hörner abzustoßen“, blickt er schmunzelnd zurück. Jetzt verspricht er im Song: „Mama, ich komm heim.“ Und das ist nicht nur eine leere Floskel. „Ich habe tatsächlich das Ziel, wieder zurückzuziehen.“ Seine Heimat gibt ihm Sicherheit. „Jeder weiß, wer du bist. Du musst dich nicht erklären. Das gibt einem ein sicheres Gefühl“, sagt er. „Wenn die Sonne dann das Graue durchbricht, was auch nicht selten die Ausnahme ist, wünsche ich mir nirgendwo anders zu sein“, rappt er.
Momentan ist Pirner fast jedes zweite Wochenende in Rodenzenreuth, spielt dort im Fußballverein, besucht Familie und Freunde. Denn: „Doch abgesehen von den Pennern, gibt’s auch diese Menschen, die dir Liebe schenken und für ihre Ziele kämpfen.“ Auch der Probenraum von "DER400" ist bei Pirners Eltern im Haus. Wo der Name herkommt, will der Musiker allerdings nicht verraten: „Auflösung gibt es da keine ... zumindest noch nicht! Manchmal lasse ich mir extra wilde Geschichten um den Namen einfallen.“ Er hat "DER400" vor vier Jahren gegründet, ist der Kopf des Projekts. Durch das Rätsel um den Name lasse sich das Projekt nicht sofort einordnen, erklärt er. „Den Freiraum, der so entsteht, nehme ich mir und nutze ihn zum Beispiel für interessante Kooperationen mit anderen Künstlern und Musikern.“ Die Menschen hinter "DER400" wechseln, das Konzept bleibt gleich: „Wir machen alles in Eigenregie ohne Plattenfirma, Musik, Artwork, Videos.“
Trotzdem ist die Musik für Frank Pirner momentan nur ein Hobby. Es ist zwar sein Wunsch, sich weiter zu steigern, um "DER400" auf eine professionellere Ebene zu bringen. Aber: „Die Zeit.“ Pirner ist Lehrer, nach dem Unterricht mit Korrigieren und Vorbereiten beschäftigt „und Freunde hab ich ja auch noch“.
Einen Konflikt zwischen seiner Musik und seinem Beruf sieht Pirner übrigens nicht. „Spätestens nach einem halben Jahr haben Schüler rausgefunden, dass ich Musik mache“, erzählt er. „Ich würde nie auf die Idee kommen, das selbst anzusprechen. Das finde ich peinlich.“ Haben die Schüler entdeckt, dass Pirner hinter "DER400" steckt, thematisiert er das im Unterricht. „Aber wirklich nur kurz, die Hälfte der Schüler interessiert sich eh nicht dafür. Mit allen anderen spreche ich gern nach dem Unterricht.“ Auch viele Kollegen finden gut, was Pirner macht. Und wenn es nicht so ist: „Ich lege wenig Wert darauf, was andere von mir denken. Am Ende des Tages muss ich glücklich sein.“ Oder, um es mit den Worten von "DER400" zu sagen: „Mir egal mit welchen Vögeln jetzt du F... chillst. Ich bleib ein Junge aus den Fichtelhills.“
DER400
Frank Pirner hat das Musikprojekt „DER400“ im Jahr 2014 gegründet. Unter diesem Namen ist er auf Youtube, Instagram oder Facebook zu finden. Seine Songs bietet "DER400" auf den gängigen Plattformen an – Youtube, Spotify, Google Play oder Amazon.













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