20.09.2019 - 11:42 Uhr
Rothenhof bei KulmainOberpfalz

Pro Baum 20 000 Borkenkäfer

Dem Borkenkäfer aufzuhalten, ist das derzeit oberste Ziel. Über das Wie erhielten Waldbesitzer bei Rothenhof von Forstexperten Informationen.

von Arnold KochProfil

Die Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Kemnath und der Bereich Forsten Kemnath des Amtes für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten hatten Waldbesitzer zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Schwerpunkt war die Bekämpfung des Borkenkäfers im Wald sowie das Auffinden von befallenen Bäumen. Mit rund 30 Interessierten fuhren Borkenkäferbeauftragter Martin Kraus, Revierleiter und Förster Heribert Bradtka sowie der FBG-Geschäftsführer Walter Ehlich zur Zinster Kuppe nahe dem früheren Steinbruch bei Rothenhof.

Dort ist im Fichtenwaldbestand einer der vielen Brennpunkte der Käferplage. "So sieht's aus, wenn der Borkenkäfer bereits sein Werk vollendet hat", erklärte Kraus anhand eines von zahllosen Käfergängen durchzogenen Rindenstückes einer Fichte. Die Bäume werden im unteren Bereich meist vom Buchdrucker und im Kronenbereich vom Kupferstecher befallen. "Der Borkenkäfer braucht eine Temperatur von mindestens 16 Grad aufwärts und fliegt ab Anfang April bis Ende September je nach Witterung. Pro Baumeinbohrung legt ein Weibchen rund 60 Eier und kann bis zu 100 000 Nachkommen erzeugen", wusste Kraus.

Es wird davon ausgegangen, dass ein befallener Baum rund 20 000 Borkenkäfer beherbergt, die weitere Geholze befallen. Bei günstiger Witterung und ohne Gegenmaßnahmen entstehen aus einer Baumpopulation pro Saison Hundertausende von Schädlingen, die Waldflächen größeren Ausmaßes befallen und hauptsächlich den Fichten- und Föhrenbestand vernichten. Pro Population braucht der Schädling nur sechs Wochen bis zum nächsten Flug.

"Unsere Bitte: Kontrollieren sie ihren Bestand regelmäßig alle zwei Wochen. Wenn Sie Käferbäume finden, sofort raus mit dem befallenen Holz und mindestens 500 Meter weg vom nächsten Waldrand", forderte der Borkenkäferbeauftragte. Für die rasche Aufarbeitung und den Abtransport mit besagtem Mindestabstand gebe es vom Freistaat 10 Euro/Festmeter für Stamm- und 12 Euro/Festmeter für Restholz mit einer Mindestmenge von 20 Festmetern.

Kritik an Förderung

An der Förderrichtlinie gab's massive Kritik, da im hiesigen waldreichen Gebiet kaum Lagermöglichkeiten zu finden sind. Zudem muss das Holz 14 Tage lang dort lagern und kann erst dann abgefahren werden. Die Förderung zielt nur auf den Arbeitsmehraufwand und nicht auf den gesunkenen Festmeterpreis. Johannes Bradtka ergänzte, dass jeder Waldeigentümer nach einer 2018 erlassenen Verordnung verpflichtet sei, seinen Wald auf Käferbefall zu kontrollieren und diese Bäume sofort aufzuarbeiten, um eine Ausbreitung zu verhindern. Vom 1. April bis 30. September schreibe die Verordnung die nach Expertenmeinung nicht ausreichende monatliche Waldkontrolle für jeden Besitzer vor.

Ersatzvornahmen durch das Amt seien möglich und werden durch den massiven Käferbefall wahrscheinlicher. Ehlich meinte, dass hier die Politiker und örtlichen Landtagsabgeordneten zur Änderung der unsinnigen Förderrichtlinien aufgefordert werden müssten. Zusätzliche Transporte und Lagerungen (500-Meter-Regelung) seien CO2-schädlich und unnütz.

Die Waldbesitzer sprachen den großen Arbeitsaufwand, mangelnde Arbeitskräfte und Maschinen an. Zudem sei die Bearbeitungszeit beim zuständigen Landratsamt für behördliches Handeln unverhältnismäßig lang und nicht akzeptabel. Bradtka erklärte, dass der kommende Winter ausreichend Zeit vorhalte, den Käferbestand aufzuarbeiten. Amtliches Verständnis für Versäumnisse nach dieser Zeit gebe es dann nicht mehr. Zwangsgelder lägen im mittleren dreistelligen Bereich. Die Waldler seien auch aufgefordert, den Nachbarbestand zu beobachten und Befall besonders von fernab wohnenden Besitzern zu melden.

Abfallende Rinde

Beim anschließenden Rundgang erläuterten die Forstleute die Entwicklungsstadien und Befallsmerkmale. Sie beginnen mit dunklem Bohrmehl und Harztropfen am Stamm sowie Braunfärbung der Krone. Abfallende Rinde ist das letzte Stadium des abgestorbenen Baumes. Mit dem Entrindungsmesser zeigte Kraus den Befall anhand vorgefundener Larven. Sie unterbrechen den Nährstoff- und Flüssigkeitstransport des Baumes direkt unter der Rinde.

Er urteilte, dass fast der gesamte Fichtenbestand in diesem Bereich befallen sei. Der Borkenkäfer überwintere in der Rinde und wandere auch in den Boden. Somit sei die sofortige Aufarbeitung unbedingt geboten. Bradtka ergänzte, dass der Waldumbau auch aufgrund des Klimawandels dringend geboten sei.

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