Südwestlich des Weidener Stadtteils Rothenstadt, hinter einem Friedhof und einer Gärtnerei, steht eine Industrieanlage am Waldrand. An sich ist das nichts groß Erwähnenswertes. Wenn es nicht eine besondere Anlage wäre – besonders interessant vor allem in diesen Zeiten. Es ist eine Verdichterstation und eine Kreuzung für die Megal, die Mitteleuropäische Gasleitung. Ein wichtiger Standort für die Gasversorgung in Deutschland und Europa.
Mit Waidhaus gibt es noch eine weitere bedeutende Station in der Nordoberpfalz. Beide Standorte werden von dem Essener Fernleitungsnetzbetreiber Open Grid Europe (OGE) betrieben. Angesichts des russischen Angriffskrieges in der Ukraine und der daraus resultierenden Debatte um einen Importstopp von russischem Erdgas nach Deutschland stellen sich einige Fragen: Welche Funktion haben eigentlich die Megal-Stationen in Rothenstadt und Waidhaus? Welche Auswirkungen hat der Krieg auf die Gasversorgung in Deutschland? Und fließt jetzt noch russisches Gas durch die Oberpfalz?
Diese Fragen kann Andreas Lehmann beantworten. Er ist Pressesprecher der OGE – und muss erst mal ausholen. Die Megal ist Teil des europäischen Ferngasverbundsystems in Süddeutschland. Es gibt zwei Leitungen. Die Megal Nord fließt von Tschechien quer durch den Süden Deutschlands nach Frankreich. Die Megal Süd geht von Rothenstadt nach Österreich. Der Weidener Stadtteil verbindet beide Leitungen.
Trotz Krieg wieder mehr Gas aus Russland
"Die Megal ist deshalb so wichtig, weil sie ein Kooperationsunternehmen ist", erklärt Pressesprecher Lehmann. OGE und GRTgaz aus Frankreich arbeiten da zusammen. "Es ist viel Gas, das wir transportieren." Klar, ein Teil komme auch regional vor Ort an, in Bayern und der Oberpfalz. Aber ein Großteil werde auch weitergeleitet, nach Frankreich. "Die Megal ist eine wichtige europäische Versorgungsleitung."
Die Leitung werde vor allem über russisches Erdgas eingespeist, sagt Lehmann. "Alles, was aus dem Osten kommt, ist russisches Erdgas." Was in Waidhaus in der Megal ankommt, könne Gas aus der Nord-Stream-1-Pipeline sein. Teilweise komme es aber auch über Leitungen, die direkt durch die Ukraine führen. Auch während des Krieges. Der ukrainische Gastransportnetzbetreiber GTSOU hatte in der ersten Woche des Angriffs Russlands auf die Ukraine Höchstwerte bei den transportierten Mengen von russischem Erdgas gemeldet. Russland ist die deutsche Hauptimportquelle für Erdgas.
"Im Moment sieht es so aus, dass der Gasfluss zuverlässig läuft", sagt Lehmann. "Es fließt, als gäbe es keinen Krieg." Das Gasnetz sei flexibel, die Ströme immer wieder anders. "Zwischendurch kam viel aus Westeuropa", erklärt der OGE-Pressesprecher. LNG, verflüssigtes Erdgas. "Jetzt ist es wieder mehr aus Russland." Es gebe kein Problem, die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.
Wie viel Geld dadurch aktuell in Wladimir Putins Kriegskasse fließt, kann Lehmann nicht sagen. Das hänge auch davon ab, wie viele Langfristverträge es gibt. Die Preise schwankten zuletzt extrem, seien im Moment allerdings relativ hoch. Jeden Tag fließen so wohl mehrere hundert Millionen Euro nach Russland.
Oberpfälzer Stationen wichtig
Wie viel Gas durch die Megal in der Oberpfalz fließt, sei schwer zu messen, sagt Lehmann. Das Netz sei flexibel, es schwanke. Für seine Kollegen vor Ort – in Bayern hat OGE rund 80 Mitarbeiter – sei vor allem wichtig, wie stark der aktuelle Gasstrom ist. Wie er verdichtet werden muss, wie die einzelnen Kunden beliefert werden. Damit jeder genau dann das bekommt, was er für wann bestellt hat.
Wenn das Gas in Deutschland ankommt, müsse es alle 150 Kilometer verdichtet werden, erklärt Lehmann. "Die Moleküle reiben aneinander und an der Rohrinnenwand. Dann würde der Gasfluss irgendwann mal stillstehen. Dann würde kein Gas mehr fließen." Deshalb müsse man es verdichten, den Druck aufrechterhalten. Das geschehe unter anderem in Waidhaus und Rothenstadt. Waidhaus ist zudem ein Eintrittspunkt, in der Fachsprache "Entry" genannt. "Dort betritt das russische Gas sozusagen deutsches Hoheitsgebiet." Rothenstadt sei deshalb wichtig, weil es eben auch eine Kreuzung ist. Von dort werde das Gas auch in den Süden Richtung Österreich transportiert.
Wie geht es weiter, wenn der Krieg länger dauert, wenn die Lage weiter eskaliert? "Das können wir nicht sagen", erklärt Lehmann. Als einzelner Fernleitungsnetzbetreiber sei man nur begrenzt handlungsfähig. Man sorge dafür, dass der Gastransport aufrechterhalten werde, dass das Gas von A nach B komme. Alles andere liegt in den Händen anderer. Der Westen diskutiert seit Tagen einen Importstopp von russischem Öl und Gas. Und am Montagabend drohte Wladimir Putin erstmals selbst mit einem Gas-Lieferstopp.


















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