Pfarrer Hans-Peter Pauckstadt-Künkler im Interview: Mit Volldampf in den Ruhestand

Pfarrer Hans-Peter Pauckstadt-Künkler feiert seinen Abschied in den Ruhestand. 21 Jahre lang hat er die evangelischen Kirchengemeinden in der Pfarrei Rothenstadt betreut. Ein so engagierter Mensch wie er wird sich jedoch nicht nur ausruhen.

Pfarrer Hans-Peter Pauckstadt-Künkler (63) in seinem Element. Der Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Rothenstadt spielt seit vielen Jahren Schlagzeug, in der Band "Church Pistols" und seiner eigenen Kirchenband zusammen mit Jugendlichen. Am Sonntag, 28. Juli, wird er in den Ruhestand verabschiedet.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

„Wir sind dann mal weg...“, schreibt der Pfarrer im Gemeindegruß für Etzenricht, Rothenstadt und Wernberg-Köblitz, die „drei Gemeinden, die ich lieb gewonnen habe“. Es sei kein leichter Abschied, aber es sei „gut zu gehen, wenn man auch noch bleiben könnte“.

ONETZ: Wie fühlt es sich für Sie an, in den Ruhestand zu gehen?

Hans-Peter Pauckstadt-Künkler: Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Mit einem lachenden Auge deshalb: Wenn man immer mit Volldampf gearbeitet hat, freut man sich, wenn man mit Volldampf in den Ruhestand gehen kann. Mit einem weinenden Auge, weil es ein großer Schritt ist, wenn man beruflich und privat viele Wurzeln und Freunde gewonnen hat und in der Gemeinde zu Hause war.

ONETZ: Sie ziehen mit Ihrer Familie gerade aus dem Pfarrhaus aus, überall stehen Umzugskartons, die Regale leeren sich. Wo geht’s jetzt hin?

Hans-Peter Pauckstadt-Künkler: Am 5. August kommen die Möbelpacker. Wir ziehen in ein Haus in Störnstein. Das ist nicht so weit weg, so dass sicher viele Kontakte erhalten bleiben. Ich bin seit 1998 Pfarrer in Rothenstadt und habe hier mit meiner Frau und den sechs Kindern die bisher längste Zeit meines Lebens verbracht. Das ist etwas Besonderes.

ONETZ: Wer übernimmt Ihre Aufgaben in der Gemeinde?

Hans-Peter Pauckstadt-Künkler: Mich wird erst einmal Pfarrer Andreas Ruhs aus Neunkirchen vertreten. Die Pfarrer Matthias Weih und Martin Valeske machen die Kasualvertretung und übernehmen zum Beispiel Taufen.

ONETZ: Sie haben ja viele Hobbys und engagieren sich ehrenamtlich. Worauf freuen Sie sich nun?

Hans-Peter Pauckstadt-Künkler: Auf die Ungebundenheit: frei von Terminen und ständiger Erreichbarkeit zu sein. Wir haben als Pfarrer eine Präsenz- und Residenzpflicht. Es ist gut, wenn man zu Hause und bei der Familie arbeiten kann. So konnte ich die Kinder öfter mal mit ins Bett bringen und danach noch arbeiten. Aber es ist auch eine Belastung.

ONETZ: Was wird Ihnen am meisten fehlen?

Hans-Peter Pauckstadt-Künkler: Ich habe sehr gerne für die Konfirmanden- und Jugendfreizeit im Dekanat gearbeitet. Ich war immer gerne für Jugendliche da. Da hat mein Herz für geschlagen. Und wenn die ’Konfis’ schreiben „Ich liebe Pauki“ – das ist mein Spitzname –, dann ist das witzig und schön. Das gibt einem etwas zurück.

ONETZ: Was ist mit Ihren anderen Aufgaben. Treten Sie auch hier kürzer?

Hans-Peter Pauckstadt-Künkler: Meine Arbeit im Förderverein Simultankirchen in der Oberpfalz geht natürlich weiter und auch meine ehrenamtliche Arbeit im Flüchtlingsbereich und im Arbeitskreis Asyl. Ich habe gerade erst die Ehrenamtskarte der Stadt Weiden bekommen. Außerdem bin ich kürzlich Opa geworden. Darüber freuen meine Frau und ich uns sehr. Und wir haben uns ein Wohnmobil besorgt. Ich habe es schon immer gerne gemocht, mit der Natur verbunden zu sein. Das hat was. Musik mache ich natürlich auch weiter, in meinen beiden Bands „Church Pistols“ und „At light“. Es gibt genügend Aufgaben und Neues, auf das ich mich freue.

ONETZ: Das klingt so gar nicht nach Ruhe...

Hans-Peter Pauckstadt-Künkler: Doch, wir nehmen uns nun die Zeit, um einen neuen Lebensrhythmus zu finden. Ich habe die Gemeinde im Gemeindegruß gebeten, mir und meiner Frau ein Sabbatjahr zu gönnen, um aufzutanken. Meine Frau passt gut auf mich auf. Ich bin zeitweise an meine gesundheitlichen Grenzen gestoßen. Ich denke mir jetzt: Besser gesund gehen, als mit dem Kopf unterm Arm.

ONETZ: Wenn Sie auf die 21 Jahre in Ihrer Gemeinde zurückblicken, welche Höhepunkte fallen Ihnen ein?

Hans-Peter Pauckstadt-Künkler: Das ist nicht einfach... Ich denke zum Beispiel an 2003, als wir für St. Bartholomäus vier neue Glocken bekommen haben. Wir sind mit den Glocken durch den Ort gefahren und haben sie dann feierlich aufgezogen. Wann bekommt eine Kirchengemeinde schon einmal neue Glocken? Das war ein Jahrhundert-Ereignis.
Ich denke auch daran, dass wir mit die ersten waren, die angefangen haben, alles, was man ökumenisch machen kann, so aufzuziehen. Zum Beispiel Kinderbibelwochen, Bibeltage für Erwachsene, Pfarrfeste. Ich glaube, das haben wir 1999 eingeführt. Die ökumenische Zusammenarbeit aufzubauen und zu pflegen, war sehr erfüllend.

ONETZ: Sie haben zwischen 2015 und 2017 mehreren Asylbewerbern Kirchenasyl gewährt. Haben Sie noch Kontakt zu diesen?

Hans-Peter Pauckstadt-Künkler: Ja, ich habe drei Mal Kirchenasyl gewährt: Amar aus Teheran, einer kurdischen Familie mit einer schwangeren Frau und Fawzi aus Syrien. Es haben auch noch weitere Flüchtlinge zeitweise bei uns im Pfarrhaus gelebt. Außerdem habe ich drei Flüchtlinge durch die Härtefallkommission gebracht. Es freut einen, dass man eigentlich hat Menschenleben retten können. Das ist sehr erfüllend. Es besteht auch noch Kontakt. Bei Fawzi ist es bilderbuchmäßig gelaufen: Er hat eine Ausbildung zum Mechatroniker gemacht und hier neue Wurzeln geschlagen.

Mehrere Monate lang gewährte Pfarrer Hans-Peter Pauckstadt-Künkler dem damals 22-jährigen Syrer Fawzi 2015 Kirchenasyl im Pfarrhaus in Rothenstadt. Die Abschiebung nach Ungarn wurde abgewendet. Fawzi machte eine Ausbildung zum Mechatroniker und arbeitet heute in der Region. Kontakt zum Pfarrer besteht weiterhin.

ONETZ: Sie haben sich für Asylbewerber, Jugendliche aus der Region, benachteiligte Menschen und natürlich die Gemeinde engagiert. Stichwörter Verrohung, Rechtsruck und Hetze: Wie beurteilen Sie die Entwicklung der letzten Jahre?

Hans-Peter Pauckstadt-Künkler: Fake News und Hetze in den Sozialen Medien sind schrecklich. Ich habe versucht, mich dagegen zu stellen und habe deswegen unter anderem 2018 den Runden Tisch „Jetzt aber...! Aufruf zu neuem Engagement“ mit Veit Wagner und Martin Waßink gegründet. Als Kirche muss man da meiner Meinung nach Flagge zeigen. Es bringt mich zum Nachdenken, wie Menschen trotz unserer deutschen Geschichte solche unmenschlichen Gedanken haben können. Das hat nichts mit Meinungsfreiheit zu tun, sondern verstößt gegen das Gesetz. Das muss man klar sagen und sich dagegen stellen.

ONETZ: Woran liegt diese Entwicklung Ihrer Meinung nach?

Das ganze Wertesystem hat sich in Teilen der Bevölkerung verschoben. Ich habe den Eindruck, dass viele Menschen noch gar nicht verstehen, dass wir uns dagegen wehren müssen. Ich mache mir schon Sorgen, dass wir schnell wieder Weimarer Verhältnisse kriegen. Deswegen bin ich Mitglied im Bayerischen Bündnis für Toleranz.

ONETZ: Was würden Sie den Menschen gerne noch mitgeben?

Hans-Peter Pauckstadt-Künkler: Dass sie wach und wachsam bleiben. Das ist wichtig. Sich nicht alles gefallen lassen und nicht jedem hinterher rennen. Ich möchte auch betonen: Als Kirche sind wir gar nicht so verstaubt. Ich wünsche mir, dass die Menschen sehen, was im Glauben Positives und an Kraft zu finden ist. Das hat mir sehr geholfen. Ich würde gerne weitergeben, dass wir Hoffnung haben können. Darauf vertrauen zu können, ist doch die beste Nachricht.

Info:

Abschied mit Gottesdienst

Die Verabschiedung in den Ruhestand von Pfarrer Hans-Peter Pauckstadt-Künkler wird am Sonntag um 14 Uhr mit einem Gottesdienst am Brunnerhof, Neubau 1, gefeiert. Der Dekan wird den Pfarrer entpflichten und es werden Grußworte gesprochen. „Ansonsten ist das ein ganz normaler Gottesdienst“, so Pauckstadt-Künkler. Danach wird gefeiert. „Und die Woche drauf werden weiter Umzugskartons gepackt.“

Zwei Bitten äußert er:

Kuchenspenden können am Samstag ab 16 Uhr und Sonntag ab 12 Uhr im Brunnerhof abgegeben werden.

Statt um Abschiedsgeschenke bittet der Pfarrer um Spenden für das aktuelle Projekt des Fördervereins Simultankirchen der Oberpfalz. Der Verein muss 15 000 Euro für das Aufstellen von Wegweisern und Infotafeln entlang der rund 400 Kilometer langen Wegstrecke beisteuern. Der Rest soll über Fördergelder finanziert werden. „Hier können wir noch Unterstützung gebrauchen“, so Pauckstadt-Künkler.

Info:

Zur Person Hans-Peter Pauckstadt-Künkler

21 Jahre Pfarrer in der evangelischer Pfarrei Rothenstadt

Mitglied der Landessynode für den Kirchenkreis Regensburg

Ehrenamt im Arbeitskreis Asyl

Mitbegründer des Netzwerk Asyl

Gründer und Vorsitzender des Fördervereins Simultankirchen in der Oberpfalz

Mitarbeit beim Aufbau der Telefon- und Notfallseelsorge in der Region

Vorsitzender des Fördervereins „Pro Etzenricht“ und Motor der Vereinsgründung 2008

Fast 20 Jahre Engagement in der Aktionsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (afa) im Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt

Kassier im Diakonischen Werk Weiden

Seit 20 Jahren Mitglied bei Amnesty International in Weiden

Jahrelanges Engagement im Bündnis für Familie in Weiden

2002 bis 2013 mit Ehefrau und Anette Petzold die Ferienbetreuung und später die Mittagsbetreuung an der Hans-Sauer-Schule in Weiden aufgebaut; dafür 2012 den Ehrenamtspreis der SPD bekommen

Viele Jahre Mitglied im Jugendhilfe- und Sozialausschuss in Weiden, in den letzten Jahren über den AK Asyl

Sechs Jahre als Schulbeauftragter im Dekanat Weiden zuständig für 120 Schulen

Nach Fundraising-Ausbildung drei Jahre lang Gemeinden im Fundraising und der Öffentlichkeitsarbeit beraten

Unterstützung beim Bau des Zentrums St. Michael und Renovierung mehrerer Gemeindehäuser

Aktives Mitglied im Posaunenchor Etzenricht-Rothenstadt

Schlagzeuger der „Church Pistols“ (Rock-Band aus fünf evangelischen Pfarrern) und von „At light“ (Kirchenband mit Schülern)

Oktober 2018: Gründung des Runden Tisches „Jetzt aber...“ Aufruf zu neuem Engagement“ mit Veit Wagner und Martin Waßink

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