Spätestens seit die isländische Komponistin Hildur Guðnadóttir in diesem Jahr den Oscar für die beste Filmmusik gewonnen hat, sollte auch dem Letzten klar geworden sein: Frauen können komponieren – und wie.
Vier Damen waren daher im Landgut Federkiel angetreten, um zu den Zuhörern die Ohren zu öffnen, wie viel „unerhörte“ Musik aus der Feder von weiblichen Komponisten darauf wartet, endlich erhört zu werden. Unter dem Motto „Sehnsüchte“ hatten Maren Gleixner (Sopran), Annemarie Bauer und Marion Elling (Querflöten) zusammen mit der Pianistin Klara Bäumler in aufwändiger Kleinarbeit ein stimmiges Programm erarbeitet, in dem den Zuhörern allenfalls zwei Namen bekannt vorkamen: Fanny Hensel – die Schwester von Felix Mendelssohn Bartholdy und Clara Schumann (und schon wieder denkt man zuerst nur an den ebenfalls komponieren Gatten Robert). Alle weiteren Namen (zum Beispiel Amy Beach und Lili Boulanger) bedurften der ebenso kundigen wie spritzigen Erläuterungen aus dem Munde von Maren Gleixner, die mit gestochen pointierter Moderation die Zuhörer in ihren Bann zog. So manches Schicksal kam so zu Tage, unglaublich, wie sehr diese Frauen um ihr Recht, überhaupt komponieren zu dürfen, kämpfen mussten.
Ebenso überzeugend als Quartett musizierend bewiesen alle vier Damen auch ihre unbestrittenen Soloqualitäten. Die Pianistin Klara Bäumler, als Begleiterin den ganzen Abend gefordert, formte Fanny Hensels Notturno g-Moll in sich stimmig zu einem Drama in Miniaturform, vom wehmütigen Anfangston über die aufwühlenden Einschübe bis hin zum melancholisch offenen Ende.
Die Meisterschaft Clara Schumanns in der Feinzeichnung musikalischer Linien bewies Marion Elling hochmusikalisch mit tragfähigem und gefühlvollem Ton. Kaum zu ermessen, wieviel Feinarbeit in der Vorbereitung steckt, um die komplexen rhythmischen und dynamischen Verästelungen wie selbstverständlich klingen zu lassen.
Man sagt, dass Cecile Chaminade ihr als Prüfungsstück für das Konservatorium in Paris gedachte Concertino mit „Gemeinheiten“ nur so gespickt habe, um einen Flötenliebhaber, der sie verlassen hatte, zu bestrafen. Annemarie Bauer meisterte den Parforceritt durch die musikalischen Stromschnellen mit staunenswerter Virtuosität, Fingerfertigkeit und strahlendem Ton – die schwierigen Stellen schienen sie nicht im Geringsten zu beeindrucken.
Im gut gemischten Programm wurde schnell klar, dass Maren Gleixner nicht nur eine unterhaltsame Moderatorin, sondern auch oder gerade eben eine bemerkenswerte Interpretin der Lieder Fanny Hensels und Clara Schumanns ist. Mit ihrer glockenklaren und fein modulierten Sopranstimme füllte sie mühelos den Raum. Besonders hervorzuheben ist ihre Interpretation von Schumanns stürmischer Komposition der „Loreley“.
Zu dritt nahmen sich die Künstlerinnen Werken von Anna Bon, Mel Bonis und Madeleine Dring an. Insbesondere Letztere hatte in ihrem Trio einen sehr eigenen pfiffigen modernen Stil entwickelt, der viele Überraschungen bereithielt und auch bisweilen zum Schmunzeln anregte. Virtuos meisterten die Damen die nicht wenigen Stolperfallen und vergaßen zu keiner Zeit auch die Sinnlichkeit der Musik.
Abschluss und sicher auch etwas Höhepunkt war die ruhige und innig zu Herzen gehende Arie „What if I were young again“ aus der Oper "The Boatswain's Mate" der hier vollkommen unbekannten englischen Komponistin Ethel Smyth, bei der alle vier Damen gemeinsam zu „Ton“ kamen.
Ein Konzert mit ausschließlich weiblichen Komponisten? Absolut kein Problem. Liebe männlichen Tonsetzer – ihr habt uns an diesem Abend überhaupt nicht gefehlt.













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