Zu Ehren des heiligen Georg: Sassenreuth feiert "Girglsdoch"

"Bou gib an Rouh, lou d'Finga weg, heint wird nix gorwad": Solche und ähnliche Worte gab es am 23. April vor 70 Jahren zu hören. Ein Tag, an dem sich die älteren Sassenreuther heute noch gerne erinnern – und aus gutem Grund.

Der 23. April war und ist in Sassenreuth ein wichtiger Tag: der Gedenktag des heiligen Georg. Am "Girglsdoch" zogen die Bürger und bunt geschmückte Rösser durch den Ort. Auch findet dem Patronatsheiligen zu Ehren ein Gottesdienst statt, den die Sassenreuther aber wegen des Coronavirus nur per Live- Stream mitverfolgen dürfen.
von Fritz FürkProfil

"Heint is Feierdoch! Keiner in der Sassareita Gmoi hat einen Handgriff getan, außer der notwendigen Stallarbeit. Der Patronatsheilige Georg hat den Sassenreuthern einen zusätzlichen Feiertag beschert, den "Girglsdoch". Mit Wehmut erinnern sich die älteren Sassenreuther an diesen Tag, der mit einem Gottesdienst, Blasmusik, Brucktanz, Pferdesegnung, Bratwürsten und Bier aus Holzfässern gefeiert wurde.

Am Donnerstag, 23. April – der Gedenktag des heiligen Georg –, findet um 19 Uhr in der Dorfkirche ein Gottesdienst statt. Zelebrant ist Pfarrer Augustin Lobo. Doch in Zeiten von Corona ist alles anders. Die Kirche wird bis auf wenige Protagonisten leer bleiben. Den Gläubigen wird aber die Möglichkeit geboten, die Eucharistiefeier per Live-Stream mit zu verfolgen. Das Video ist auf der Facebook-Seite der Pfarrei Mariä Himmelfahrt abrufbar.

Fahrt nahm der "Girglsdoch" erst auf, als die Dorfkirche am Fuße des Kütschenrains fertig gestellt und gesegnet war. Dass Sassenreuth überhaupt eine Filialkirche erhalten hat, ist dem geistigen Weitblick von Pfarrer Leonhard Zechmeier zu verdanken. Zechmeier, der sich oft mit den NS-Machthabern anlegte und vor ihnen keine Angst hatte, griff in die Trickkiste: Die Nazis hatten den Religionsunterricht in den Schulen verboten. Und so kurbelte Zechmeier 1937 den Bau einer kleinen Kirche an, wo Religionsunterricht erlaubt war. Am 19. September 1943 segnete Pfarrer Josef Bollmann das Kirchlein. In seiner Predigt sagte Bollmann damals: "Ich bin dem Altar nachgegangen." Zur Erklärung: Der Altar stand, bevor er nach Sassenreuth gekommen war, in der Kirche in Klardorf bei Schwandorf, wo Pfarrer Josef Bollmann als Kaplan wirkte. Heute ist der Barock-Altar Mittelpunkt und Blickfang des Gotteshauses. Farbenprächtig zu sehen ist das Bild des Heiligen Georg als Drachentöter.

Nach den Erzählungen der älteren Sassenreuther hat Kaplan Johann Ascherl das Patronatsfest 1952 eingeführt. Doch auch die weltliche Feier kam nicht zu kurz. Am Nachmittag fand eine Pferdesegnung statt. Der Rest des Tages spielte sich in den beiden Dorfwirtshäusern und auf der Tanzbruck auf. Die Sassenreuther verstanden es zu feiern, kirchlich wie auch weltlich.

Mit dem Ende des zweiten Weltkrieges lösten in der Landwirtschaft die Pferde die Ochsen- und Kuhgespanne ab. Es war damals nicht einfach, geeignete Rösser zu finden, zumal sowohl Pferde wie auch das liebe Geld knapp waren. Im Frühsommer 1945 fand auf dem Markplatz in Kirchenthumbach unter Aufsicht der amerikanischen Besatzungssoldaten eine Versteigerung von Pferden statt, die teilweise aus Militärbeständen stammten, aber auch von Heimatvertriebenen. Als Auktionator fungierte der Braumeister und ehemalige Offizier Karl Heber. Zu den Bietern gehörten auch die Bauern aus der „Sassenreuther Gmoi“.

Da es sich bei den Rössern überwiegend um Reitpferde handelte, mussten sie erst für die Feldarbeit umgepolt werden. Doch man war froh und stolz zugleich, überhaupt Pferdestärken einsetzen zu können. Um die Pferde vor Krankheiten und Verletzung zu schützen, wurden sie am „Girglsdoch“, also am 23. April, gesegnet

Um 9 Uhr fand ein Festgottesdienst statt. Während die Frauen nach der Kirche eiligen Schrittes nach Hause liefen, kehrten die Mannsbilder entweder beim „Steiger" oder beim „Holln“ zum Frühschoppen ein. Doch viel Zeit blieb ihnen nicht, denn schon um 14 Uhr riefen die Glocken zur Andacht. Danach wurde der Kooperator zur Dorfwiese (heute Neubaugebiet) geleitet, wo die bunt geschmückten Pferde in Reih und Glied standen. Nach Fürbitten und Gebeten wurden die Rösser gesegnet.

Nun kam die Zeit der weltlichen Feier: Zu den Klängen der Blaskapelle Kirchenthumbach unter Stabführung des längst verstorbenen Kapellmeister Alois Zeitlmann, zogen die stolzen Pferdebesitzer durch das Dorf. Voran ritt Feuerwehrkommandant Josef Fraunholz, besser bekannt unter dem Namen „Nazi- Seppl“. Der Gaul, auf dem er saß, war ein Oberländer, hörte auf dem Namen Rudi und gehörte Anton Bernhardt (Weberhensl).

Später wurden zur Freude der Frauen und Kinder auch Wagen mitgeführt. Auf einem dieser Wagen wurde Saat und Ernte symbolisch dargestellt. Wieder zurück auf dem Dorfplatz wurde das Tanzbein geschwungen. Dazu wurde eigens vor dem Feuerwehrhaus eine Tanzbruck aufgebaut, damit auch die Dorfjugend zu ihrem Recht kam.

Der Einzug der Technik und damit einhergehend der Diesel saugenden Zugmaschinen, wurde immer mehr auf Pferde verzichtet und bereits 1958 wurde die Pferdesegnung wieder eingestellt und somit ein Stück Tradition unwiederbringlich aus dem Jahreskreis gerissen.

Ein langer Zug zieht am Georgstag – stets am 23. April –durch Sassenreuth.
Schön geschmückt ist die Sassenreuther Kirche für den Georgstag am 23. April. Wegen des Coronavirus bleiben die Kirchenbänke allerdings leer.
Das Bild zeigt den heiligen Georg als Drachentöter.
Georgstag in Sasssenreuth.
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