04.10.2019 - 13:27 Uhr
Deutschland und die WeltOberpfalz

Scala darf nicht Golf spielen

Ibiza spielte Vorreiter, Polo zog nach. Jetzt komplettiert Skoda mit dem Scala die Dreierbande. Dabei hat der Nachfolger des Rapid Spaceback längst das Zeug zum Golf-Jäger.

Macht mächtig was her, der Skoda Scala. Nichts erinnert mehr an den etwas glücklosen Vorgänger Rapid Spaceback.
von Berthold Zeitler Kontakt Profil

Wenn auch zehn Zentimeter länger als die aktuell siebte Auflage des kompakten Klassenpatrons, fußt der Tscheche wie seine Konzern-Geschwister auf dem Modularen Querbaukasten A0, der eigentlich eher für die Kleinwagen-Fraktion gedacht ist. Die Entwickler in Mlada Boleslav aber haben die Plattform so richtig ausgereizt.

Herausgekommen ist nicht nur ein adrettes Auto mit einem üppigen Innenraum im XXL-Format, sondern auch ein Gepäckabteil, das mindestens einen Koffer mehr mitnimmt als der Wolfsburger Edel-Sproß. Der ist zwar noch immer das Maß der Dinge, doch Skoda ist ihm ganz dicht auf den Fersen. Hochwertige Materialien und passgenaue Verarbeitung halten dem Vergleich spielend stand. Dazu reichlich Infotainment- und Komfort-Pakete aus dem Konzernregal und die bekannten skody-typischen "Simply clever"-Lösungen. Ganz neu: Der Eiskratzer im Tankdeckel kann jetzt auch gleich noch das Reifenprofil messen.

Aber bleiben wir zunächst beim Innenraum. Selbst wenn vorne auf den optinonalen Sportsitzen lange Lulatsche Platz nehmen, stoßen sich die Hinterbänkler weder Knie noch Ellenbogen an Vorder- oder Nebenmann und haben stets noch auseichend Luft überm Scheitel. Wer dann noch das Panoramadach geordert hat, genießt himmlischen Ausblick. Ambientebeleuchtung, unten abgeflachtes Sportlenkrad und Pedalerie in Edelstahl tun das Weitere.

Selbstredend ist der Scala bestens vernetzt, ist eigentlich immer online. Allerdings ist nicht alles kostenlos an Bord, was an Digitaltechnik so möglich ist. So verlangte unser Testwagen schon die Dienste des Smartphones zur punktgenauen Navigation, was aber über SmartLink und Bluetooth ein Kinderspiel war. Kabelloses Aufladen in der Phonebox und USB-Anbindung, allerdings über die derzeit noch nicht so gebräuchlichen C-Anschlüsse, gehören ebenso zur Konnektivität.

Beim Thema Sicherheit steht der Scala seinem Namen (übersetzt Treppe, Stiege, Leiter) entsprechend ganz oben. Den ADAC-Crashtest absolviert er mit fünf Sternen, Assistenzsysteme bremsen im Notfall, erkennen Fußgänger, halten Spur, Geschwindigkeit und optional auch den Abstand zum Vordermann. Licht- und Regensensoren verstehen sich heutzutage eh.

Der lange Radstand sorgt für gute Fahreigenschaften, wenn auch das um 15 Millimeter tiefer gelegte Fahrwerk mit unterschiedlichen Fahrmodi sich schon sportlich-straff zeigt. Recht forsch und zugleich sparsam geht der in unserem Testwagen verbaute 1.5 TSI (150 PS) mit Zylinderabschaltung zu Werke. Ein Aggregat, das im gesamten Konzern zum Einsatz kommt, allerdings seit Wochen nicht bestellbar ist. Den Grund dafür konnte uns Skoda nicht nennen. Gemunkelt wird, dass die Anforderungen der realitätsnahen WLTP-Prüfnorm wohl eine Neuhomologation erforderlich gemacht haben. Dass ganz aktuell 12 500 Fahrzeuge mit dieser Motorisierung, allein 6000 bei Skoda, zu einem Update der Motorsoftware in die Werkstätten gerufen worden sind, könnte auch eine Rolle spielen.

Allerdings sind hier nur Handschalter betroffen. Unser Testwagen war mit dem siebenstufigen DSG ausgestattet. Da geht’s hurtig zur Sache, kommt der Scala flott aus dem Drehzahlkeller und zieht kräftig nach oben durch. Dabei bleibt der sympathische Tscheche stets ein angenehmer Begleiter, der vor allem auch das Segeln versteht. Wo immer möglich schaltet der Skoda zwei Zylinder ab und lässt es einfach laufen. Kein Wunder also, dass unser Testverbrauch die Werksangabe von 5,0 l nur knapp verfehlt hat.

Alles in allem überzeugt der Scala, spielt in allen Disziplinen eher Golf als Polo. Der er Preis ist angesichts des Gebotenen durchaus angemessen. Und ab dem 8. Oktober soll der 1.5 TSI ja auch wieder in den Bestellbüchern auftauchen.

Mit dem 1.5 TSI geht der Skoda Scala eine forsche Gangart an. Das Triebwerk war jetzt über Wochen nicht bestellbar. Ab 8. Oktober geht's angeblich wieder los.

Bildergalerie zum Skoda Scala

Statt eines Logos sind jetzt die Schriftzüge Skoda und Scala am Heck zu finden.
Datenblatt Skoda Scala
Über das Sportlenkrad und den Touchscreen im Tablet-Format lassen sich alle wichtigen Informationen abrufen.
Tief nach unten gezogen ist die Heckscheibe des adretten Fünftürers.
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