18.12.2019 - 18:20 Uhr
Schafhof bei EbermannsdorfOberpfalz

Landwirte-Protest auf der B85: Traktoren für das Gehört-werden

Sie sind mit der Politik auf europäischer und Bundesebene unzufrieden: die Bauern, die sich in der Initiative "Land schafft Verbindung" zusammengeschlossen haben und am Mittwoch ihrem Unmut in Schafhof und bei Gebenbach Luft gemacht haben.

Eine lange Schlange an Traktoren hat sich am Mittwochnachmittag über die B85 bei Schafhof gezogen. Die Landwirte protestieren, dass sie in der Politik nicht gehört werden.
von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

Es brodelt unter den Landwirten. Das sagt Milchviehhalter Michael Ströhl aus Kümmersbruck. Mit der Initiative "Land schafft Verbindung" haben er und 25 gleichgesinnte Kollegen auf ihren Traktoren den Berufsverkehr auf der B85 zwischen den Ausfahrten zum Industriegebiet Schafhof I und II am Mittwochnachmittag lahmgelegt, indem sie in Schleifen fuhren. Mit dem Flashmob wollen die Bauern zeigen, dass "das Fass nun übergelaufen ist". Am besten funktioniert das auf einer vielbefahrenen Straße, "wo die Menschen auch den Schlepper sehen".

Besonders verärgert sind die Landwirte aus der Region, dass auf ihre Forderung nach mehr Einbindung des Berufsstands in der Landwirtschaftspolitik nicht eingegangen wurde. "Der Agrargipfel in Berlin von Kanzlerin Merkel, zu dem so viele Landwirte gefahren sind, hat sich als PR-Gag herausgestellt." Es habe keine neuen Ergebnisse gegeben. "Das Problem war auch, dass viele Verbände eingeladen waren. Unser Sprecher hatte zum Beispiel nur drei Minuten Redezeit", kritisiert Ströhl.

Amberg

Viel zu wenig Zeit, um dem angestauten Unmut unter den Landwirten Luft zu machen. "Es hieß, dass wir in weitere Gesprächsformate eingebunden werden", sagt Ströhl. Der neue Entwurf aus dem Landwirtschaftsministerium zur Düngeverordnung sei aber wieder ohne die Bauern gemacht worden. Beim Insektenschutz das Gleiche: "Hier ist auch nicht mit uns gesprochen worden." Ströhl und seine Kollegen haben an diesem Mittwochnachmittag die Vermutung, dass die Politik die Bauern in langatmige Gespräche einbinden wolle, "damit wir so beschäftigt sind, um nicht zu merken, wie über unsere Köpfe hinweg Politik gemacht wird".

Weiter sind die Bauern verärgert, dass noch nicht einmal innerhalb der EU einheitliche Standards bei der Produktion von Lebensmitteln herrschen. Vielmehr drängen Waren aus der Ukraine, Malaysia und Südamerika auf den Markt. Für die Industrie gebe es Schutzzölle, "seit Jahrzehnten fordert das auch die Landwirtschaft", so Ströhl.

Laut dem Kümmersbrucker sind es seit den ersten Demonstrationen der Initiative "Land schafft Verbindung" vor einigen Monaten immer mehr Bauern geworden, die sich angeschlossen haben. "Allein die Teilnahme vieler Landwirte aus der Region zur Gipfelfahrt nach Berlin hat das gezeigt", sagt Ströhl. "Es hat sich verschärft."

Die Kolonne der Traktoren von Gebenbach nach Hahnbach bzw. nach Kienlohe sorgte am Mittwochnachmittag für Verkehrsbehinderungen auf der B14 und der B299.

Auch in Gebenbach versammelten sich knapp 50 Landwirte zu einem Flashmob. Unter den Demonstrierenden waren viele junge Leute. Ab 16.30 Uhr machten die Traktorfahrer in zwei Kolonnen mit einer gegenläufigen Kreisfahrt zwischen ihrem Ausgangspunkt, Hahnbach und Kienlohe Stimmung für ihre Anliegen. Etliche Autofahrer, die die lange Traktorenschlange sahen, kehrten gleich um und suchten andere Wege zu ihrem Ziel.

An vielen Traktoren hatten die Landwirte Transparente angebracht, um auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen.
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