05.07.2020 - 12:31 Uhr
SchirmitzOberpfalz

Waldbaden in Schirmitz

„Geh in das Grün des Waldes und du wirst Heilung erfahren, allein indem du dort bist und atmest!“ Dieser Spruch von Hildegard von Bingen aus dem 12. Jahrhundert passt auf „Shinrin Yoku – Waldbaden“ des Geoparks Bayern-Böhmen in Schirmitz.

Am Lieblingsplatz entschleunigen
von Redaktion ONETZProfil

Wörtlich bedeutet die aus Japan stammende medizinische Naturtherapie Shinrin Yoku „Bad in der Waldatmosphäre“. Das Eintauchen in die Natur des Waldes erlebt eine stetig steigende Popularität. Der Mensch soll dem Alltag entkommen, Ruhe und Entspannung genießen, zu sich selbst finden und von der heilenden Kraft des Waldes auf Körper, Geist und Seele profitieren. Es geht darum, die Natur in vollen Zügen und mit allen Sinnen zu erleben, Ruhe aufzusaugen, ätherische Duftstoffe der Nadelbäume in der angenehm feuchten und kühlen Atmosphäre als Stresslevel senkende Naturpillen einzuatmen, aufmerksam und ohne Leistungsdruck herumzuschlendern oder einfach dazusitzen, um zu entschleunigen.

Geoparkrangerin Eva Ehmann empfing bei der ausgebuchten Führung – die erste nach der Coronapause – ihre neun Teilnehmer verschiedener Altersstufen, darunter fünf junge Damen und ein Mann, in einem Waldstück östlich von Schirmitz. Unter der Beschränkung des Abstandhaltens zeigte sie auf, was man beim Waldbaden machen kann und worauf man achten muss zu jeder Jahreszeit und in der Gruppe oder auch allein.

Klopfübungen zur Aktivierung von Körperpartien

Sie begann mit Übungen zur Aktivierung der Lebensenergie: kleine Klopfmassagen à la Qi Gong mit den Fingerspitzen, der flachen Hand oder der Faust auf verschiedene Körperpartien. Sie endeten mit dem schwungvollen „Öffnen der Tore des Lebens“, bei dem im Stand das Becken gedreht wird und die Arme sanft auf den Körper schlagen. Nach einem kurzen Schlendern auf einem Waldweg ging es darum, einen Baum auszuwählen, ihn „in Besitz“ zu nehmen und bei bewusster Bauchatmung zu meditieren. Der sanfte Ton einer Klangschale holte alle nach einigen Minuten zurück.

Ungewohnte Gefühle vor allem für die jungen Leute

Nun hieß es, auf dem bewachsenen Waldsteig den unterschiedlichen Untergrund und Unebenheiten wahrzunehmen und das leichte Schwingen des moosigen, mal von der Sonne beschienenen, mal im Schatten liegenden Bodens zu spüren. Schließlich spazierten alle barfuß in den Wald: die kostengünstigste Fußzonenreflexmassage, die es gibt. Für Marie ein besonderes Gefühl: „Es piekst zwar schon mal, aber das probier ich demnächst auch allein aus.“ Und für Freundin Emma war es das erste Mal, ohne Schuhe durch den Wald zu laufen.

Meditieren im Wald

Zum Fühlen und Tasten kam als Nächster der Sinne das Sehen. Gerade jetzt bietet der Wald viele schöne Anblicke. Sonnenstrahlen tauchten die Umgebung in ein leuchtendes, entspannendes Grün. Aber auch die kleinen Dinge galt es zu beachten wie etwa die leicht zu übersehenden Eichensämlinge am Wegrand. Dazu erzählte Ehmann Historisches: Seit der letzten Eiszeit waren Eichen die dominierende Baumart, wurden aber von schneller wachsenden Bäumen wie den Buchen und dann den Fichten abgelöst, die man als Brennholz zum Erzschmelzen und als Pottasche bei der Glaserzeugung benötigte.

Hier kann man im Sommer die Schwammerln riechen und den Wald auch schmecken, beispielsweise in Form von Schwarzbeeren, deren Form man erst mit der Zunge erspüren sollte, ehe man sie zerdrückt, oder beim Kauen des Waldsauerklees mit seinem Zitronengeschmack.

Zuletzt führte die Geopark-Rangerin die Teilnehmer in ein Stück „Zauberwald“. Sie setzten sich unter mit Flechten überzogenen Bäumen ins hohe Gras, schlossen die Augen und lauschten dem Gesang der Vögel, den summenden Insekten und dem Rauschen des Windes. Regina erzählte, dabei ihren Lieblingsplatz gefunden zu haben. Jeder nahm von der Führung etwas anderes mit. Horst aus Mitterteich, der die Veranstaltung im Internet gefunden hatte, wählte sie auch aus, um nach dem Lockdown wieder mit anderen Menschen in Kommunikation treten zu können. Für alle war es sicher nicht das letzte Waldbad. Auf jeden Fall, so die übereinstimmende Meinung, komme man anders aus dem Wald heraus, als man ihn betreten habe.

Auch Barfußlaufen macht Spaß
Atemübungen am Lieblingsbaum
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