14.04.2020 - 09:46 Uhr
SchlammersdorfOberpfalz

Bürgermeister Gerhard Löckler blickt auf 18-jährige Amtszeit zurück

Gerhard Löckler ist seit 18 Jahren Bürgermeister in Schlammersdorf. Nun neigt sich seine Zeit als Gemeindeoberhaupt dem Ende zu – ein guter Anlass für einen Rückblick.

Nach 18 Jahren räumt Bürgermeister Gerhard Löckler den Chefsessel in der Gemeindekanzlei Schlammersdorf. Doch sein bisheriges 30-jähriges unermüdliches kommunalpolitisches Engagement findet im Gemeindeparlament seine Fortsetzung.
von Redaktion ONETZProfil

Noch knapp drei Wochen, dann endet nach 18 Jahren die Amtszeit von Bürgermeister Gerhard Löckler, nachdem er bei der Kommunalwahl am 15. März auf eine erneute Kandidatur verzichtet hatte. Jedoch wird er seine langjährigen Erfahrungen und sein Wissen in der Kommunalpolitik als Gemeinderatsmitglied – wie bereits von 1990 bis 2002 – weiterhin einbringen.

Den Beginn seiner Amtszeit als Bürgermeister im Jahr 2002 prägte eine schwierigen Zeit. Die Kommune war finanziell nicht auf Rosen gebettet. Durch die Ende der 90er Jahr durchgeführten Kanalbaumaßnahmen im gesamten Gemeindebereich stieg die Verschuldung auf mehr als eine halbe Million Euro. „Wir haben nie über unsere finanziellen Verhältnissen gelebt“, lautete das Fazit des scheidenden Bürgermeisters mit Blick auf seine 18-jährige Amtszeit, so dass der Schuldenberg bis auf etwa 49.000 Euro am Ende des vergangenen Jahres nahezu komplett abgebaut werde konnte.

Löckler bewarb sich 2002 für die Unparteiische Wählergruppe (UWG), nachdem sich abzeichnete, dass der damalige Amtsinhaber Hubert Schneider nicht mehr kandidieren wird, um das Bürgermeisteramt. Trotz eines Gegenkandidaten aus den Reihen der CSU verzeichnet er mit etwa 56 Prozent ein klares Wählervotum. „Es war aus finanzieller Sicht ein sehr schwerer Start, der jährliche Etat konnte nur mit Kassenkrediten bewerkstelligt werden“, verdeutlichte der noch amtierende Rathauschef.

Auch wenn es keinen finanziellen Spielraum gab, insbesondere durch den hohen Schuldendienst, war bei den Investitionen Zurückhaltung das Gebot der Stunde. „Wir konnten nicht in die große Schatulle greifen“, erklärte Löckler. Daher konnte sich die Kommune auch nicht mehr leisten, als was dringend notwendig war. Dennoch konnte die Aufwertung des gemeindlichen Bauhofs und die Anschaffung von neuen Geräten realisiert werden. Auch das marode Straßennetz, insbesondere die Flurbereinigungswege, wurde erneuert. Der Sankt Michaelsverein als Träger der Kindertagesstätte wurde bei der Sanierung der Einrichtung ebenfalls finanziell unterstützt.

Der scheidende Amtsinhaber bezeichnete es als „Glücksfall“, als im Jahr 2011 durch das Staatliche Bauamt Amberg-Sulzbach die Ortsdurchfahrt (Staatsstraße 2122) ausgebaut wurde. In enger Zusammenarbeit mit dem Straßenbauamt wurden durch die Kommune gleichzeitig neue Gehwege geschaffen. Als einen weitere „Glücksfall“ wertete er, dass das Straßenbauamt drei Jahre später auch die Staatsstraße 2122 von Schlammersdorf bis Ernstfeld, einschließlich der Ortsdurchfahrt, ausbaute. Unter der Trägerschaft der Kommune wurde mit hohem Zuschuss – ein lang gehegter Wunsch der Bürger – im Zuge der Straßenausbaumaßnahme ein Geh- und Radweg verwirklicht und damit die Sicherheit der Fußgänger sowie Radfahrer verbessert.

Straßenbaumaßnahmen, insbesondere zu den Weilern Haag und Weidenlohe, zogen sich wie ein roten Faden durch Löcklers Amtszeit. Dabei brachte er zum Ausdruck, dass trotz einer nicht unerheblichen Schuldentilgung dringende Investitionen getätigt wurden, wobei stets auch Förderprogramme in Anspruch genommen wurden. „Auch wenn die Nachfrage an Bauplätzen sich in Grenzen hält“, wie der scheidende Amtsinhaber einräumt, galten die stetigen Bemühungen Bauland zu erschließen und aktuell die Bebauungspläne im Baugebiet „Schlammersdorf-Süd“ zu modernisieren sowie anzupassen.

Nachdem im Schuljahr 2009/10 das Schulhaus letztmalig belegt war, stelle sich die Frage nach der künftigen Nutzung des Gebäudes zur schulischen Bildung. Es reifte die Idee, es als Bürgerhaus zu nutzen, was in einer Bürgerbefragung die breite Zustimmung fand. Auf der Suche nach Fördermitteln wurde man 2014 in der Einfachen Dorferneuerung fündig. Noch im selben Jahr wurden die Maßnahmen mit einem Kostenvolumen in Höhe von 350.000 Euro in Angriff genommen. Fenster und Heizung sowie die Außenansicht wurden erneuert und anschließend entlang der Schulstraße der Außenplatz gestaltet. Schließlich gelang es, dass auch die Umgestaltung des Spielplatzes zu einem Generationspark in die Einfache Dorferneuerung aufgenommen wurde, wenngleich das Förderverfahren mit einem Fördersatz von rund 60 Prozent durch das Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) Oberpfalz endet. „Die Einfache Dorferneuerung hat uns finanziell sehr geholfen“, resümiert Löckler und erinnert auch daran, dass die Erneuerung des Kirchplatzes mit 40.000 Euro gefördert wurde.

Er erwähnte auch, dass die Kommune die Wehr beim Neubau ihres Feuerwehrgerätehauses – mit viel Eigenleistung der Brandschützer – finanziell unterstützt habe. Die Wehr lag ihm immer am Herzen und war stets bestrebt, dass sie nach aktuellem Stand ausgerüstet ist. Als letztes Großprojekt in seiner Amtszeit bezeichnete er den Neubau der Creußenbrücke in Naslitz mit Gesamtkosten von 440.000 Euro. Rund 200. 000 Euro an Fördermittel wurden hierfür der Kommune bewilligt.

Für den Gemeindechef ist das Jahr 2020 von einem „doppelten Ruhestand“ gekennzeichnet: zum einen als ehrenamtlicher Bürgermeister, zum anderen ab August in seinem Hauptberuf in der Personalabteilung beim Bezirk Oberfranken, wo ihm Bezirkstagspräsident Henry Schramm nach 45 Dienstjahren kürzlich verabschiedet hatte. Der Bezirk Oberfranken als Arbeitgeber beurlaubte Löckler unentgeltlich für zwölf Stunden pro Woche, um die Aufgaben im kommunalpolitischen Ehrenamt wahrzunehmen. Auch wenn diese Verdiensteinbußen zur Folge hatte: "Etwas Freizeit wollte ich schon haben, und das habe ich mir auch geleistet.“ Nicht nur in der Kommunalpolitik, sondern auch in überörtlichen Institutionen hat sich der gebürtige Naslitzer engagiert: als stellvertretender Vorsitzender der Gemeinschaftsversammlung Kirchenthumbach, des Schulverbandes und des Wasserzweckverbandes (WZV) Vorbach-Schlammersdorf, als Vorsitzender des Abwasserzweckverbandes (AZW) Schlammersdorf-Vorbach sowie als Aufsichtsrat der Neuen Energien West (NEW), aber auch im Rahmen der interkommunalen Zusammenarbeit im Vierstädtedreieck.

Löckler habe durch sein engagiertes und verantwortungsbewusstes Wirken der Gemeinde Schlammersdorf und damit der kommunalen Selbstverwaltung gedient, erklärte der Oberpfälzer Regierungspräsident Axel Bartelt im Jahr 2016 bei der Verleihung der kommunalen Verdienstmedaille in Silber.

Als Bürgermeister in Ruhestand ab 1. Mai hat Löckler dennoch keine Angst vor Langeweile und wird sich seinen Hobbys "Haus, Garten und Familie" widmen. Das Coronavirus machte ihm und seine Ehefrau Christine einen Strich durch die Rechnung: Das Ehepaar hatte geplant, heuer die Oberammergauer Passionsspiele zu besuchen, die jedoch erst 2022 stattfinden sollen. „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“, lautet aber Löcklers Devise zum geplanten Passionsspiele-Besuch. Mit Blick auf die Corona-Krise sagt er: "Es ist ärgerlich, ich habe mir ein anderes Ende meiner Amtszeit gewünscht.“ Eine gebührende Abschiedsfeier mit den Mitgliedern des Gemeinderates soll nachgeholt werden.

Seinem Nachfolger im Chefsessel der Gemeindekanzlei gab er Goethes Zitat „Auch auf Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen“ mit auf dem Weg.

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