02.09.2019 - 13:34 Uhr
SchlammersdorfOberpfalz

In den Ferien Geschichtliches erfahren

Die Radtour der CSU-Ortsverbände Schlammersdorf und Vorbach-Oberbibrach ist fester Bestandteil des Ferienprogramms. Die Organisatoren lassen sich jedes Jahr eine interessante Strecke einfallen. Dieses Mal geht es in die Vergangenheit.

Der Vorsitzende des Vorbacher CSU-Ortsverbands, Peter Stickling (links), dankt den beiden Heimatforschern Josef Püttner und Manfred Müller (Dritter und Vierter von links) für die Führung durch die „Biestum“ bei Ernstfeld.
von EDOProfil

Die Tour führte von der Gegenwart ins Mittelalter. Ziel der Radler unter Begleitung von Mountainbiker Christoph Renner war ein nicht nur von Archäologen viel beachteter Ort in der Nähe von Ernstfeld: Die Bienenstube oder im Volksmund auch „Biestum“. Im Waldgebiet südwestlich von Ernstfeld erfuhren die 17 Kinder dabei nicht nur viel über das Leben im 15. Jahrhundert, sondern auch über die spannende Arbeit der Hobby-Archäologen. An der Grabungsstätte wurde die Gruppe nämlich von den beiden Heimatforschern Josef Püttner aus Schlammersdorf und Manfred Müller aus Unterbibrach erwartet. „Über Jahrhunderte“, so die Fachmänner, habe der überwucherte Ring im Mooser Forst mit einem Innendurchmesser von neun Metern ein Rätsel dargestellt. Dann fand Josef Püttner im Jahr 2004 im Staatsarchiv Amberg eine Urkunde, wonach Pfalzgraf Johann im Jahre 1432 bei der Teufelslohe die Imkereirechte besessen habe. Püttner überzeugte Hans Losert, der auch die Ausgrabungen am Rauhen Kulm leitet, zur wissenschaftlichen Begleitung. In den Folgejahren durften die Hobby-Archäologen dort graben. Unter anderem fand man fünf Räuchergefäße, die dazu dienten, die Bienen zu beruhigen. Manfred Müller, der mit liebevoller Akribie zahlreiche Infos und Bilder aufbewahrt, zeigte den Jungen und Mädchen viele Fotos von den Ausgrabungsarbeiten, an denen sich neben ihm und Püttner auch Rudi Rauh und Michael Biersack unentgeltlich beteiligten.

Aufgrund der beachtlichen Mauer-Stärke von 70 Zentimeter könne man davon ausgehen, dass der Rundbau mehrgeschossig war, berichteten die Experten und ebenso den vermutlichen Grund dafür: Damit die in den damaligen Urwäldern lebenden Bären den Honig nicht plündern konnten, wurde das süße Nahrungsmittel in den oberen Stockwerken gelagert. Möglicherweise wurden im oberen Stockwerk auch Bienenvölker untergebracht. Usus bei der damaligen Waldzeidlerei, so die Fachleute, war jedoch, dass die Bienenstöcke in den Bäumen angebracht wurden. Das Erdgeschoss der „Biestum“ habe als Wohnraum für die Imker (Zeidler) gedient. Diese Vermutung gehe aus den gefundenen Haushaltsscherben und dem Ausguss im Fußboden hervor.

Neben der Honigproduktion gingen die damaligen Bewohner vermutlich auch noch anderen Tätigkeiten nach. Manfred Müller zeigte den Kindern etwas abseits der Bienenstube eine 2011 ausgegrabene Steinrampe. Diese lasse auf einen Steinbruch schließen. Dann führte er sie zu den Überresten eines Kohlemeilers und einer Pechsiederei. Im Jahr 2012 stießen die Heimatforscher dort in etwa 70 Zentimeter Bodentiefe auf drei Schichten schwarzer Erde. „Hier wurde also mindestens dreimal Holzkohle gemacht“, sagte der Experte. Den Ofen der Pechsiederei, eines damals sehr einträglichen Gewerbes, habe man trotz intensiver Grabungen noch nicht gefunden. Müller hofft, dass die Suche in Zukunft durch moderne Technik unterstützt werde.

Um den freigelegten Sandsteinring auch für zukünftige Generationen zu erhalten, versahen ihn die ehrenamtlichen Forscher zusammen mit dem Mauerer Georg Pittner aus Schlammersdorf im Herbst 2013 mit einer Mauerkrone aus Mörtel. Dabei wurden vier Tonnen Trasskalkmörtel im Wert von 2000 Euro verarbeitet. Für die Herstellung eines ebenen Abschlusses konnten herumliegende Steine vom eingestürzten Gebäude verwendet werden.

Der Vorsitzende des Vorbacher CSU-Ortsverbands, Peter Stickling, dankte den beiden Heimatforschern für die kurzweilige und kompetente Führung. Anschließend setzte die Gruppe ihre Fahrt in Richtung Osten fort, vorbei an einer Weiherkette und der Haarkapelle bis zur Verpflegungsstation in der Nähe der Holzmühle. Dort warteten die Vorsitzende des Schlammersdorfer CSU-Ortsverbands und Bürgermeisterkandidatin Tanja Renner sowie der CSU-Bürgermeisterkandidat für die Gemeinde Vorbach, Alexander Goller, mit Würsteln, kühlen Getränken und Eis auf die Gruppe.

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