23.09.2021 - 16:37 Uhr
SchlammersdorfOberpfalz

VR-Bank Nordoberpfalz will aus Schlammersdorfer Filiale Beratungs-Geschäftsstelle machen: Kunden sorgen sich, Vorstand beschwichtigt

Die Filiale der Volksbank Raiffeisenbank Nordoberpfalz in Schlammersdorf soll zu einer Beratungs-Geschäftsstelle umgebaut werden. Was sich gut anhört, könnte das Aus für den klassischen Service vor Ort bedeuten.

Zu einer Beratungsstelle soll die VR-Filiale in Schlammersdorf umgebaut werden. Manche Kunden fürchten, dass der Service verloren geht.
von EDOProfil

Anfang des Jahres war die Filiale der Volksbank Raiffeisenbank noch von Montag bis Freitag geöffnet, seit Februar wurden die Service-Zeiten auf nur mehr zweieinhalb Tage reduziert. Bei aufmerksamen Kunden stieß diese Information bereits auf Unmut. „Hier wird still und heimlich der Service abgeschafft“, befürchtet etwa Reinhold Kräml aus Oberbibrach. Er hat deshalb einen Beschwerdebrief an die VR-Zentrale geschickt.

Wer die Infotafel im Eingangsbereich genau liest, kann erahnen, wohin die Reise für die Niederlassung geht: „Wir wandeln unsere Geschäftsstelle Schlammersdorf im Jahr 2021 in eine Beratungs-Geschäftsstelle um“, ist dort zu lesen. Die neuen Öffnungszeiten würden bis dahin weiter gelten.

Fragt man bei Kunden nach, wird klar: Auch wenn man mit Online-Banking einen Teil von zu Hause aus erledigen kann, will kaum jemand auf den Vor-Ort-Service verzichten. „Gerade beim Online-Banking braucht man Hilfe, wenn man zum Beispiel ein neues Handy hat und die App neu einrichten muss", sagt ein Passant. "Übers Telefon funktioniert das nicht." Und außerdem: "Nicht jeder kann Online-Banking machen.“ Ein anderer Kunde meint: „Trotz Kontogebühren bin ich bei der Bank geblieben, weil ich den persönlichen Kontakt schätze und nicht bis nach Eschenbach fahren muss. Schließlich heißt es ja Volksbank.“

Keinen Grund zur Sorge sieht hingegen Thomas Wirth, einer der vier Vorstände der VR Nordoberpfalz: „Wir wollen in den erfolgreichen Standort Schlammersdorf investieren, indem wir entweder einen Umbau oder sogar einen Neubau machen“, erklärt er bei einem Gespräch in der VR-Filiale in Falkenberg, die eine ähnliche Umstrukturierung erfahren habe, wie es in Schlammersdorf geplant sei.

Ortstermin in Falkenberg

Schlammersdorfs Bürgermeister Johannes Schmid, Vorbachs zweite Bürgermeisterin Irmi Bauer sowie der Schlammersdorfer Gemeinderat und Seniorenbeauftragte Gerhard Löckler waren nach Falkenberg gefahren, um sich ein Bild vor Ort zu machen. „Es sind bereits viele Gerüchte im Umlauf, die es endlich einzufangen gilt“, sagte Löckler, bis 2020 Bürgermeister von Schlammersdorf. Wirth sowie die Belegschaft in Falkenberg standen ihm sowie Schmid und Bauer Rede und Antwort. Konkrete Termine und Maßnahmen für Schlammersdorf wurden jedoch nicht genannt.

Das Beratungszentrum soll laut Wirth auf jeden Fall eine offene Architektur mit unter anderem 4 etwa 16 Quadratmeter großen Beratungsräumen erhalten. Im Eingangsbereich sollen ein Geld-Ein- und -Auszahlungsautomat sowie ein Terminal für selbstständige Überweisungen stehen. Wegfallen sollen hingegen die bisherigen Schalter und damit auch ein Teil der Servicekräfte.

Zur Personalstärke konnte der Bankvorstand noch keine genauen Auskünfte geben, jedoch verwies er auf das Beispiel Falkenberg, wo eine Servicekraft in Teilzeit vor Ort sei und die Berater unterstütze. Entlassungen schloss er aus; die bisherig in Schlammersdorf tätigen Servicekräfte müssten aber wohl zum Teil in andere Filialen. Denn der jetzige Service am Schalter werde definitiv abgeschafft, hieß es. Man könne auch nach wie vor zu den Geschäftszeiten in das Gebäude, für Beratungen bedürfe es jedoch zukünftig Terminen.

„Was ist mit den meist älteren Leuten, die mit den Automaten nicht zurecht kommen?“, wollte Seniorenbeauftragter Gerhard Löckler wissen. Die Berater beziehungsweise die anwesende Servicekraft könnten nach wie vor helfen, berichtete das Falkenberger Personal, das die Umgestaltung positiv bewertete. Kunden, die sich mit der Digitalisierung schwer tun, erhielten auch Unterstützung in den Familien, so die Beobachtung eines Bankberaters.

"Neubau am liebsten"

Die Umgestaltung zu einem Beratungszentrum sei den sich wandelnden Kundenbedürfnissen geschuldet, sagte Wirth: "Wir wollen neue Kunden, aber auch Mitarbeiter gewinnen", und das sei in einer in die Jahre gekommenen Filiale schwierig. Angesprochen darauf, wie der Betrieb während eines Umbaus des bestehenden Gebäudes weitergehe und ob dieser angesichts dessen Alters überhaupt sinnvoll sei, meinte er: „Uns wäre ein Neubau am liebsten.“

Unter anderem wegen der angespannten Lage in der Baubranche rechnet der Bankvorstand frühestens 2022 mit einem Beginn der Maßnahme in Schlammersdorf. Auf Einladung von Johannes Schmid sagte er zu, die Pläne in einer der nächsten Gemeinderatssitzungen vorzustellen.

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Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

VR-Geschäftsstelle Schlammersdorf

  • Bis 1999 noch komplett eigenständig. 1999 Fusion mit der Raiffeisenbank Eschenbach, im Jahr 2000 mit der Raiffeisenbank Weiden. Gehört seit Herbst 2017 zur VR Nordoberpfalz mit Hauptsitz in Weiden.
  • Filiale zählt zu den erfolgreichen im Einzugsgebiet der VR Bank Nordoberpfalz: Jährliche Bilanz hat sich seit dem Ende der Selbstständigkeit erheblich gesteigert.
  • Zugleich ständige Abnahme der Öffnungszeiten. Bis 2018 sogar samstagvormittags geöffnet, seit Februar 2021 nur noch an zweieinhalb Tagen.
  • Bemerkenswerte Besonderheit zur Belegschaft: Seit über 30 Jahren das gleiche Team in Schlammersdorf. (edo)

 

 

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