21.06.2019 - 11:32 Uhr
Deutschland und die WeltOberpfalz

Schleichend, schmerzfrei, bedrohlich

Wie die Parodontologie gegen die tückische Zahnbettentzündung kämpft

Frau mit Zahnschmerzen
von Alexander Alt Kontakt Profil

Blutendes Zahnfleisch, zerstörte Kieferknochen, Zahnausfall – Millionen Menschen leiden in Deutschland unter der meist chronischen Parodontitis. Besonders tückisch: Die Krankheit verläuft meist schleichend und schmerzfrei. Daher bleibt sie in vielen Fällen lange unentdeckt. Doch es gibt vielversprechende Therapiemöglichkeiten.

Eine aktuelle Studie belegt, dass nahezu 80 Prozent der Deutschen unter einer Zahnbettentzündung (Parodontitis) leiden. Viele Betroffene wissen nichts von ihrer Erkrankung, da der Schmerz oft lange Zeit ausbleibt. Allerdings geben andere unangenehme Begleiterscheinungen Hinweise auf die Zahnfleischerkrankung: verstärkter Zahnbelag, gerötetes oder blutendes Zahnfleisch sowie Mundgeruch. Schreitet die Parodontitis fort und wird nicht behandelt, zerstört sie nach und nach den Kieferknochen. Dadurch verlieren die Zähne ihren Halt und fallen schließlich aus.

Parodontitis wird durch Bakterien in den Zahnbelägen verursacht. Sie beginnt mit einer Zahnfleischentzündung und entwickelt sich zu einer Entzündung des kompletten Zahnapparates, also des Zahnfleischs, der Wurzelhaut, des Zahnzements und der Haltefasern, wie die Verbraucherzentrale informiert. Sie rät daher Parodontitis-Erkrankten dringend, sich an einen Parodontologen zu wenden, sobald sich Symptome bemerkbar machen. Denn bei Parodontitis gilt: „Je früher sie erkannt wird, desto besser kann sie behandelt werden“, betonen die Experten.

Parodontologen sind Zahnärzte, die auf Erkrankungen von Gewebe, das den Zahn im Kiefer verankert, spezialisiert sind. Die Behandlung gliedert sich in drei Phasen: die Vorbehandlung, die systematische Parodontitis-Therapie und die Nachbehandlung. In der ersten Phase entfernen die Ärzte weiche und harte Beläge sowie Karies, der sich am Zahn festgesetzt hat. In speziellen Fällen werden Zähne gezogen, die auch nach der Behandlung keine Aussicht mehr auf völlige Regeneration hätten.

Während der systematischen Parodontitis-Therapie entfernt der Parodontologe Beläge, die sich in den Zahnfleischtaschen und Wurzelgabelungen eingelagert haben und nur schwer zugänglich sind. Auch die Oberflächen der Zahnhälse befreit er von Ablagerungen. Dieses Verfahren wird „Deep Scaling“ genannt. In der Regel erhält der Patient vor diesem Eingriff eine örtliche Betäubung. In besonders schwerwiegenden Fällen muss der Experte auch tiefer eingreifen: Ist das Zahnfleisch stark befallen, muss es an den entzündeten Stellen aufgeschnitten und zurückgeklappt werden, damit der Arzt die zu reinigenden Stellen besser erreichen kann. Ist bereits der Kieferknochen angegriffen, wird dieser während der zweiten Behandlungsphase geglättet. Nachdem das Zahnfleisch vernäht ist, braucht es Zeit, um richtig auszuheilen.

Die Nachbehandlung dient vor allem der Kontrolle. Der Zahnarzt untersucht den Mundraum des Patienten und achtet dabei darauf, ob sich neue Beläge am Zahn und in den Zahnfleischtaschen gebildet haben. In dieser Phase spielt die akribische Pflege zu Hause eine wichtige Rolle, die nicht nur unterstützend, sondern der Hauptfaktor dafür ist, dass die Parodontitis dauerhaft verschwindet.

Info:

Lasertherapie: Vielversprechende Behandlungsmethode

Lange Zeit setzten Zahnärzte Laser nur für chirurgische Eingriffe ein. Das ist heute anders. Die gebündelten Lichtstrahlen sind eine effektive Methode zur Behandlung von Karies, Zahnwurzelentzündungen – und Parodontitis. Bevorzugt setzen die Experten den YAG-Laser ein, da er für den Patienten besonders schonend ist. Durch die warmen Lichtstrahlen werden Zahnfleischtaschen gereinigt, in denen sich Beläge und Bakterien sammeln. Dieses Vorgehen ist elementar für den Kampf gegen Parodontitis. Gleichzeitig werden die Taschen durch den Laser desinfiziert und so neuen Anlagerungen vorgebeugt. War die Behandlung erfolgreich, verwenden Ärzte Laser mit niedriger Leistung zur Nachsorge. Der gebündelte Lichtstrahl fördert die Wundheilung und regt biologische Prozesse an. Patienten sollten immer darauf achten, dass sie sich von einem erfahrenen Arzt behandeln lassen.

Info:

Parodontitis: Risiko senken, Symptome frühzeitig erkennen

Eine entscheidende Ursache von Parodontitis sind Zahnbeläge. Durch gründliche, regelmäßige Mundhygiene können diese vermieden werden. So sinkt das Risiko, an Parodontitis zu erkranken. Dabei sollte auch das Reinigen der Zahnzwischenräume mit Zahnseide zur täglichen Routine gehören. Hartnäckige Beläge oder Anlagerungen an schwer erreichbaren Stellen sollte ein Zahnarzt regelmäßig entfernen. Doch auch äußere Lebensumstände beeinflussen die Entwicklung der Zahnfleischerkrankung. Stress und Nikotin erhöhen das Risiko.

Da die Erkrankung oft erst sehr spät erkannt wird, rät die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung, auf folgende Symptome zu achten: eine andauernde Schwellung sowie Rötungen oder ein ungewöhnlicher Rückgang des Zahnfleischs. Auch Zahnfleischbluten während oder nach der Zahnpflege können ein Zeichen für Parodontitis sein. Häufen sich die Symptome, sollte so schnell wie möglich ein Zahnarzt aufgesucht werden.

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