15.01.2019 - 15:17 Uhr
SchmidgadenOberpfalz

Ersthelferin rettet beim Einkaufen Mann vor dem Tod

Keine Atmung, kein Herzschlag mehr! In einem dramatischen Wettlauf mit dem Tod holt Ursula Müller als Ersthelferin einen 67-Jährigen ins Leben zurück, der vor dem Globus-Warenhaus in Schwandorf zusammengebrochen war.

Ursula Müller (Mitte) und ihr Mann Günther (Zweiter von links) waren aktiv an der Rettung eines 67-Jährigen beteiligt, der an dieser Stelle vor dem Globus-Warenhaus in Schwandorf zusammengebrochen war und ohne ihre Hilfe nicht überlebt hätte. Unterstützung gab es während der Reanimation durch Beschäftigte des Betriebs, hier vertreten durch Betriebsratsvorsitzende Monika Loos, Geschäftsleiter Reiner Debernitz und Personalleiterin Kornelia Schwarz (von links). Auch der Sender OTV hatte Interesse an der Geschichte (rechts).
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Es sind Minuten, die an Dramatik nicht zu überbieten sind, an jenem 16. März im vergangenen Jahr. Ursula Müller und ihr Mann Günther waren aus Schmidgaden nach Schwandorf gefahren, um im Globus einzukaufen. Auf dem Weg zum linken der beiden Eingänge ins Warenhaus sehen sie plötzlich einen leblosen Mann liegen. „Ich habe gleich zu laufen begonnen“, erzählt die 38-Jährige. Ein Glück für den Kollabierten: Die Schmidgadenerin ist gelernte Krankenschwester, die sich in einer Notsituation nicht zweimal bitten lässt.

Sie stellt fest, dass der Leblose nicht mehr atmet. „Es war auch kein Puls zu spüren“, berichtet Ursula Müller, „dafür hatte ich selbst umso mehr Adrenalin im Körper.“ Auch wenn sie im ambulanten Pflegedienst arbeitet, wo es zu krisenhaften Situationen kommen kann, „erlebe ich trotzdem so etwas nicht oft“. Noch dazu mit einem Wildfremden, von dem man nicht weiß, warum er zusammengebrochen ist. Doch diese Gedanken können die beherzte Frau nicht lange irritieren.

Sie beugt sich über den Liegenden und beginnt mit einer intensiven Herzdruck-Massage. Es wird ein Notruf abgesetzt und ihr Mann Günther schickt Gaffer weiter, bis Globus-Beschäftigte kommen und mit Decken einen provisorischen Sichtschutz bilden. Monika Loos, die Globus-Betriebsratsvorsitzende, war damals vor Ort und ist noch heute voller Bewunderung über die tatkräftige Ersthelferin: „Sie war mit aller Energie dabei und hat ordentlich Gas gegeben.“

Die Druckmassage ist vermutlich ausschlaggebend, dass bei dem Bewusstlosen das Herz wieder zu schlagen beginnt. Schließlich können Notarzt und Sanitäter den Patienten übernehmen, der seinen bevorstehenden 68. Geburtstag ohne Ursula Müller wohl nicht mehr erlebt hätte. „Ich habe gehört, dass er später auf Reha gekommen ist, aber mehr weiß ich nicht“, bedauert sie.

Ihr rasches und zielführendes Handeln hat auch einen Polizeibeamten beeindruckt, der Ursula Müller als Lebensretterin an die Regierung der Oberpfalz gemeldet hat. Dort erhielt die couragierte Frau am Dienstag als Anerkennung eine Urkunde und eine Medaille ausgehändigt.

In seiner Laudatio für Ursula Müller erinnerte Regierungspräsident Axel Bartelt im großen Sitzungssaal der Regierung der Oberpfalz daran, dass die Schmidgadenerin am 16. März 2018 beim Einkaufen in Schwandorf unterwegs war, als sie einen leblos auf dem Boden liegenden Mann bemerkte. „Sie zögerten keine Sekunde und liefen zu dem Mann. Nachdem sie dessen Vitalfunktionen geprüft hatten, begannen Sie sofort mit der Herzdruckmassage und führten diese 20 Minuten lang – bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes – durch“, fasste Bartelt die dramatischen Ereignisse zusammen.

„Sie haben nicht weggeschaut, als ein bewusstloser Mann Hilfe benötigte, seine lebensbedrohliche Situation richtig eingeschätzt und unverzüglich gehandelt“, lobte der Regierungspräsident. Eine Herzdruckmassage über einen Zeitraum von 20 Minuten durchzuführen, verdiene höchste Anerkennung.

Lebensretterin Ursula Müller aus Schmidgaden
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