07.02.2019 - 16:47 Uhr
SchmidgadenOberpfalz

"Wir haben zweieinhalb Jahre verloren"

Eine kleiner Ort muss viel tun, will er im Konzert der Gemeinden gehört werden. Das gilt auch für Schmidgaden. Und so proben Bürgermeister und Gemeinderat ein Lied, das erfolgversprechend klingt.

Bürgermeister Josef Deichl und seine "Schatzkarte". Sie trägt den Namen Flächennutzungsplan und zeigt, wo sich in Schmidgaden mit seinen 18 Ortsteilen Potenzial für eine positive Entwicklung finden lässt.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Wichtige Abschnitte in der kommunalpolitischen Partitur der Gemeinde mit ihren 18 Ortsteilen sind überschrieben mit den Begriffen Wohnraum schaffen, Betriebe gewinnen und Jugend begeistern. Auch wenn die Gemeinde seit drei Jahren schuldenfrei ist, wachsen seitdem die Bäume nicht in den Himmel, im Gegenteil. Verantwortlich sind die Querelen in und um den Wasserzweckverband Brudersdorfer Gruppe, der im Rathaus Kräfte gebunden hat. "Durch den Rechtsstreit wurde viel Energie und Arbeitskraft verbraucht und das hat uns um zweieinhalb Jahre zurückgeworfen", bedauert Bürgermeister Josef Deichl.

Förderung noch offen

Im Juni 2018 ging die Verlegung der Wasserleitungen schließlich los. Wo man die Straßen dafür aufreißt, müssen sie auch wieder hergerichtet werden. Aber: "Die Klage hat die Straßenplanung behindert und wegen neuer rechtlicher Bestimmungen bleiben die Kosten jetzt an der Gemeinde hängen." Deichl hat auch Zahlen parat: 700 000 Euro müssen für die Kanäle ausgegeben werden, drei Millionen Euro kostet der folgende Straßenbau. "Und leider ist noch nicht geregelt, wie der Freistaat das fördert."

Eine etwas angenehmere Baustelle ist die Arbeit zur Ausweisung neuer Baugebiete. In den letzten Jahren hat sich die Einwohnerzahl sehr positiv entwickelt. Derzeit sind 2971 Bürger in der Gemeinde gemeldet. Es dürfen ruhig mehr sein, vor allem mehr Kinder, um die drei Schulen im Gemeindegebiet auch in Zukunft zu sichern - vor allem die Mittelschule. Damit Familien bauen können und sich vielleicht sogar die Zahl von 28 bis 30 Geburten im Jahr erhöht, müssen neue Bauplätze her. Und die Nachfrage ist groß. Im vergangenen Jahr hat die Gemeinde 19 Parzellen veräußert. In den Ortsteilen Trisching und Schmidgaden sind jetzt keine gemeindeeigenen Plätze mehr vorhanden. In Inzendorf stehen noch vier und in Rottendorf ebenfalls vier Plätze zum Verkauf.

Da das Kontingent an Bauplätzen also ziemlich ausgeschöpft ist, wurde mit der Aufstellung des neuen Baugebietes "Schmidgaden West IV" begonnen. Dort sollen auf 2,5 Hektar Fläche 29 weitere Parzellen erschlossen werden. Begonnen wird die Erschließung heuer im September. Niemand im Rathaus zweifelt, dass es so eine Erfolgsstory wird wie das Baugebiet "Schmidgaden West III". Von den 35 Parzellen dort sind schon 34 verkauft, die letzte ist reserviert worden. Anfragen für das neue Baugebiet gab es schon, erzählt Deichl, "aber wir haben noch keine Preiskalkulation". Auch in Trisching soll auf 3,5 Hektar Fläche ein neues Baugebiet entwickelt werden. Natürlich gibt es innerorts freie Baugrundstücke. "Wir haben in unserer Leerstandsoffensive 192 bebaubare Grundstücke gezählt", berichtet Deichl. Um Anreize für Neubauten zu schaffen, hat der Gemeinderat sieben alte Bebauungspläne modernisiert. Das Ziel: Weniger amtliche Vorschriften für die Bauherren.

Bei den Arbeitsplätzen hofft Deichl auf die Zugkraft von Autobahn und Autobahn nahen Gewerbe- und Industriegebieten, um auch großen Firmen eine Ansiedlung schmackhaft zumachen. Deichl hegt hier einige Hoffnungen, die aber bei weitem noch nicht spruchreif sind. Dabei würde dem Bürgermeister der Zuzug von neuen Bürgern durchaus gefallen. Das hat auch damit zu tun, dass er die Situation der Schulen stabilisieren will. Es gibt zwar die Grundschule in Rottendorf mit 45 Kindern in Kombi-Klassen, aber die Abc-Schützen aus dem Ortsteil Schmidgaden selbst werden in der Grundschule Fensterbach eingeschult. Möglicherweise besuchen sie danach die Mittelschule in Schmidgaden. Die stand vor drei Jahren auf der Kippe, aber Deichls Einsatz führte zu einer Sicherung des Standorts. Jetzt gibt es dort eine Ganztagsschule und es werden 5., 6., 7. und 9.Klassen beschult. "Außerdem haben wir 16 bis 18 Kinder für eine fünfte Klasse im nächsten Schuljahr".

Was die Jugend wünscht

Überhaupt die jungen Leute: Die will Deichl besser einbinden. So ist für 8. März eine Jugendbürgerversammlung geplant. "Die sollen sagen, was sie wünschen, denn ich weiß das nicht unbedingt - für die bin ich ja ein alter Mann", sagt der Bürgermeister und lacht. Vielleicht gebe es ja mal wieder eine Disko-Party im Ort, wie zu seligen "Pub 36"-Zeiten. Jung und alt auf der Tanzfläche - diesen Sound würde man im ganzen Landkreis wahrnehmen.

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