25.06.2021 - 17:54 Uhr
SchmidgadenOberpfalz

Magdalenental: Wunsch und Hürde

Beim Naherholungsgebiet Magdalenental prallen Wünsche und harte Fakten aufeinander. Nun soll es einen Workshop geben.

Ein Konzept soll es für das Naherholungsgebiet Magdalenental geben. Hans-Jürgen Flierl und Christian Pröls geht das zu schleppend. Nur ein geringer Betrag ist heuer für Planungskosten im Etat angesetzt.
von Claudia Völkl Kontakt Profil

Am Rande der Haushaltssitzung klangen in der letzten Gemeinderatssitzung in Schmidgaden noch Themen an, die den Gemeinderat kostenmäßig fordern oder fordern werden.

Projekt Naherholungsgebiet Magdalenental: Hier ist nur ein kleines Budget von rund 15000 Euro für Planungskosten angesetzt, was in der Haushaltsdebatte vor allem von Florian Burth und Christian Pröls bemängelt wurde. Es ist laut Bürgermeister Josef Deichl schon ein Gespräch mit Landschaftsarchitekt Siegfried Lösch geführt worden, ein Workshop soll jetzt folgen, den es gibt Wünsche, Ideen, aber noch kein Konzept. Kämmerer Hans Werner skizzierte auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien die Ausgangslage und hat so seine Zweifel daran, ob ein durchstrukturiertes Naherholungsgebiet der Wunsch der Bürger sei, wenn sie sich die finanziellen Belastungen für die Gemeinde vor Augen führen.

Die Nutzung des Badeweihers sei schon vor Jahren beerdigt worden, da die vorgereinigten Abwässer aus der Kleinkläranlage (dem Drei-Kammer-System) der Jugendherberge Grimmertal hier hineinlaufen. Also Baden verboten. Werner hat da seine Bedenken, wenn kleine Kinder ihre Füße in den Weiher halten.

Bei einem angedachten Campingplatz müsste eine Abwasserleitung nach Trisching mit Pumpwerk gebaut werden. Da liege man leicht bei 400 000 Euro. Dann stelle sich die Frage der Aufsicht. Ein weiterer Kostenfaktor. Zudem liege das Gelände auch im Landschaftsschutzgebiet und dürfe nicht umzäunt werden. „Naturschutz und Nutzung prallen aufeinander“, formuliert es Hans Werner.

Was kurzfristig gemacht werden muss, sind die Toiletten, die man auch bei Festivitäten im Magdalenental benötigt. „Das könnte eventuell noch in diesem Jahr klappen“, hofft Werner. Man ermittle die Kosten. Auch der Beachvolleyballbereich wird wieder mit Sand unterfüttert, wie von Dritter Bürgermeisterin Theresia Dobler und Ramona Birner angeregt wurde.

Angeschnitten wurde auch das Thema Kindergarten. Gewerbeansiedlungen, Ansiedlung von Familien: Schmidgaden hat Erfolg mit dieser Strategie. Doch er kostet auch. Der neue Kindergarten wird im September fertiggestellt. In der Gemeinde können dann in zwei Einrichtungen insgesamt 164 Kinder betreut werden, wurde in der Sitzung mitgeteilt. Das Personal muss um neun Kräfte aufgestockt werden. Die Bewerbungen sind vielversprechend, so Bürgermeister Josef Deichl. Die Stellenzahl im Bereich Kindergarten/Krippe steigt auf 28 an, heißt es im Haushaltsvorbericht. Weiterhin sind drei Reinigungskräfte notwendig.

Das alles schlägt finanziell enorm zu Buche. Kämmerer Hans Werner holte aus: Die Personalkostenzuschüsse des Staates wurden vor Jahren von staatlichen Beteiligungen abgelöst, die sich an Kinderzahl und Buchungszeit orientieren. Ein Modell, das in der Praxis vieles komplizierter gemacht hat. Der ursprüngliche Plan, dass 40 Prozent der Kosten der Staat trägt, 40 Prozent die Kommune und 20 Prozent die Eltern, sei Makulatur. Die Gemeinde Schmidgaden muss ein jährliches Defizit von 700 000 Euro verkraften. Um die Situation spürbar zu verbessern, müssten die Elternbeiträge - knapp 70 000 Euro im Jahr – verzehnfacht werden. Illusorisch. Doch man werde sich auf längere Sicht Gedanken machen müssen, meint Hans Werner: Entweder „mit den Ausgabe runter oder mit den Gebühren raufgehen“.

Der Kämmerer ging in der Sitzung auch auf die personelle Situation am Bauhof und in der Gemeindeverwaltung Schmidgaden ein. Am Bauhof ist ein langjähriger Mitarbeiter ausgeschieden, wird aber auf 450-Euro-Basis weiter für die Kommune tätig sein. Ein teilzeitbeschäftigter Mitarbeiter wird dafür vollzeitbeschäftigt. In der Verwaltung sind zwei Azubis beschäftigt. Eine wird als Sachbearbeiterin übernommen. Ab September wird ein neuer Azubi eingestellt. Die Ausbildungskosten werden mit 25 800 Euro veranschlagt. Aufgrund des Generationswechsels bei den Beschäftigten der Verwaltung wurde in der Kämmerei eine neue Mitarbeiterin eingestellt.

„Die personelle Situation in den Kommunen ist anders als vor 20 Jahren“, betonte Werner. Verwaltungen sind komplett überaltert, viele neue Stellen tun sich auf. Die Kommunen brauchen Verwaltungsleute und die sind rar. Gemeinden müssten deshalb darauf bedacht sein, Personal zu binden. Das gelinge nur mit attraktiven Angeboten und Aufstiegsmöglichkeiten. „Ich scheide in drei Jahren aus und könnte sagen, dass mich das nicht mehr interessieren muss“, so Werner. Sein dringender Appell ans Gremium:„ Schafft attraktive Bedingungen für das Personal, damit es gerne hier arbeitet“. Denn die Anforderungen werden immer mehr, richtete er den Blick auf ständige technische Umstellungen und neue Programme. Alles muss neu erlernt werden. Das bindet Kräfte“.

Und was wohl in den nächsten Jahren verstärkt auf Landgemeinden zukommen werde, sei der Unterhalt kleiner Straßen. „Wie bei Wasser und Kanal wäre auch hier eigentlich eine Härtefallregelung für Oberbauverstärkungen notwendig“. Bei den Orts- und Flurbereinigungsstraßen reiche die oft in den 70er Jahren festgelegte Tonnage nicht mehr aus. Straßenschäden – und hohe Kosten – seien absehbar.

Ein Großprojekt der Gemeinde soll im Herbst fertig sein: Der neue Kindergarten.
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