11.08.2019 - 13:12 Uhr
SchmidgadenOberpfalz

Sabrinas Blut in Alex' Adern

Wake-Board oder Adventure-Golf bei der "Kugel"? Am Steinberger See ist Leben. Alex Talbott aus Joplin (Missouri) lässt seinen Blick schweifen. Hier begann vor fünf Jahren sein zweites Leben.

Besuch bei seiner Lebensretterin: Sabrina Rohrwild (Zweite von links) und ihr Lebensgefährte Florian Plail (links) organisierten für Alex und Jamie Talbott (Mitte) ein Grillfest. Die amerikanischen Freunde haben sich dafür gleich mit Dirndl und Lederhose eingekleidet.
von Claudia Völkl Kontakt Profil

Neben Alex Talbott und seiner Frau Jamie steht Sabrina Rohrwild, die Frau, die ihre gesunden Stammzellen vor vier Jahren dem jungen, an Leukämie erkrankten Amerikaner spendete. Sie sind Freunde geworden. Die 25-Jährige aus Trisching (Gemeinde Schmidgaden) und ihr Lebensgefährte Florian Plail zeigen den Talbots das, was jeder Amerikaner mit "Bavaria" verbindet.

Per Kurier nach Kansas

Rückblende: Alles beginnt im Jahr 2014. Sabrina Rohrwild ist als Jugendleiterin der Nabburger Wasserwacht mit ihrem Team zur Aufsicht am Steinberger See eingeteilt. In Wackersdorf läuft die Typisierungsaktion für den leukämiekranken fünfjährigen Lennard. Die Wasserwachtler wollen helfen. Sie lassen sich Blut abnehmen. Die Spender stehen ab dem Zeitpunkt in der DKMS-Datei, in der weltweit alle verfügbaren Knochenmarkspender gelistet sind.

Monate später kommt der Anruf: Sabrinas Stammzellen würden für einen Patienten "passen". Der Piks bei der Typisierung in Wackersdorf nimmt eine andere Dimension an: Gesundheitscheck, Sabrina bekommt Spritzen und Wachstumshormone, welche die Zellproduktion anregen: Am 18. Mai 2015 wird der jungen Frau in einem zweitägigem Klinikaufenthalt Blut mit den gesunden Stammzellen abgenommen. Alles läuft bis anonym. Sabrina weiß damals nur, dass ihre Spende für einen 27-jährigen Amerikaner bestimmt ist. Ein Kurier bringt sie ins Kansas City Cancer Center. Am 20. Mai erhält Alex Talbott Sabrinas Blut.

Die schönen Seiten Bayerns

Er hat es dank Sabrina geschafft, ist gesund und arbeitet seit zwei Jahren als Zahnarzt in seiner eigenen Praxis. Das düstere Kapitel Krebs ist abgeschlossen. Am See steht ein sportliches, sympathisches Paar. Sabrina und Florian zeigen den Talbotts die Gegend. Sie sind zum Gegenbesuch gekommen, nachdem sie im Vorjahr Alex Lebensretterin in Joplin wie einen VIP empfangen hatten. Die Tage mit Familienfeiern, Fischen, Baseball und Ausflügen vergehen wie im Flug. Im Kansas City Cancer Center lernt Sabrina die Ärzte und Krankenschwestern kennen, die Alex betreut haben. Sie freuen sich, dass diese Krankengeschichte ein Happy-End hatte.

Ihr Versprechen, zum Gegenbesuch nach Deutschland zu kommen, haben die Talbotts nun eingelöst. Sabrina, die eine Ausbildung zur Heilpädagogin macht, ist seit vergangenen Samstag Travel-Guide. Die beiden Paare waren in Amberg. Alex hat das Wort "Lederhose" verinnerlicht. Der Zahnarzt und seine Frau Jamie - von Beruf Krankenschwester - haben sich einen entsprechenden Dress für das "Bavarian Barbecue" gekauft.

Alex schwärmt von Sabrinas Mutter in Trisching, Florians Eltern in Nabburg. Inzwischen liebt er Weißwürste, Schweinebraten und "Augustiner", weiß auch wie "saure Zipfl" schmecken. Die Tage sind gut gefüllt: Frühstück in Schwandorf, beeindruckender Geschichts-Trip in den Regensburger Dom. Mit dem Schiff geht es nach Weltenburg und in Trisching gibt es ein Grillfest mit Spanferkel. Unter den 50 Gästen sind neben Freunden und Verwandten auch Mitglieder der Nabburger Wasserwacht. Und eine Runde Golf in Schwanhof darf ebenso wenig fehlen. Seit der Platzrunde mit Alex in Amerika ist Florian "infiziert".

Sabrina Rohrwild (Zweite von links) und ihr Lebensgefährte Florian Plail (links) sind mit ihren Freuden Alex und Jamie Talbott (Mitte) auf Tour. Ein Abstecher führte auch zum Steinberger See. Hier hatten Sabrina Rohrwild und ihre Gruppe Aufsicht, als sie sich entschlossen, noch nach Wackersdorf zur Typisierungsaktion zu fahren. Rechts im Bild Sabrinas Schwester Franziska und ihr Freund Felix.

"Viel gebetet"

Sabrina und Florian zeigen den beiden 31-jährigen Amerikanern zehn Tage lang die schönsten Seiten Bayerns: Berchtesgaden, Königssee, Schloss Neuschwanstein, Zugspitze. Es geht auch nach Salzburg, schließlich hat Jamies Vater österreichische Wurzeln. München und das Gäubodenfest in Straubing sind ein Muss, bevor es Abschied nehmen heißt und der Flug nach Dallas geht. Nur kurz blendet Alex auf seine lebensbedrohliche Erkrankung zurück. Aus einer vermeintlich langen Erkältung war die Diagnose Leukämie geworden. Die Chemo schlug nicht an, ein Knochenmarkspender wurde gesucht. Dann war die Stammzellenübertragung terminiert, doch Alex Zustand war zu schlecht dafür.

Wird es sich seine Spenderin anders überlegen? "We prayed a lot (wir haben viel gebetet)", so Jamie über die Zeit der Ungewissheit. Doch alles ging gut. Nach und nach wurden auch die Abwehrreaktionen weniger, "akzeptierte" Alex' Immunsystem Sabrinas Stammzellen. Die beiden liegen nicht nur auf einer Wellenlänge: Alex hat jetzt Sabrinas Blutgruppe.

Alex und Jamie Talbott.
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